- Rathaushalle und Packhof
- 2017/18
Günther Hornig und Wilhelm Lachnit
„Das Wuchern der Ordnung“ in der Rathaushalle
Vom 29. April bis 29. Juli 2018 füllten rund 110 Arbeiten von Günther Hornig die Spätrenaissancehalle, entstanden in mehr als fünf Jahrzehnten. Bis auf zwei Ausnahmen verzichteten die Kuratoren auf großformatige Gemälde; im Mittelpunkt standen Gouachen, Mischtechniken, Collagen und Objekte. Der Rundgang war chronologisch angelegt. Am Anfang hing ein Selbstbildnis aus der realistischen Frühzeit, am Ende etwa zehn kleine Figurenzeichnungen, die nach 2000 entstanden und bis dahin selten gezeigt worden waren.
Die Ausstellung ordnete Hornig als Einzelgänger ein, der sich keiner Richtung der DDR-Kunst ganz zuschlagen lässt, weder den Konstruktiven um Horst Bartnig, Hermann Glöckner, Helmut Senf und Karl-Heinz Adler noch den Informellen wie Herbert Kunze oder Renate Göritz. Seine späteren Arbeiten lassen sich nach Lesart des Ausstellungstextes eher neben Imi Knoebel, Frank Stella oder Ellsworth Kelly stellen.
Vom Informel zur Rasterstruktur
In den sechziger Jahren entwickelte Hornig aus kubistisch zerlegten Akten und farbigen Blättern mit angedeuteten Landschaften und Bauten eine informelle Malerei in erdigen Ocker- und Brauntönen. Er collagierte, faltete, ließ Farbe tropfen und riss Papier. Parallel dazu verließ das Bild die Wand: Materialbilder, Wandobjekte, bemalte Objekte und Türme eroberten den Raum, kastenförmige Assemblagen erinnern an Zerstörtes und Wucherndes. Rasterformen, die wie Waben wirken, setzte er gegen chaotische Strukturen.
Zu Beginn der achtziger Jahre änderte sich die Arbeitsweise. An die Stelle von Intuition und gesteuertem Zufall traten nüchtern entwickelte Strukturen, Verfahren aus Konkreter Kunst und Minimal Art wie die Reihung von Grundformen. Hornig arbeitete mit Normpapieren, Lochstreifen und eingefärbter Pappe; Papierschnipsel ersetzten den Pinselstrich. Die wackelig gestapelten Türme aus farbigen Pappstreifen entstanden aus einer Schaffenskrise und gaben dem Ausstellungstitel seinen Sinn.
Ein Lehrer an der Dresdner Hochschule
Hornig kam 1937 in Bitterfeld zur Welt, lernte in Halle Theatermaler und studierte von 1957 bis 1962 an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste bei Paul Michaelis, Herbert Kunze und Erich Fraaß. An dieser Hochschule unterrichtete er jahrzehntelang im Bereich Bühnenbild, von 1993 bis 2002 als Professor für Malerei und Grafik. Seine Klassen galten als Orte freien Experimentierens. Zu seinen Schülern zählten die Autoperforationsartisten Michael Brendel, Else Gabriel, Via Lewandowsky und Rainer Görß sowie Erhard Monden. Seit 1995 gehörte er dem Deutschen Künstlerbund an; 2016 starb er in Dresden.
Wilhelm Lachnit: „Sachlichkeit und Melancholie“ im Packhof
Eigentlich war der Packhof jungen Positionen vorbehalten, umso auffälliger war 2018 die Schau zu einem 1899 geborenen Maler; eröffnet wurde sie am 25. Februar. Etwa 50 Werke – Gemälde, Radierungen, Pastelle, Monotypien – aus dem Bestand des Landesmuseums gaben Einblick in das Werk von Wilhelm Lachnit. Plastiken von Walter Arnold, Eugen Hoffmann, Gerd Jaeger, Max Lachnit, Reinhold Langner, Lucie Prussog und Willy Wolff traten in den Dialog mit den Bildern.
Die ersten drei der sechs Räume zeigten etwa 25 Arbeiten auf Papier aus der Zeit vor 1945: Porträts im Geist der Neuen Sachlichkeit, karge Landschaftsradierungen, ein „Wiesenstück“ in der Nachfolge Dürers, „Abschied des Kriegers“, ein Pastell aus dem Jahr 1940, und ein Pastell von 1945, das eine Mutter mit Kind an einem Tisch zeigt. In den übrigen Räumen hingen rund 30 Werke aus den fünfziger Jahren bis zu seinem Tod 1962, darunter „Freundinnen“ (1950/55) und „Lesende mit Papagei“ (1957). In dieser späten Phase reduzierte Lachnit Figuren und Landschaften auf Grundformen und griff Anregungen von Picasso, Matisse, Braque und Karl Hofer auf.
Geboren in Gittersee bei Dresden, absolvierte Lachnit sein Studium an der Dresdner Kunstakademie in den Jahren 1921 bis 1923, zuletzt als Meisterschüler von Richard Dreher. Er war Mitglied der KPD und gründete 1929 die Dresdner Ortsgruppe der Assoziation revolutionärer bildender Künstler. 1933 wurde er inhaftiert. Von 1947 bis 1954 lehrte er als Professor an der Dresdner Kunsthochschule, bis er die Stelle unter Druck aufgeben musste, weil er den Forderungen der SED nach sozialistischem Realismus nicht nachkam. Spuren seiner Lehre zeigen sich bei Harald Metzkes, Jürgen Böttcher (Strawalde) und Manfred Böttcher.
