- 7. Februar 2010
Abstraktes in einer DDR-Sammlung
Gegründet 1965, sammelte das Haus bis 1990 vor allem Kunst aus der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Erst danach kamen Werke aus der Bundesrepublik hinzu, außerdem Druckgrafik aus Polen. Dass sich in diesem Bestand auch abstrakte Positionen finden, war Ausgangspunkt der Schau. Gemeint waren damit konstruktive und konkrete Ansätze ebenso wie abstrahierende, minimalistische und informelle. Eine Dauerausstellung gab es seit 1991 nicht mehr; stattdessen beleuchtete jedes Jahr eine neue Ausstellung einen anderen Ausschnitt der Sammlung.
Kunst im Kalten Krieg
Hauer erinnerte daran, wie stark die Abstraktion zwischen 1945 und 1990 politisch aufgeladen war. Im Westen galt sie in den Fünfzigerjahren als universale Sprache der Kunst und als Ausdruck demokratischer Freiheit; wer gegenständlich malte, geriet in den Verdacht, rückständig oder ideologisch belastet zu sein. Im Osten setzte die Sowjetunion um 1950, im Zuge der Formalismusdebatte, den sozialistischen Realismus als verbindliche Norm durch. Abstrakt arbeitende Künstler in der DDR riskierten, als Staatsfeinde zu gelten, und stießen oft auf Hindernisse. Viele suchten die Auseinandersetzung mit der gegenstandslosen Kunst trotzdem.
Die Ausstellung reichte aber weit über die DDR-Zeit hinaus bis in die Gegenwart. Der alte Gegensatz von Entweder und Oder, der auch unter Künstlern erbittert ausgetragen worden war, hatte nach Hauers Einschätzung seine Schärfe verloren. Manche der Beteiligten arbeiteten ausschließlich mit geometrischen oder nicht abbildenden Formen, andere nur in bestimmten Phasen; wieder andere wechselten ständig zwischen Gegenständlichem und Ungegenständlichem oder wählten jeweils die Sprache, die eine Idee am besten trägt.
Ausgewählte Werke
Hermann Glöckner war mit „Zwei ineinander verklammerte Scheiben“ vertreten, einer kleinen, mit Tempera bemalten Holzarbeit von 1959/60. Strawalde, mit bürgerlichem Namen Jürgen Böttcher, steuerte das Ölbild „Dschungelstück“ von 1991 bei. Erika Stürmer-Alex zeigte „Brucherde“ (1978), ein Bild aus Latex, Erde, Holz und Glasfasergewebe. Gil Schlesinger war mit einer unbetitelten Tuschearbeit auf Packpapier von 1981 vertreten, Manfred Luther mit Kreisbildern aus der Folge „cogito ergo sum“.
Großformatig waren Maren Roloffs „Matthias“ aus Gummi und Metall, 3,60 Meter lang, Jörg Herolds „Absolutes Medium“ (1992) aus Gips, Kunststoff und Metall sowie Günther Hornigs unbetiteltes Acrylbild von 1992 mit drei bemalten Holzobjekten. Dazu kamen die „Türme“ von Eva-Maria Wilde, ein Geschenk der Künstlerin. Am 25. April, dem letzten Ausstellungstag, fand in der Halle eine Konzertlesung statt.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler
- Karl-Heinz Adler (1927)
- Horst Bartnig (1936)
- Matthias Geitel (1962)
- Hermann Glöckner (1889–1987)
- Rainer Görß (1960)
- Eberhard Göschel (1943)
- Jürgen Gustav Haase (1947)
- Kathrin Harder (1969)
- Jörg Herold (1965)
- Veit Hofmann (1944)
- Günther Hornig (1937)
- Matthias Jackisch (1958)
- Jörg Jantke (1952)
- Max Lachnit (1900–1972)
- Manfred Luther (1925–2003)
- Wilhelm Müller (1928–1999)
- Hermann Naumann (1930)
- Maren Roloff (1964)
- Gil Schlesinger (1931)
- Helmut Senf (1933)
- Strawalde, eigentlich Jürgen Böttcher (1931)
- Erika Stürmer-Alex (1938)
- Inge Thiess-Böttner (1924–2001)
- Dieter Tucholke (1934–2001)
- Michael Voll (1948)
- Falko Warmt (1938)
- Olaf Wegewitz (1949)
- Eva-Maria Wilde (1972)
- Ruth Wolf-Rehfeldt (1932)
- Willy Wolff (1905–1985)