- Frankfurt (Oder)
- 1965 – 2017
- 66 Ausstellungen im Archiv
Junge Kunst in Frankfurt an der Oder: Ausstellungen und Künstler aus fünf Jahrzehnten
Am 2. Oktober 1965, zum Auftakt der fünften Oderfestspiele, wurde in der Rathaushalle am Marktplatz die Galerie Junge Kunst eröffnet. Aus ihr wurde das Museum Junge Kunst Frankfurt an der Oder: eine Sammlung von mehr als 11.000 Werken aus dem Osten Deutschlands, zwei Ausstellungshäuser und weit über 500 Ausstellungen in fünf Jahrzehnten, bis das Haus am 1. Juli 2017 im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst aufging. Das Oderkunst-Register beschreibt diese Ausstellungen in eigenen Texten, ordnet die Künstlerinnen und Künstler und erzählt, wie Kunst in Frankfurt an der Oder in zwei Häusern ihren Ort fand.
Ausstellungen in der Rathaushalle und im Packhof
Bis zu zwölf Ausstellungen im Jahr, dazu Wanderausstellungen in Betrieben und Instituten, ab 1990 jährlich ein Projekt aus der eigenen Sammlung in der Rathaushalle und junge Positionen im Kabinett, später im Packhof: Der Kalender des Museums Junge Kunst reichte von der Grafik Joan Mirós (1987) bis zu Salvador Dalís Handzeichnungen (2014), von der Reihe „Werkstatt Junge Kunst“ bis zur Biennale „Meine Welt“ mit Outsider Art. Sechs Ausstellungen aus dem Register:
Das Haus: zwei Gebäude in Frankfurt an der Oder
Beide Häuser des Museums Junge Kunst Frankfurt an der Oder liegen in der Innenstadt. Die Rathaushalle, eine Halle der Spätrenaissance mit dem hochgotischen Festsaal, diente von 1965 bis 1990 der Dauerausstellung aus der eigenen Sammlung und danach den großen Themen- und Personalausstellungen. 2003 übernahm der Packhof am Oderufer (Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11) die Rolle des „Kabinetts“, jener Gründerzeitvilla in der Heilbronner Straße 19, in der seit 1966 die jungen Positionen und die Werkstatt-Reihe gezeigt worden waren.


Die Geschichte des Museums Junge Kunst
Fünf Direktorinnen und Direktoren, ein Namenswechsel, eine Fusion mit dem Museum Viadrina im Jahr 2001 und eine zweite mit dem Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus 2017: Die Chronik des Hauses ist zugleich eine Geschichte der Kulturpolitik im Bezirk Frankfurt an der Oder und in der Stadt nach 1990, als der Personalbestand von neun wissenschaftlichen Mitarbeitern auf einen schrumpfte und die Sammlung trotzdem durch Schenkungen und Dauerleihgaben weiter wuchs. Wer Kunst in Frankfurt an der Oder nach 1965 verstehen will, kommt an dieser Geschichte nicht vorbei.
Künstlerinnen und Künstler
Junge Kunst aus Brandenburg, Sachsen und Berlin, Klassiker der Moderne aus Leihgaben, polnische Grafik aus Zielona Góra, Łódź und Krakau: Das Register führt die Namen, die auf den Ausstellungsseiten genannt werden, mit Geburtsjahr und Ausstellung. Eine Auswahl:
Karl-Heinz Adler · Gerhard Altenbourg · Horst Bachmann · Francis Bacon · Stephan Balkenhol · Hans Baluschek · Undine Bandelin · Ernst Barlach · Johanna Bartl · Horst Bartnig · Tina Bauer-Pezellen · Willi Baumeister · R. Becher · Max Beckmann · Grzegorz Bednarski · Adolf Behne · Herbert Behrens-Hangeler · Jan Berdyszak · Hartmut Best · Rolf Biebl · Norbert Bisky · Andrzej Bobrowski · Theo Boettger · Christa Böhme · Marco Bollenbach · Peter Bömmels · Marco Brandt · Birgit Brenner · Mariola Brillowska · Jan Brokof · Carl Buchheister · Kurt Buchwald · Stefanie Bühler · Halina Chrostowska · Lovis Corinth · Fritz Cremer · Heinrich Maria Davringhausen · Otto Dix · Jacek Dluzewski · Ulrike Dornis · Jan Dörre · Ferdinand Dorsch · Heinrich Drake · Magdalena Drebber · Andreas Dress · Horst Engelhardt · Jörg Ernert · Menno Fahl
50 Jahre Ausstellungen auf Plakaten
2015 hingen in der Rathaushalle gut 230 Plakate, daneben um die 170 Kataloge und Einladungskarten, vom Eröffnungsplakat der Galerie Junge Kunst mit Wieland Försters „Porträt Angelika“ bis zu den A1-Bögen der Werbeagentur Giraffe. Die originalgrafischen Siebdruckplakate der achtziger Jahre, etwa von Walter Libuda und Detlef Lieffertz, sind ein eigenes Kapitel dieser Geschichte, und junge Kunst aus Brandenburg steht darauf neben Miró und Kollwitz.

Beiträge zur Kunst
Neben dem Ausstellungsarchiv stehen auf dieser Adresse Beiträge: eine Reihe zur Ausstellungsgeschichte des Hauses, die von den Archivseiten ausgeht, und Texte zu allgemeinen Fragen der Kunst, zu den Begriffen der Moderne und Postmoderne, zum Verhältnis von Kunst und Technik, zum digitalen Museum und zur Mythologie hinter einem Alltagsnamen.
- „eigenWilligkeit“ 2013: fünf Künstler unter vierzig und ein neues Format
- Polnische Grafik im Museum Junge Kunst: von Zielona Góra bis zur Sammlung von 441 Blättern
- „Entartete Kunst“ in der Rathaushalle: der Böhmer-Nachlass aus Rostock, 2013
- Neuerwerbungen 2000 bis 2010: die Generation nach 1958 kommt in die Sammlung
- Tendenz abstrakt: ungegenständliche Kunst in der Sammlung, 2010
- Die Kurze Nacht der Frankfurter Museen 2006: ein Abend in fünf Häusern
Fragen zum Museum Junge Kunst
Wo in Frankfurt (Oder) lag das Museum Junge Kunst?
In zwei Häusern der Innenstadt: in der Rathaushalle am Marktplatz 1, einer Spätrenaissancehalle mit dem anschließenden hochgotischen Festsaal, und im Packhof, einem Speicher am Oderufer (Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11). Von 1966 bis 2003 kam als drittes Haus das „Kabinett“ in einer Gründerzeitvilla in der Heilbronner Straße 19 hinzu, in dem die Ausstellungsreihe „Werkstatt Junge Kunst“ lief. Nach dem Verkauf der Villa durch die Stadt zog dieser Teil des Programms 2003 in den Packhof.
Seit wann gab es das Museum Junge Kunst?
Der Aufbau begann am 1. Januar 1964 auf Beschluss des Rates des Bezirkes Frankfurt an der Oder; die offizielle Gründung als „Galerie Junge Kunst“ fiel auf den 2. Oktober 1965, den Eröffnungstag der 5. Oderfestspiele. Als erster Direktor stand Karl-Heinz Maetzke (1915–2000) dem Haus bis 1983 vor. Ab Oktober 1993 hieß die Einrichtung offiziell Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder).
Was sammelte das Museum Junge Kunst?
Kunst aus Ostdeutschland in allen Gattungen – Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle, Grafik, Skulpturen, Objekte und Installationen –, entstanden seit der sowjetischen Besatzungszeit, in der DDR und in den neuen Ländern; dazu kamen über 400 Blätter polnischer Grafik aus der Zeit nach 1945. Am Ende waren es mehr als 11.000 Werke, etwa Bilder von Hartwig Ebersbach, Werner Tübke und Bernhard Heisig, Objekte von Via Lewandowsky und Hermann Glöckner sowie Plastiken von Werner Stötzer, Wieland Förster und Fritz Cremer. Im ZEIT-Museumsführer von 2012 erschien die Sammlung als wertvoller, aber kaum bekannter Bestand.
Gibt es das Museum Junge Kunst noch?
Nicht als eigenständige Einrichtung. Am 1. Juli 2017 fusionierten das Museum Junge Kunst und das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus zum Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst. Die Sammlung wird seither dort verwahrt, die Rathaushalle und der Packhof wurden als Ausstellungsorte weiter bespielt, etwa mit Günther Hornigs Malerei auf Papier im Frühjahr 2018.
Welche Künstlerinnen und Künstler stellten im Museum Junge Kunst aus?
Von Wieland Förster (1977) und Fritz Cremer (1981) über die „Werkstatt Junge Kunst“ mit Walter Libuda, Clemens Gröszer und Detlef Lieffertz bis zu Neo Rauch, Moritz Götze und Carsten Nicolai in der Reihe „Junge Künstler aus den neuen Bundesländern“ (1992–1996). Mit Grafik vertreten waren unter anderen Salvador Dalí (2014), Max Beckmann (2000), Käthe Kollwitz (1999), Otto Dix (1995) und Joan Miró (1987). Das Künstlerregister führt alle Namen, die auf den Ausstellungsseiten genannt sind.
Was enthält das Oderkunst-Register?
Eigene Beschreibungen der Ausstellungen, die zwischen 1965 und 2018 in der Rathaushalle, im Kabinett und im Packhof zu sehen waren, Kurzbiografien der gezeigten Künstler, Übersichten der Jahresprogramme ab 1990, eine Darstellung der Geschichte des Hauses und das Künstlerregister. Das Register ist ein unabhängiges, privat betriebenes Angebot über junge Kunst aus Brandenburg und Kunst in Frankfurt an der Oder; die Sammlung selbst liegt beim Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst.