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Die Geschichte des Hauses in Frankfurt an der Oder: eine Chronik von der Galerie im Kabinett bis zum Packhof

Am 15. Juni 1965 öffnete das Kabinett der Galerie Junge Kunst im Erdgeschoss einer Gründerzeitvilla; die offizielle Gründung folgte am 2. Oktober desselben Jahres in der Rathaushalle. Gut fünfzig Jahre später, am 1. Juli 2017, ging das Haus im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst auf. Diese Seite erzählt die Geschichte des Hauses dazwischen als knappe Chronik: Gründung und Häuser, die Sammlung, die Umbrüche nach 1990 und die beiden Fusionen.

Raum 1

Chronik in Zahlen: Direktoren, Häuser, Bestände

Fünf Leitungen in fünfzig Jahren, drei Häuser, ein Namenswechsel und zwei Fusionen: Die Geschichte des Museums Junge Kunst lässt sich in wenigen Zahlen lesen, bevor sie im Text ausführlich wird. 1965 begann das Museum Junge Kunst seit 1965 mit einem Direktor und einem Mitarbeiter im Kabinett; 1972 waren 2.701 Arbeiten im Bestand, 1997 arbeiteten noch neun Mitarbeiter im Haus, 2001 blieb ein wissenschaftlicher Mitarbeiter neben der Direktorin. Die Einwohnerzahl der Stadt fiel im selben Zeitraum von 87.126 (1989) auf 67.693 (2002), und nicht wenige der Weggezogenen hatten zu den Stammgästen gehört.

Zeichnung: Archivtisch mit Katalogstapeln, Einladungskarten und Karteikasten
Raum 2

Vom Kabinett zum Packhof des Museums

Die Geschichte des Hauses ist zugleich eine Geschichte der Adressen in Frankfurt an der Oder. Das Kabinett in der Gründerzeitvilla, ab 1966 zugleich Verwaltung und Depot, trug die Personalausstellungen mit Arbeiten auf Papier und die Reihe „Werkstatt Junge Kunst“; die Rathaushalle die Dauerausstellung und später die großen Projekte. Als die Stadt die Villa 2003 verkaufte, zog das Programm in den Packhof des Museums am Oderufer.

  • 24. Oktober 2014

Von der Galerie zum Landesmuseum

Mitte der sechziger Jahre entstand in Frankfurt an der Oder eine Galerie für zeitgenössische Kunst, die über ein halbes Jahrhundert einen der umfangreichsten Bestände an Kunst aus Ostdeutschland zusammentrug. Die Geschichte des Hauses spiegelt die Kulturpolitik der DDR, den wirtschaftlichen Einbruch der Grenzstadt nach 1990 und die langsame Neuordnung der Brandenburger Museumslandschaft. Fünf Themen prägen diesen Weg: die Gründung, die Häuser, das Sammeln, die Jahre nach der Wende und die Zusammenschlüsse.

Gründung als Galerie Junge Kunst

Die erste Erwerbung ist auf den 5. März 1964 datiert; die meisten frühen Stücke überließen der Rat des Bezirks und das Kulturministerium der DDR der neuen Einrichtung. Eröffnet wurde die Galerie Junge Kunst im Juni 1965, im Oktober desselben Jahres folgte ihr Hauptstandort. Den Rahmen setzte die Kulturpolitik nach dem Mauerbau: Frankfurt wandelte sich damals vom Agrar- zum Industriestandort, und die Kunst sollte dem Sozialismus dienen. Programmatisch war schon die erste Ausstellung im Rathaus, die zu den 7. Arbeiterfestspielen Preisträger des FDGB vorstellte.

Gründungsdirektor war bis 1983 der gelernte Gebrauchsgrafiker Karl-Heinz Maetzke (1915–2000). Er teilte die Maßstäbe der SED, unterschied aber nach dem Urteil der späteren Direktorin Brigitte Rieger-Jähner sehr wohl zwischen künstlerischer und bloß handwerklicher Qualität. Gegenstandslose und konstruktiv-konkrete Kunst, eine ostdeutsche Pop-Variante oder Werke, die Herrschaftsstrukturen befragten, blieben in seiner Amtszeit ausgeschlossen. Jährlich bis zu zehn Wechselausstellungen, ab 1972 jährlich polnische Kunst aus Zielona Góra und später Gorzów sowie ab 1974 die Zweijahresschau „Junge Künstler der DDR“ machten das Haus dennoch lebendig.

Villa, Rathaushalle und PackHof

Erstes Domizil war das Erdgeschoss einer Sommervilla aus der Gründerzeit, die einst einem der wohlhabendsten Bürger der Stadt gehört hatte. Dort lagen das sogenannte Kabinett für Wechselausstellungen, Werkstätten und im Hinterhaus das Depot. Zentraler Ort wurde die Halle des Frankfurter Rathauses: rund 800 Quadratmeter gotischer Raum mit Gewölben der Renaissance, dazu ein hochgotischer Festsaal von etwa 200 Quadratmetern. 1995 erhielt die Rathaushalle eine moderne technische Ausstattung, unterstützt von der Grundkreditbank in Berlin.

Die Villa überstand zwar Rückgabeforderungen früherer Eigentümer, kam danach aber auf die Verkaufsliste der Stadt. Nach dem Verkauf zog das Kabinett im August 2003 in den PackHof, ein früheres Lagergebäude mit 200 Quadratmetern Ausstellungsfläche; auch das Depot musste an einen entfernten Standort wechseln. Für einzelne Projekte kam später die Marienkirche hinzu.

Sammeln in drei Phasen

Unter Maetzke kamen von 1964 bis 1983 genau 5.887 Arbeiten in den Bestand, darunter 433 Gemälde, 216 Plastiken und 476 Werke aus dem Volkskunstschaffen; die Künstler gehörten meist den Jahrgängen der zwanziger Jahre an. Zwischen 1984 und 1990 leiteten Karl-Heinz Kukla und Rudolph Quaiser das Haus, dazwischen kommissarisch Waltraud Osten (Endler). Abgesehen von Ausreisewilligen und Regimekritikern konnten die Kustoden nun frei ankaufen; sie konzentrierten sich auf die Generation der dreißiger und vierziger Jahre; 2.701 Werke kamen hinzu, davon 167 Bilder und 48 Plastiken. Neu war ab 1985 die Reihe „Werkstatt junge Kunst“, eröffnet mit Walter Libuda.

Nach 1990 schloss das Haus den Bereich proletarisch-revolutionärer Kunst von 1883 bis 1945, rund acht Prozent des damaligen Bestandes, sowie 1991 die Laienkunst. Gesammelt wurde fortan Kunst der Jahrgänge 1940 bis 1960, sofern die Künstler zeitweise auf dem Gebiet der DDR gelebt oder gearbeitet hatten, dazu gezielt Werke Ausgereister wie A. R. Penck, Gil Schlesinger, Roger Loewig und Hans-Hendrik Grimmling. Ab 1991 entstand ein Bestand polnischer Grafik mit 441 Blättern, der 2004 mangels Sponsoren nicht weiter wachsen konnte. Einen Überblick über den heutigen Bestand gibt die Seite zur Sammlung.

Die Geschichte des Hauses nach 1990

Mit der Einheit fielen alle Vorgaben für Ankauf, Ausstellung und Publikation weg, zugleich wurde das Geld knapp. Noch kurz vor seinem Ausscheiden hatte Quaiser das Bezirksmuseum der Stadt statt dem Land zugeordnet, und diese Trägerschaft blieb trotz späterer Bemühungen um einen Wechsel bestehen. Im August 1990 übernahm Rieger-Jähner die Leitung. 1989 hatte das Museum 32 Beschäftigte gehabt, 1997 waren es noch neun. Städtische Ankaufsmittel blieben ab 1995 aus, Projektgeld kam jährlich auf Antrag vom Brandenburger Kulturministerium. 1994 wurde aus der Galerie das Museum Junge Kunst, weil viele Gäste die ausgestellten Werke für verkäuflich hielten.

Die Ständige Ausstellung wich jährlich neu zusammengestellten Präsentationen aus dem eigenen Besitz, kuratiert von Rieger-Jähner und ihrem Stellvertreter Armin Hauer. Hinzu kamen Klassiker wie Otto Dix, Käthe Kollwitz, Max Beckmann, Rembrandt und Max Ernst, ab 1997 die Biennale „Meine Welt“ mit dem Wichernheim. Zwischen 1990 und 2014 zeigte das Haus etwa 250 Ausstellungen und erwarb über 2.000 Werke, während die Einwohnerzahl Frankfurts von 1989 bis 2012 um mehr als 26.000 sank.

Fusionen

Im Dezember 2001 wurde das Haus mit dem Städtischen Regionalmuseum Viadrina zusammengelegt, das zuvor 17 Jahre wegen Sanierung geschlossen gewesen war. Ausstellungen wie „Barocke Grotesken“ (2002), „Rückschau in die Moderne“ (2009/2010), „Totentanz“ (2011) und die Dalí-Schau 2014 erreichten auch Berliner Publikum und Studierende der Europa-Universität Viadrina, mit der ab 2010 ein Kooperationsvertrag bestand. Am 1. November 2014 trat Rieger-Jähner in den Ruhestand. 2017 ging das Museum im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst auf.

Fragen zur Geschichte des Museums Junge Kunst in Frankfurt an der Oder

Wann wurde das Museum Junge Kunst gegründet?

Die Vorbereitungen liefen ab dem 1. Januar 1964; beschlossen hatten sie die SED-Bezirksleitung und der Rat des Bezirkes Frankfurt (Oder). Das Kabinett öffnete am 15. Juni 1965, die offizielle Gründung als Galerie Junge Kunst fand am 2. Oktober 1965 zu den 5. Oderfestspielen statt. Das Museum Junge Kunst seit 1965 ist also genau genommen eine Galerie, die erst ab 1994 offiziell Museum hieß.

Wer leitete das Museum Junge Kunst?

Karl-Heinz Maetzke (1964–1983), Karl-Heinz Kukla (1984–1987), Waltraud Endler als amtierende Direktorin (1987–1989), Rudolph Quaiser (1989–1990), Brigitte Rieger-Jähner (1990–2014) und ab November 2014 Martin Schieck, der kommissarisch beide städtischen Häuser, Junge Kunst und Viadrina, führte. Seit Juli 2017 liegt die Leitung bei Ulrike Kremeier, Direktorin beim Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst.

Warum hieß die Galerie ab 1994 Museum?

Besucher aus Westdeutschland – Geschäftsleute, Bankiers, Gäste der Stadt – fragten wiederholt, ob sie die Bilder aus der Rathaushalle erwerben könnten. Der Zusatz „Museum für zeitgenössische Kunst“ (1991–1993) und ab Oktober 1993 der Name Museum Junge Kunst stellten klar, dass es sich um eine Sammlung und nicht um eine kommerzielle Galerie handelte.

Was bedeutete die Fusion mit dem Museum Viadrina 2001?

Im Dezember 2001 ordnete die Stadt die Zusammenlegung mit dem Stadt- und Regionalmuseum Viadrina an. Brigitte Rieger-Jähner leitete fortan beide Häuser; das Museum Junge Kunst behielt Sammlung, Rathaushalle und ab 2003 den Packhof des Museums, verlor aber weiter Personal: Von neun wissenschaftlichen Mitarbeitern 1992 blieb ab 1997 nur noch einer.

Wie wuchs die Sammlung nach 1990?

Nicht mehr durch städtische Ankäufe, die ab 1996 ausblieben, sondern durch Schenkungen, Dauerleihgaben und Landes- und Bundesmittel, durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung mit der Sparkasse Oder-Spree, durch den Förderverein und durch Sammler, die dem Museum Sonderkonditionen gewährten. Ab 1991 kam die Sammlung polnischer Druckgrafik mit 441 Blättern hinzu; in den ersten sieben Jahren nach 1965 waren bereits 2.701 Arbeiten in den Bestand gelangt.