- 23. November 2014
Eine Auswahl aus 11.000 Werken
Grundlage war der eigene Bestand, der damals etwa 11.000 Arbeiten aus Malerei, Zeichnung, Druckgrafik und Objektkunst umfasste. Seit 1991 verzichtete das Haus bewusst auf eine ständige Sammlungspräsentation und stellte stattdessen jedes Jahr eine thematische Auswahl zusammen. Vorausgegangen waren 2009 eine Übersicht zur deutschen Druckgrafik der Jahre 1883 bis 2006, 2010 „Tendenz abstrakt“ mit konstruktiven und konkreten Positionen und 2011 „BLICKE und GESTEN“ zum Porträt.
Die 59 beteiligten Künstler gehörten vier Generationen an. Ausgebildet wurden sie in der Weimarer Republik, unter dem Nationalsozialismus, in der DDR oder nach 1990 im vereinten Deutschland; rund drei Viertel der Exponate entstanden in der DDR. Das früheste Bild war Theodor Rosenhauers „Karpfen (Stillleben mit Fischen)“ von 1940, das jüngste Stück André Tempels Objekt „Keule Sahne“. Im „ZEIT Museumsführer“ von 2012 hatte Sven Behrisch die Frankfurter Sammlung gerade deshalb hervorgehoben, weil sie ausschließlich und ohne Lücken ostdeutsche Kunst versammle.
Gegenstände mit doppeltem Boden
Seine große Zeit erlebte das Stillleben in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Der Ausstellungstext geht davon aus, dass die damals verbindliche Symbolik später an Allgemeingültigkeit verlor, in den Dingen aber weiter mitschwingen kann. Bei Malern der Moderne und Gegenwart wurzelt die Bedeutung eines Gegenstands oft in persönlicher Erfahrung und lässt sich kaum eindeutig entschlüsseln; ein Schädel oder ein welkes Blatt ruft dagegen fast automatisch den Gedanken an Vergänglichkeit wach. Den Titel regte Joseph von Eichendorffs Gedicht „Wünschelrute“ von 1835 an.
Zu sehen waren unter anderem Joachim Heuers Ölbild „Stillleben mit Flasche VAT 69“ auf Hartfaser von 1969, seit 1988 im Bestand, Rudolf Nehmers schmales, in Öl auf Sperrholz gemaltes „Stillleben mit Kalla“, datiert 1948/1967, Karin Sakrowskis „Große Köpfe“ von 1990 und Lutz Fleischers Collage „Schnabelkerf“ (1989). Zu den Objekten zählten BĀLAVATs „Das Prinzip Gnade“ aus Glas, Wasser, Murmeln, Gummi und Metall sowie ein Kofferobjekt von Dieter Tucholke aus der Zeit um 1996, das die Witwe des Künstlers 2002 schenkte.
Hängung in zwei historischen Räumen
In der Halle aus der Spätrenaissance und im hochgotischen Festsaal folgten die Gemälde weitgehend der Chronologie. Objekte und Installationen hielten sich nicht an diese Zeitachse: Sie standen neben Bildern aus anderen Jahrzehnten, sodass gemalte Illusion und reale Körperlichkeit unmittelbar aufeinandertrafen. Auf der Hauptwand der Rathaushalle hingen Blumenstillleben von 21 Malern dicht an dicht in Petersburger Hängung. Die Eröffnung fand am 23. November 2014 statt; das übrige Programm des Jahres verzeichnet die Übersicht 2014.
Beteiligte Künstler (nach Geburtsjahr)
- Hans Jüchser (1894–1977)
- Walter Münze (1895–1978)
- Otto Niemeyer-Holstein (1896–1984)
- Max Langer (1897–1985)
- Wilhelm Lachnit (1899–1962)
- Joachim Heuer (1900–1994)
- Theodor Rosenhauer (1901–1996)
- Kurt Teubner (1903–1990)
- Fritz Duda (1904–1991)
- Ernst Hassebrauk (1905–1974)
- Hildegard Stilijanow (1905–1981)
- Willy Wolff (1905–1985)
- Rudolf Nehmer (1912–1983)
- Kurt Heinz Sieger (1917–2002)
- Herbert Lange (1920–2001)
- Werner Rataiczyk (1921)
- Inge Thiess-Böttner (1924–2001)
- Bernhard Heisig (1925–2011)
- Harald Hakenbeck (1926)
- Wolfgang Mattheuer (1927–2004)
- Ernst Schroeder (1928–1989)
- Karl Hermann Roehricht (1928)
- Harald Metzkes (1929)
- Karl Brause (1929)
- Karl-Heinz Jakob (1929–1997)
- Philip Oeser, eigentlich Helmut Müller (1929–2013)
- Ursula Rzodeczko (1929)
- Günther Friedrich (1930–1986)
- Werner Wittig (1930)
- Dieter Tucholke (1934–2001)
- Horst Sagert (1934)
- Horst Krüger (1936)
- BĀLAVAT, bürgerlich Eckehard Böttrich (1937)
- Peter Herrmann (1937)
- Eberhard Löbel (1938)
- Lothar Böhme (1938)
- Manfred Gabriel (1939)
- Bernd Hertel (1940)
- Christa Böhme (1940–1991)
- Hans-Peter Hund (1940)
- Klaus Drechsler (1940)
- Volker Stelzmann (1940)
- Dieter Zimmermann (1942)
- Karin Sakrowski (1942)
- Hans-Hermann Richter (1944)
- Rainer Zille (1945–2005)
- Stefan Plenkers (1945)
- Horst Peter Meyer (1947)
- Jürgen Wenzel (1950)
- Sabine Curio (1950)
- Gerd Sonntag (1954)
- Johanna Bartl (1956)
- Lutz Fleischer (1956)
- Rainer Görß (1960)
- Daniel Klawitter (1962)
- Olaf Nicolai (1962)
- M.K. Kähne (1963)
- Kaeseberg, eigentlich Tomas Fröbel (1964)
- André Tempel (1970)