- 23. Oktober 2005
Nähe zur Berliner Schule
Brigitte Rieger-Jähner rückt Sakrowskis Bilder und Zeichnungen in die Nähe der sogenannten Berliner Schule. Darunter verstand man in der DDR Künstler wie Hans Vent, Wolfgang Leber sowie das Ehepaar Lothar und Christa Böhme, die abseits der staatlich geförderten Kunst Mensch und Natur mit großer malerischer Feinheit darstellten und auch privat befreundet waren. Sakrowski gehört derselben Generation an und teilt mit ihnen vieles, blieb aber außerhalb des Kreises. Ein Grund mag sein, dass sie erst mit 34 Jahren eigenständig künstlerisch zu arbeiten begann.
Seitdem stellt sie sich und ihr Tun beständig in Frage. Das Nachdenken in Worten ging den Bildern oft voraus und gab manchmal erst den Anstoß dazu. Als ihr Kernthema bezeichnete sie, wie sich eine Figur auflöst und wiedergewonnen wird, als Suche nach dem eigenen Bild im Verhältnis zu dem, was war, was ist und was kommt.
Ein Kopf für jede Stunde
Nach dem Ende der DDR wurden ihre Farben kräftiger und die Formen dichter, die Grundzüge blieben. Die „Stundenköpfe“ zeigen das deutlich, und auch als Zeichnungen verraten sie die Malerin. Auf farbstarken, strukturiert durchgearbeiteten Gründen steht jeweils ein abstrahierter Kopf, jedem Blatt ist eine Tagesstunde zugeordnet. So entsteht ein Polyptychon, in dem jedes der zwölf Teile für sich steht und zugleich gleichrangig zum Ganzen gehört, wie es die Künstlerin auch in ihren Gemälden anstrebt. Sie hoffte, damit Gedanken an den Alltag anzustoßen, etwa an verlorene Zeit oder daran, sich selbst zu wichtig zu nehmen, und betonte, dass jedem Kopf seine Würde bleibe.
In ihren Stadt- und Figurenlandschaften gehen Innen und Außen, Natur und Architektur seit jeher ineinander über. Bei den „Stundenköpfen“ ist diese Verdichtung aufs Äußerste getrieben: Die Köpfe sind in ihre Umgebung eingebunden und ruhen doch still in sich, beinahe wie Stillleben. Dem Kopf misst Sakrowski in Malerei, Grafik und Skulptur besonderes Gewicht bei. Rieger-Jähner beschreibt ihre Bildwelt als Spannung zwischen Augenblick und Vergänglichkeit, zwischen Ironie und Melancholie.