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    Hans Vent: das Blatt „Gespräch“ von 1976 in Tempera und Aquarell

    Das Blatt „Gespräch“ von Hans Vent, Jahrgang 1934, entstand 1976 in Tempera und Aquarell, misst 35,9 × 47,9 cm und ist links unten mit „Vent 76“ bezeichnet. 1987 kam es in die Frankfurter Sammlung. Vent wird der Berliner Schule zugerechnet; die Biografie zeichnet seinen Weg nach. 2005/06 war das Blatt Teil der Sammlungsausstellung „Arbeiten auf Papier“.

    • 23. Oktober 2005

    Der Mensch jenseits der Physiognomie

    Arbeitsvorgänge abzubilden oder Geschichte zu illustrieren, interessierte Vent nach eigener Aussage kaum; ihm ging es um das Elementare des Menschen, und er hörte mit einem Bild auf, sobald es zu genau und zu naturalistisch zu werden drohte. Armin Hauer stellt das in den Zusammenhang einer Zeit, in der Gesichter und Körper immer weniger über einen Menschen verraten, weil sie nach Geld, Mode und beruflichen Zwängen geformt werden. Vent malte trotzdem weiter Akte, Köpfe und Gruppenbildnisse, seit den frühen Siebzigerjahren in einer Malweise, die ganz auf die Sinnlichkeit der Farbe setzt.

    Seine früheren Weggefährten Harald Metzkes, Manfred Böttcher und Wolfgang Leber verschrieben sich unter dem Etikett der Berliner Schule einer Kunst von Hand und Auge, fern tagespolitischer Aufträge. Vent dagegen gab schon in den Sechzigern den klaren, kubisch gebauten Bildaufbau auf und verzichtete auf das kostümierte Erzählen, wie es Metzkes pflegte. Seine Figuren schweigen in sich gekehrt, an Stränden, im Freien oder an Orten ohne genaue Bestimmung, und der Raum um sie wird zum aufgeladenen Feld aus Licht und Farbe.

    Vom hellen Strandbild zu dunkleren Klängen

    Einen Höhepunkt sieht Hauer im großen Tafelbild „Menschen am Strand“. Vent malte es 1976 für die Eingangshalle im Ost-Berliner Palast der Republik; inzwischen lagert es im Depot des Historischen Museums in Berlin. Überhelle, neblig weiße Töne steigern sich dort über Ocker, Blau, Rot und Gelb beinahe bis zur Auflösung, während der Pinselstrich Farbfelder wie Gestein setzt. Wirkliches und Erträumtes verbinden sich zu einem Bild für die unerreichbare Einheit von Mensch und Natur. Aus derselben Zeit stammt das Ölbild „Familienbild“ (1971) im Besitz des Museums, etwas später entstand das „Gespräch“.

    Gegen Ende der Siebziger dunkelte Vents Palette nach, mit Zwischentönen aus Rot, Grün, Violett und Schwarz; Akte und erfundene Gesichter bekamen einen beunruhigenden, schwer greifbaren Aufbau. Über seine Gouachen sagte der Maler, sie gingen von einfachen Erlebnissen aus und verdichteten sich in langer Arbeit, bis Wirkungen entstünden, die ihn selbst überraschten. Gebe er eine erste Vorstellung auf, weil sie nicht trage, bewahre er das unerwartet Entstandene und arbeite es klarer heraus. Hässlichkeit sei nie sein Programm gewesen, er folge einer Vorstellung von Harmonie.