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    Wolfgang Leber: das Aquarell „Stadtlandschaft mit Mast“, 1987

    Das Aquarell „Stadtlandschaft mit Mast“ von Wolfgang Leber (geboren 1936) entstand 1987 in Aquarell und Farbstift und misst 23 × 33 cm. Rechts unten ist es mit „W. Leber“ bezeichnet. Das Museum in Frankfurt (Oder) erwarb es ein Jahr später, 1988.

    • 23. Oktober 2005

    Die Stadt als Fundus

    Seit etwa vier Jahrzehnten arbeitet der Berliner Leber am Thema Stadt, in Gemälden ebenso wie in Aquarellen und Druckgrafik. Weder Architektur als Gegenbild zur Natur noch das Flair der Metropole stehen dabei im Vordergrund. Ihn reizt vor allem, aus dem Vorgefundenen eine eigene Ordnung zu bauen. Er selbst nannte verschobene Perspektiven, Überschneidungen und Lichtreflexe als Anstoß und beschrieb die Menschen in seinen Bildern als schemenhafte, namenlose Gestalten auf einer labyrinthischen Bühne.

    Sein Zugang zur Wirklichkeit führte über die Kunst. Schon nach wenigen Jahren hatte Leber für das Thema „Raum und Figur“ ein Repertoire entwickelt, das seinem Temperament entsprach. Verwandtschaft fand er bei den großen französischen Koloristen, vor allem des 20. Jahrhunderts. Raffinierte Farbigkeit, Heiterkeit und ein Streben nach Harmonie kennzeichnen auch seine Arbeiten. Er geht dabei analytisch vor, nicht synthetisch. Der Gegenstand zählt für ihn weniger als das Zusammenspiel von Linien, Formen und Farben, aus dem das Bild entsteht.

    Farbe, die Räume baut

    Besonders in den Aquarellen trägt die Farbe das Bild. Leuchtendes Neapelgelb trifft auf Azurblau, ein Ziegelrot oder ein bräunliches Orange auf Violett; auf vielen Blättern findet sich zudem Altrosa. Gezielt gesetztes Schwarz und das ausgesparte Weiß des Papiers steigern die Leuchtkraft der Nachbarfarben. Die Farben haben sich weitgehend vom Gegenstand gelöst: Figuren und Dinge erscheinen nur sparsam und wirken als Farbformen.

    Zugleich entstehen aus unterschiedlich dichten Farbflächen Räume mit Innen und Außen, Vorn und Hinten, Nah und Fern. Leber fasste die Großstadt in die Formel, dort gebe es fast nie Leere, aber fast immer ein Gegenüber.

    Das Blatt von 1987

    An „Stadtlandschaft mit Mast“ lässt sich ablesen, wie die abgestufte Farbdichte auch Bewegung und Zeit ins Bild bringt. Anders als in der Malerei muss im Aquarell zügig gearbeitet werden: Ausschnitt, Aufbau und das Verhältnis der Töne müssen ohne Korrektur aufgehen. Der Katalogtext von Brigitte Rieger-Jähner hebt am vorliegenden Blatt den lockeren Pinselduktus und den reichen Farbklang hervor und verweist auf die alte Wendung, die das Aquarell zu Beginn und Gipfel aller Maltechnik erklärt.