- 23. Oktober 2005
Zwischen Partei und Poesie
Hans Grundig beschrieb Lachnit als einen Künstler, bei dem der Lärm der Straße in einer höheren, zarteren Tonlage nachklang. Brigitte Rieger-Jähner sieht die Grundlage seines Werks in einem sensiblen, zur Harmonie neigenden Wesen, verbunden mit Mitgefühl und wachem Blick für die Wirklichkeit; eine leise Melancholie zieht sich durch seine Bilder. Als Student orientierte er sich an dem nur acht Jahre älteren Otto Dix.
Politisch ging Lachnit weiter als Dix: 1924 trat er der Roten Gruppe bei, ein Jahr später der KPD, und ab März 1929 entwarf er in Dresden Agitationsmaterial für Presse und Kundgebungen. Die Härte und Eindeutigkeit, die solche Aufgaben verlangten, entsprachen ihm jedoch nicht. Arbeiterkinder in der Pubertät, Frauen und Mütter malte er in altmeisterlicher Lasurtechnik, die an die italienische Frührenaissance erinnert, und so tritt der Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit im Gegensatz von Thema und Ausführung hervor. Ab den späten Zwanzigerjahren kam Grafik hinzu; den groben Holzschnitt mied er, die feine Zeichnung war Basis für Gemälde und Radierungen.
Neubeginn nach 1945 und „Susanna im Bade“
Als Dresden am 13. Februar 1945 bombardiert wurde, verlor der in der NS-Zeit verfemte Lachnit beinahe sein gesamtes Werk. Danach änderte sich seine Handschrift: Er malte alla prima und knüpfte in Malerei, Aquarell, Monotypie und Radierung an die klassische Moderne an, an Picassos Blaue und Rosa Periode ebenso wie an Henri Matisse. 1947 wurde er Professor an der Dresdner Akademie, legte das Amt aber unter dem Druck der Formalismus-Debatte wieder nieder, weil Kampagnen gegen ihn und seine Schüler die Lehre unmöglich machten.
Für „Susanna im Bade“ griff Lachnit die apokryphe Erzählung von Susanna und Daniel auf. Gezeigt ist die badende junge Ehefrau eines wohlhabenden Babyloniers, während im Vordergrund aus dem Dunkel die Köpfe zweier alter Richter auftauchen, die sie belauern. Statt Lüsternheit zeigt das Blatt Jugend und Alter jeweils still in sich versunken. Abgestufte Grautöne erhalten die Plastizität der Figuren, sodass Fläche und Raum nebeneinander bestehen. Die Diagonale und das stoßweise flackernde Licht erzeugen die Unruhe, die der Stoff verlangt.