- 23. Oktober 2005
Ein Werk zwischen Malerei und Druckgrafik
Grundigs Œuvre umfasst 134 Gemälde, daneben Zeichnungen und Aquarelle. Internationales Gewicht bekam er jedoch über die Druckgrafik. Der Begleittext zur Sammlung betont, dass einschneidende Lebensereignisse seine Kunst jeweils thematisch wie formal veränderten. Grundig stammte aus armen Handwerkerverhältnissen, erlebte die wirtschaftliche Not der Zwischenkriegszeit am eigenen Leib und orientierte sich an dem wenig älteren Otto Dix.
Entscheidend wurde die Verbindung mit Lea Langer, Kaufmannstochter, deren wohlhabende Familie jüdisch-orthodox lebte. Beide studierten an der Kunstakademie, sie wurde seine wichtigste Gesprächspartnerin in Kunst und Politik. 1926 traten sie gemeinsam in die KPD ein. In der Folge malte Grundig neben Bildnissen und Innenräumen auch politisch gemeinte Bilder und schnitt Linolschnitte, die der Partei teils als Agitationsmaterial dienten.
Verfolgung und grafisches Hauptwerk
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann die schwerste Zäsur. 1936 schloss ihn die Reichskulturkammer aus, was Arbeits- und Ausstellungsverbot bedeutete. Hausdurchsuchungen und Festnahmen folgten, 1940 kam Grundig in das KZ Sachsenhausen. Gerade zwischen 1933 und 1940 schuf er dennoch seine wichtigsten Druckgrafiken.
Den Anfang machten kleine groteske Skizzen voller Spottlust. Im Zyklus „Tiere und Menschen“ (1933–1938) trat das Skizzenhafte zurück. Grundig setzte auf die Tierfabel, um Gewalt und Mordlust des Regimes kenntlich zu machen: Ein Spitzel lauscht hinter der Zeitung mit riesigem Ohr, dazu kommen Schweine, Tiger und abgemagerte Geier. In seiner Autobiografie stellte er die Wölfe mehrfach den Handlangern der Nazis gleich.
Bei „Gejagt“ nimmt die kreisrunde Mauer Pferd und Wölfen gleichermaßen jeden Ausblick. Starke Hell-Dunkel-Gegensätze steigern das Tempo der Jagd und die düstere Stimmung. Der Sammlungstext zieht den Vergleich zu Goyas Caprichos und den Desastres.
Rückkehr nach Dresden
1946 formulierte Grundig ein Selbstzeugnis über Freude, Schmerz und Trauer als dauerhafte Themen der Kunst. Im selben Jahr kehrte er, schwer gezeichnet von der Haft, nach Dresden zurück. Dort wurde er der erste Rektor der Kunstakademie und gab seine Haltung in Lehre, Bild und Zeichnung an die Studierenden weiter.