- 1. Januar 2018
Ein Einzelgänger zwischen den Lagern
Stilistisch ließ sich Hornig schon zu DDR-Zeiten kaum einordnen. Er stand neben den Konstruktiv-Konkreten um Hermann Glöckner, Helmut Senf, Horst Bartnig oder Karl-Heinz Adler, aber ebenso neben informell arbeitenden Malern wie Helmut Schmidt-Kirstein, Renate Göritz, Herbert Kunze oder Hans Christoph, ohne einer Gruppe anzugehören. Die Ausstellung stellte seine Arbeiten zudem in Beziehung zu internationalen Positionen von Ellsworth Kelly, Frank Stella, Imi Knoebel und Pierre Clerk.
Abseits der kulturpolitischen Brennpunkte konnte sich sein Werk vergleichsweise ungestört entwickeln. Sein Einkommen sicherte die Lehre an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste, zunächst im Grundlagenstudium für Theatermalerei und Bühnenbild, von 1993 bis 2002 als Professor in der Freien Kunst mit den Fächern Malerei und Grafik. In seinen Klassen sollten die Studierenden Gegebenes infrage stellen und eine eigene Haltung finden. Zu seinen Schülern zählten Via Lewandowsky, Michael Brendel, Else Gabriel und Rainer Görß, die Ende der Achtzigerjahre als Autoperforationsartisten auftraten, außerdem der Aktions- und Konzeptkünstler Erhard Monden.
Vom Informel zum Raster
Als Grundzüge des Werks benannte der Ausstellungstext die Untersuchung von Strukturen, Experimentierlust und eine üppige, beinahe barocke Farbigkeit, die ab den Neunzigerjahren immer deutlicher hervortrat. Der Rundgang war chronologisch angelegt und begann mit einem Selbstbildnis aus der frühen, noch realistischen Phase. Darauf folgten Aktzeichnungen mit kubistischer Formzerlegung und farbige Blätter, in denen Landschaft und Architektur durchscheinen. Danach rückten Strukturen des Informel und erdige Töne in den Mittelpunkt: Hornig klebte, faltete, ließ Farbe tropfen und riss Papier, mit fein abgestuften Ocker- und Brauntönen.
Zugleich löste er das Bild von der Wand. Materialbilder, Wandobjekte, bemalte Objekte und Türme besetzten den realen Raum, kastenförmige Assemblagen erinnern an Zerstörtes und an wuchernde, sich erneuernde Gebilde. Rasterformen, die wie Waben wirken, setzte er gegen die chaotischen Strukturen.
Um 1980 änderte sich die Arbeitsweise. An die Stelle von Intuition und gelenktem Zufall trat ein nüchternes Entwickeln von Flächen und Räumen nach Verfahren, wie sie Minimal Art und Konkrete Kunst kennen, etwa durch die Reihung einfacher Grundformen. Normpapiere, Lochstreifen und gefärbte Pappen übernahmen die Rolle des Pinselstrichs, sodass der Entstehungsprozess für das Publikum nachvollziehbar wird. Auf diese Phase und auf die wackelig gestapelten Türme, die aus einer Schaffenskrise hervorgingen, bezieht sich der Ausstellungstitel.
Späte Figuren und Lebensdaten
Den Abschluss bildeten etwa zehn kleine Zeichnungen aus der Zeit nach 2000, in denen wie schon in den Sechzigerjahren menschliche Figuren erscheinen. Aus Linien entwickelte Formen sind in ein Grundraster gespannt; Überlagerungen und farbliche Rhythmen lassen liegende und stehende Gestalten erkennen. Diese Blätter waren bis dahin kaum öffentlich zu sehen gewesen.
Hornig wurde 1937 in Bitterfeld geboren. Nach einer Lehre als Theatermaler in Halle und einer Station als Bühnenbildassistent am Hans-Otto-Theater Potsdam studierte er von 1957 bis 1962 in Dresden; seine Lehrer waren Paul Michaelis, Erich Fraaß und Herbert Kunze. Er arbeitete auf Werkvertrag für Betriebe in Riesa, zog 1963 ins Künstlerhaus Loschwitz und leitete 1966/67 die Ausstattung am Theater der Bergarbeiter in Senftenberg. Von 1968 an lehrte er an der Dresdner Hochschule, ab 1995 gehörte er dem Deutschen Künstlerbund an. Er starb 2016 in Dresden.