- 16. Juli 2009
Ein Verein, der Gegenwartskunst sammelt
Der Verein entstand 2005, um moderne polnische Kunst bekannter zu machen und eine eigene Sammlung aufzubauen. Das Geld stammte aus „Znaki Czasu – Zeichen der Zeit“, einem nationalen Kulturprogramm des polnischen Kulturministeriums (offiziell Ministerium für Kultur und Nationales Erbe), über das landesweit 15 Sammlungen entstanden. Weitere Mittel für die Ankäufe kamen von der Wojewodschaft Lubuskie sowie den Städten Gorzów Wlkp. und Zielona Góra.
Wie Kozłowski im Begleittext erläuterte, gab es in der Region bereits zwei Museen mit Schwerpunkt auf moderner Kunst: in Gorzów Wlkp. das Jan-Dekert-Museum, Nachfolger des „Arsenał“, mit der Nachkriegskunst und ihrer Loslösung vom sozialistischen Realismus, und in Zielona Góra das Museum des Lubusker Landes, das Arbeiten aus der Biennale der Neuen Kunst und aus „Złote Grono“ („Goldene Traube“) bewahrt. Die Vereinssammlung sollte deren Lücken schließen und zugleich ein eigenes Profil mit pointierten, teils provokanten Werken auch junger Künstler gewinnen; daneben erwarb sie ältere Arbeiten mit festem Platz in der polnischen Kunstgeschichte. Mitglieder waren neben Kunstinteressierten auch Künstler.
Performance, Feminismus, Ironie
Armin Hauer, der zweite Autor der Begleittexte, sah als roten Faden die Frage nach dem Verhältnis des Einzelnen zu einer diktatorischen Gesellschaft, zu einer bevormundenden Kultur und zum Gegenüber. Jüngere Performance-Positionen vertraten die collagenhaften, erotisch-subversiven Bilder von Basia Bańda und das Duo Sędzia Główny mit Karolina Wiktor und Aleksandra Kubiak, das in einer Fernsehsendung den Anweisungen anrufender Zuschauer folgte. Die Gruppe Azorro, einige Jahre zuvor schon im Packhof zu Gast, stellte im Video „Darf ein Künstler alles?“ (2002) eine Frage an den eigenen Berufsstand.
Zwei Klassikerinnen des polnischen Feminismus aus den 1970er und 1980er Jahren ergänzten diese Generation: Natalia LL mit den Fotodrucken „Consum art“, in denen sie den eigenen Körper gegen Macho- und Konsumklischees einsetzt, und Zofia Kulik, die Insignien europäischer Diktaturen mit gekrümmten Körpern zu Ornamenten verbindet, etwa in der Fotografie „Kollonade – Mondschädel“ von 1995.
Am stärksten verstörte nach Hauers Eindruck ein Objekt von Radosław Czarkowski aus dem Jahr 2003, „Begrab mein Herz zum ersten Mal“. Darin schwamm die Hälfte eines Herzens in Formaldehyd, aufgestellt vor einem Bild mit seriell gedruckten roten Herzformen. Grzegorz Wnęk zeigte in „Der Künstler kommt in der Dämmerung“ einen Maler als verkleideten Schlachter vor einer halb offenen Tür mit zwei Schweinepfoten. Ruhiger blieben Bettina Bereś mit unscheinbaren Alltagsdingen und Jarosław Kozłowski, der Teile verschiedener Stühle und Schränke mit Klebeband aneinanderfügte.
Ryszard Górecki, die Gruppe Twożywo und Maria Kiesner griffen Motive aus Zeitungen und Zeitschriften auf und setzten sie in neue Zusammenhänge; von Górecki hing das Ölbild „Widerstand“ (2005), von Kiesner „Kulturhaus“ (2006). Jadwiga Sawicka baute aus Pappquadern die Pyramide „Nichts für mich“, deren Wörter NIE, MA und NIC sich zu widersprüchlichen Sätzen fügen. Für die Einladung wählte das Haus Elżbieta Jabłońskas Neonröhrenarbeit „Ist Dein Geist voller Güte?“ von 2002.
Ausgewählte Beteiligte
- Basia Bańda, Zielona Góra, Jahrgang 1980
- Bettina Bereś, Kraków, Jahrgang 1958
- Radosław Czarkowski, Zielona Góra, Jahrgang 1966
- Ryszard Górecki, Berlin, Jahrgang 1956
- Elżbieta Jabłońska, Bydgoszcz, Jahrgang 1970
- Maria Kiesner, Warschau, Jahrgang 1976
- Jarosław Kozłowski, Poznań, Jahrgang 1945
- Zofia Kulik, Warschau, Jahrgang 1947
- Natalia LL, Warschau, Jahrgang 1937
- Jadwiga Sawicka, Przemyśl, Jahrgang 1959
- Leszek Sobocki, Kraków, Jahrgang 1934
- Grzegorz Wnęk, Kraków, Jahrgang 1974