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  • Rathaushalle / Festsaal

„Entartete Kunst“: Werke aus dem Böhmer-Nachlass in der Rathaushalle, 2013/14

Grafiken von Otto Dix, Lyonel Feininger, Lovis Corinth und Karl Schmidt-Rottluff, die 1937 aus deutschen Museen verbannt worden waren, hingen vom 27. Oktober 2013 bis 26. Januar 2014 in Rathaushalle und Festsaal am Marktplatz 1. Die Ausstellung „Entartete Kunst“ mit dem Untertitel „Angriff auf die Moderne“ zeigte rund 200 Arbeiten auf Papier und Plastiken aus dem Nachlass des Kunsthändlers Bernhard A. Böhmer. Die Leihgaben stammten aus dem Kulturhistorischen Museum Rostock.

  • 27. Oktober 2013

Ein Rest der beschlagnahmten Moderne

1937 ließ der nationalsozialistische Staat per Gesetz rund 21.000 Werke der Moderne aus deutschen Museen entfernen, um sie zu verkaufen oder zu zerstören. Etwa 5.000 davon wurden vernichtet, rund 8.700 überwiegend ins Ausland veräußert. Den gleichen Namen trug im selben Jahr eine diffamierende, aber publikumsstarke Ausstellung. Das Rostocker Museum besitzt als einziges in Deutschland mehr als 600 Arbeiten aus dem sogenannten Böhmer-Nachlass; vom Verbleib der übrigen rund 6.000 Werke fehlt jede Spur.

Bernhard Aloysius Böhmer, Bildhauer und Kunsthändler, handelte ab 1938 offiziell mit der beschlagnahmten Kunst. Nachdem die „Verwertung“ am 30. Juni 1941 abgeschlossen war, übernahm er verbliebene Bestände. Texttafeln in der Ausstellung beleuchteten seine umstrittene Rolle, schilderten den Weg der Blätter nach Rostock und erklärten, was die NS-Führung an Werken und Künstlern verachtete und wie sie diese Ablehnung propagandistisch verbreitete.

Ausgewählte Blätter

Zu sehen waren Einzelblätter und ganze Werkgruppen. Otto Dix’ Radierung „Streichholzhändler“ von 1920 stammte ursprünglich aus dem Städtischen Museum Mainz, Lyonel Feiningers Holzschnitt „Pariser Häuser“ aus demselben Jahr aus dem Angermuseum Erfurt. Lovis Corinths lithografiertes Selbstbildnis von 1919 hatte der Hamburger Kunsthalle gehört, Karl Schmidt-Rottluffs Holzschnitt „Christus flucht dem Feigenbaum“ (1918) der Staatlichen Kunstgalerie Stuttgart. Weitere Arbeiten kamen unter anderem von Jankel Adler, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Alexander Kanoldt, Heinrich Ehmsen und Henry Moore. Zusätzliche Plastiken lieh die Ernst Barlach Stiftung Güstrow.

Kuratiert wurde die Schau von Brigitte Rieger-Jähner. Den Eröffnungsvortrag am 27. Oktober 2013 hielt Volker Probst, überschrieben „Mein guter wie mein böser Engel“; die Ausstellung reichte bis ins Programm des Jahres 2014.

Vertretene Künstler (Auszug, grob chronologisch)

  • Christian Rohlfs (1849–1938)
  • Lovis Corinth (1858–1925)
  • Ernst Barlach (1870–1938)
  • Emil Nolde (1867–1956)
  • Arthur Segal (1875–1944)
  • Lyonel Feininger (1871–1956)
  • Otto Müller (1874–1930)
  • Bernhard Hoetger (1874–1949)
  • Franz Marc (1880–1916)
  • Max Pechstein (1881–1955)
  • Oskar Kokoschka (1886–1980)
  • Erich Heckel (1883–1970)
  • Edwin Scharff (1887–1955)
  • Willy Jaeckel (1888–1944)
  • Georg Schrimpf (1889–1938)
  • Ludwig Meidner (1884–1966)
  • Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976)
  • Otto Dix (1891–1969)
  • Johannes Molzahn (1892–1965)
  • Willi Baumeister (1889–1955)
  • László Moholy-Nagy (1895–1946)
  • Otto Pankok (1893–1966)
  • Max Pfeiffer-Watenphul (1896–1976)
  • Carl Buchheister (1890–1964)
  • Wilhelm Morgner (1891–1917)
  • Lasar Segall (1891–1957)
  • Heinrich Maria Davringhausen (1894–1970)
  • Hans Grundig (1901–1958)
  • Karl Schwesig (1898–1955)
  • Lea Grundig (1906–1977)