- 21. April 2013
Große Formate und Plastikspielzeug
Die hohen Räume legten eine Auswahl großer Formate nahe. So trat besonders hervor, wie die Künstlerin mit Ornament, Zeichen und Figur umgeht und wie gern sie in Serien arbeitet, die ein einmal gefundenes Grundmuster immer neu abwandeln. Ihr Material holt sie sich aus vielen Quellen: Fundstücke, Schablonen, Farbrollen, bedruckte Werbefolien, Fototapete. In jüngerer Zeit kamen grellbuntes Spielzeug aus Plastik, Sandkastengerät und Baumarktware hinzu. Daraus entstehen stelenartige Objekte, die an Totems erinnern, oder heitere, leicht surreale Kombinationen. Kurator Armin Hauer sah darin einen kindlich spielerischen Zugang, bei dem ihr Sinn für Proportion, Rhythmus und Raum erhalten bleibt.
Im anschließenden Saal, hinter der Rathaushalle, herrschten leisere Töne. Hier liefern oft schon die gemusterten Malgründe den Anstoß für das weitere Bild. Florale, geometrische und landschaftsartige Motive bewegen sich in feinen Zwischenfarben, Ironie und Ernst stehen gleichberechtigt nebeneinander.
Werke mit eigener Vorgeschichte
Mehrere Arbeiten waren schon in anderen Zusammenhängen aufgetreten. Die „Torte“ stammt aus dem Projekt „Happyland“, das der Verein „SW Endmoräne e.V.“ 2003 in leeren Räumen der Frankfurter Scharrnstraße veranstaltete. Für das Schul- und Bethaus Altlangsow, einen Schinkelbau, entstand im Schinkeljahr 2006 die Zeichnung „Anmut und Stille“, die eine ganze Wand einnahm (Tusche und Acryl auf Karton, 160 × 437 cm), damals zusammen mit dem Fundstück-Objekt „Gras“ gezeigt. Sie spielt auf das Selbstaufbauen heutiger Möbel an und stellt diese Mode in Beziehung zu Karl Friedrich Schinkel (1781–1841). Als Gruppe „Strom der Geschichte“ waren außerdem Abgüsse von Abgüssen antikisierender Büsten zu sehen, abgenommen im Garten der römischen Villa Massimo, wo sie 1993/94 Stipendiatin war. Hauer interessierte, ob solche Stücke, die zuvor im Verbund mit anderen gewirkt hatten, auch einzeln bestehen.
Der Kurator ordnete ihre Arbeitsweise einer postmodernen Haltung zu, in der Bilder und Zeichen nur noch neu kombiniert, nicht mehr erfunden werden. Ganz aufgehen lässt sich die Künstlerin darin nach seiner Lesart nicht, weil ihr suchendes Spielen auf etwas außerhalb des Bildes zielt. Hoch und niedrig, Dekor und Abbild treffen bei ihr zusammen, ohne in Trash oder Zynismus abzugleiten.
Ausbildung und Wirkungsfelder
Stürmer-Alex studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Zum Freundeskreis der Studienjahre zählten Dieter Tucholke (1934–2001) und Robert Rehfeldt (1931–1993). Prägender waren ihre Lehrer Herbert Behrens-Hangeler (1898–1981) und Kurt Robbel (1909–1986). Anregungen nahm sie außerdem aus dem deutschen Expressionismus, der abstrakten Malerei nach 1945 und der Pop Art auf. Hauer beschrieb ihren Weg als gespeist aus klassischer Moderne und Nachkriegsmoderne, die Postmoderne kam eher unbewusst hinzu.
In mehr als fünf Jahrzehnten baute sie Objekte und Installationen, gestaltete Kunst am Bau und im öffentlichen Raum, setzte Zeichen in Neubaugebiete, arbeitete in Gruppen und leitete Workshops. Sie bespielte mit ihren Arbeiten auch Orte am Stadtrand, die sonst keine Kunst sehen, und machte soziale wie biografische Spuren sichtbar. Auf einen einheitlichen Stil lässt sich das Werk deshalb kaum festlegen. Dem Katalogtext zufolge ging es ihr immer wieder, oft im Austausch mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, um die Idee einer Einheit von Kunst und Leben. Die Eröffnung am 21. April 2013 fotografierte Michael Benk. Gefördert wurde die Ausstellung vom Brandenburger Kulturministerium und der Stadt Frankfurt (Oder).