- 22. Februar 2004
Auswahl aus einem großen Bestand
Die Schau setzte eine Reihe fort, die zwei Jahre zuvor mit Frauenbildern in der DDR begonnen und danach die figürliche Bildhauerei behandelt hatte. Zur Verfügung standen über 600 Gemälde und rund 9000 Blätter auf Papier. Ausschlaggebend war nach Angaben der Kuratoren die Qualität und die Bandbreite der Handschriften, nicht die Nachstellung offizieller Ausstellungen oder kulturpolitischer Vorgaben. Landschaft war ein beliebtes Genre, kaum ein Maler ließ es aus, und viele knüpften damit an das 19. und frühe 20. Jahrhundert an.
Ein scheinbar unpolitisches Genre
Armin Hauer beschrieb im Begleittext, dass die Kulturfunktionäre Landschaftsmalerei als eher kleinbürgerlich und harmlos einstuften. Sie wurde wenig gegängelt, aber misstrauisch beobachtet, gerade bei den impressionistisch arbeitenden Malern. Mit der Zeit sahen Künstler und Publikum darin eine Gegenwelt zum Offiziellen. Damit wurde das Motiv auf Umwegen doch wieder politisch.
Anfang der Fünfzigerjahre galten die kleinen Bilder von Otto Niemeyer-Holstein (1896–1984) auf Usedom und der beiden Dresdner Hans Jüchser (1894–1977) und Theodor Rosenhauer (1901–1996) als Abkehr von den Forderungen einer Aufbruchszeit. Erwartet wurden helle, farbige, zuversichtliche Landschaften als Sinnbild des Umbaus. Bernhard Kretzschmar (1889–1972) lieferte mit „Blick auf Stalinstadt“ (1955) ein solches Ideal. Ernst Schroeder (1928–1989) dagegen orientierte sich an der existenzialistischen Malerei Bernard Buffets und blieb beim grauen Alltag, etwa in der „Mecklenburgischen Dorflandschaft“ von 1954/55. Karl Krug (1900–1983) aus Leipzig suchte sich abweisende, düstere Motive, in Norwegen ebenso wie in den Dörfern rund um seine Stadt.
In den Sechziger- und Siebzigerjahren richtete die mittlere Generation den Blick auf verfallende Altstädte, heruntergekommene Vororte und anonyme Neubaugebiete. Gegenüberstellungen von unberührter Natur und schwerer Umweltzerstörung brachten eine neue politische Schärfe.
Vielfalt der Handschriften
Spätimpressionistische Traditionen liefen weiter, daneben stand ein eigenwilliger Expressionismus bei Andreas Dress und Walter Libuda. Wolfgang Mattheuer griff romantische und biedermeierliche Bildformen auf, zu sehen in „Fenster II“ (1966). Doris Ziegler setzte die kühle Neue Sachlichkeit fort, ihr „Musizierender Engel in Pragwitz“ entstand 1977. In Leipzig entwickelte sich eine historisierende Malweise im Rückgriff auf Renaissance und Gründerzeit, vertreten durch Werner Tübke, Heinz Zander und Angelika Tübke. Von Werner Tübke hing allerdings ein frühes, untypisches Bild, „Hiroschima II“ von 1958.
Pop Art blieb selten. Willy Wolff (1905–1985), ein Schüler von Otto Dix, war mit „Warnung“ (1967) vertreten, daneben Jürgen Schieferdecker. Erika Stürmer-Alex und Strawalde lösten sich weit vom Abbild und arbeiteten mit Spuren und Chiffren aus der Farbe heraus, so in Stürmer-Alex’ „Abendliche Begegnung“ (1978) und Strawaldes „Küste“ (1984). Max Uhlig verband Dresdner Malkultur mit einem gestischen Duktus, den Hauer mit Alberto Giacometti verglich, etwa in „Landschaft (Wald am Katharinenberg)“ von 1988, fast zweieinhalb Meter breit. Von Niemeyer-Holstein hing „Usedomer Strand nach Sturmflut“, von Krug „Norwegen“ (1977). Hauer verwies zum Schluss darauf, dass die westeuropäische Nachkriegsmoderne die Landschaft weitgehend aufgab, das Festhalten an ihr im Osten also eine Besonderheit war.
Vertretene Künstler
- Dornis, K.
- Dress, A.
- Fleischer, L.
- Göschel, E.
- Heisig, B.
- Hertel, B.
- Jansong, J.
- Kasten, P.
- Knebel, K.
- Korth, S.
- Kretzschmar, B.
- Krug, K.
- Libuda, W.
- Lingner, M.
- Mäde, H.
- Mattheuer, W.
- Möhwald, O.
- Nehmer, R.
- Neubauer, G.
- Niemeyer-Holstein, O.
- Petrowsky, W.
- Pfeifer, U.
- Plenkers, S.
- Querner, C.
- Quevedo, N.
- Roehricht, K.-H.
- Rosenhauer, T.
- Schieferdecker, J.
- Schroeder, E.
- Strawalde
- Stürmer-Alex, E.
- Tübke, A.
- Tübke, W.
- Uhlig, M.
- Wienckowski, G.
- Wilhelm, P.
- Winkler, F.
- Wolff, W.
- Zander, H.
- Ziegler, D.
- Zimmermann, D.