- 31. Mai 2015
Eine Sammlungsschau pro Jahr
Eine Dauerausstellung gab es seit 1990 nicht mehr. Stattdessen widmete sich jährlich eine Schau einem Ausschnitt des Bestands: 2010 abstrakten und konkreten Arbeiten unter dem Titel „Tendenz abstrakt“, 2011 dem Porträt in „BLICKE und GESTEN“, 2014/15 dem Stillleben. Im ZEIT-Museumsführer von 2012 hatte Sven Behrisch die Frankfurter Sammlung hervorgehoben, weil sie ostdeutsche Kunst umfassend und ohne Lücken versammle.
Diesmal stand das letzte Jahrzehnt der DDR im Mittelpunkt, in dem nach Hauers Darstellung gerade für junge Künstler ein Klima existenzieller Krise zu besonders ausdrucksstarken Bildern führte.
Vorbilder, Lehrer, Zentren
In Westeuropa und den USA kam in den Siebzigern eine Welle emotionaler Malerei auf, gehandelt als „Neue Wilde“, „Heftige Malerei“, „Transavanguardia“, „Figuration libre“ oder „Bad painting“. In der DDR entstand fast gleichzeitig Vergleichbares, das der Katalog jedoch ausdrücklich nicht als Nachahmung deutete: Ironie und postmodernes Zeichenspiel seien selten, es gehe eher um die existenzielle Erkundung von Malerei und Figur. Als Bezugspunkte nannte er Oskar Kokoschka, Max Beckmann, die „Brücke“ und Chaim Soutine, nach 1945 Francis Bacon, Willem de Kooning, die COBRA-Gruppe, den späten Picasso und das Action Painting – Werke, die man meist nur aus Büchern kannte.
Spuren hinterließ auch A. R. Penck, der 1980 ausreiste. Bernhard Heisig unterstützte als Professor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst die expressive Formensprache. Aus der älteren Generation arbeiteten Heinz Tetzner, Horst Bachmann, Hartwig Ebersbach, Erika Stürmer-Alex und Stefan Plenkers subjektiv und emotional. Den Durchbruch in Breite und Intensität brachte aber die Jahrgänge der 1950er, deren Zentren Dresden, Leipzig und Berlin sowie Karl-Marx-Stadt waren. Viele von ihnen verbanden die Malerei mit Performances, Gruppen, Alternativgalerien, Künstlerbüchern und Untergrundzeitschriften.
Themen und Werke
Hubertus Giebe, Trak Wendisch und Hans-Hendrik Grimmling setzten sich in dramatischen Sinnbildern mit den beiden deutschen Diktaturen auseinander, Michael Morgner mit Krieg und dem Verhältnis von Einzelnem und Masse. Klaus Süß, Werner Liebmann und Günter Hein umkreisten den Eros, Angela Hampel und Maja Nagel eine feministische Perspektive; bei Nagel und Karla Woisnitza blitzt Humor auf. Ellen Fuhr und Johannes Heisig malten Gruppenbilder und Porträts städtischer Vereinsamung, Klaus Hähner-Springmühl und Jörg Sonntag hinterließen informelle Spuren, Walter Libuda groteske Phantasmen.
Unter den Plastiken ragte Frank Seidels raumgreifende Installation „Kreuzigung – Frankfurter Gruppe“ von 1989/90 heraus, 1990 erworben und 300 × 500 × 600 cm groß. Daneben standen ein „Paar“ von Hans Scheib, Stelen, die Andreas Hegewald und Holger Lippmann archaisch formten, sowie ein Baumstamm, in den Frank Maasdorf menschenähnliche Formen schlug. Abgebildet waren außerdem Heisigs „Rocker“ aus dem vierteiligen „Tanzpalast“ (1986), Fuhrs Radierung „Nächtliches Café“ (1987) und Woisnitzas Gouache „Sängerin IV“ (1986). Zur Ausstellung erschien ein Katalog.
Gezeigte Künstler
- Solveig Bolduan (geb. 1958)
- Hartwig Ebersbach (geb. 1940)
- ERNA (geb. 1954)
- Lutz Fleischer (geb. 1956)
- Ellen Fuhr (geb. 1958)
- Hubertus Giebe (geb. 1953)
- Hans-Hendrik Grimmling (geb. 1947)
- Klaus Hähner-Springmühl (1950 bis 2006)
- Claus Haensel (geb. 1942)
- Angela Hampel (geb. 1956)
- Andreas Hegewald (geb. 1953)
- Günter Hein (geb. 1947)
- Johannes Heisig (geb. 1953)
- Michael Hengst (geb. 1953)
- Veit Hofmann (geb. 1944)
- Petra Kasten (geb. 1955)
- Klaus Killisch (geb. 1959)
- Walter Libuda (geb. 1950)
- Werner Liebmann (geb. 1951)
- Holger Lippmann (geb. 1960)
- Frank Maasdorf (geb. 1950)
- Michael Morgner (geb. 1942)
- Maja Nagel (geb. 1959)
- Frank Panse (geb. 1942)
- Wolfgang Petrovsky (geb. 1947)
- Stefan Plenkers (geb. 1945)
- Hans Scheib (geb. 1949)
- Hans Scheuerecker (geb. 1951)
- Frank Seidel (geb. 1959)
- Wolfgang Smy (geb. 1952)
- Gerd Sonntag (geb. 1954)
- Jörg Sonntag (geb. 1955)
- Erika Stürmer-Alex (geb. 1938)
- Klaus Süß (geb. 1951)
- Gudrun Trendafilov (geb. 1958)
- Ulla Walter (geb. 1955)
- Trak Wendisch (geb. 1958)
- Jürgen Wenzel (geb. 1950)
- Karla Woisnitza (geb. 1952)