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  • 50 Jahre
  • Rathaushalle / Festsaal
  • 11. Oktober bis 1. November 2015

50 Jahre Ausstellungen in Frankfurt an der Oder: Plakate, Kataloge und Einladungen der Jubiläumsschau in der Rathaushalle

Vom 11. Oktober bis 1. November 2015 hingen in der Rathaushalle und im Festsaal fast 400 Dokumente: rund 230 Plakate und etwa 170 Einladungen und Kataloge aus fünf Jahrzehnten, in zeitlicher Folge von links nach rechts gehängt; am Anfang stand das frühere Namensschild, das einst die Südwand des Rathauses markierte. Die Schau „50 Jahre Museum Junge Kunst – 50 Jahre Ausstellungen“ war eine Ausstellung über Ausstellungen, kuratiert von Armin Hauer. Weiter unten folgt eine eigene Darstellung: die Geschichte der Plakate der Ausstellungen und zugleich ein kurzer Gang durch 50 Jahre Ausstellungen von 1965 bis 2015.

Raum 1

Die Plakate: von Johannes Hansky bis zur Werbeagentur Giraffe

Die Plakate der Ausstellungen erzählen die Geschichte des Hauses in Stichworten: das Eindruckplakat zur Eröffnung 1965, entworfen von Johannes Hansky, in zwei Farbvarianten; die Siebdrucke, mit denen Künstler der „Werkstatt Junge Kunst“ in den achtziger Jahren ihre eigenen Ausstellungen im Kabinett ankündigten; die kleinen, vom Kurator selbst collagierten und kopierten Blätter der neunziger Jahre, als Geld für große Formate fehlte; und ab 2010 wieder das A1-Format der Frankfurter Werbeagentur Giraffe. Die Reihe reichte von „Kunstpreis des FDGB“ 1965 bis zu „Die Kunst der Zeichnung“ 2013.

Zeichnung: lange Galeriewand mit dicht gehängten, leeren Plakatrahmen
Raum 2

Kataloge, Einladungen und ein Handapparat

Wo kein Plakat mehr auffindbar war, traten Kataloge und Einladungen an seine Stelle und kamen, wo es sich machen ließ, ebenfalls hinter Glas. Die Kataloge reichen von einfachen Flyern bis zu aufwendig gedruckten Bänden; in einem Handapparat konnten Besucher mehr als 160 Veröffentlichungen aus fünf Jahrzehnten, 1965 bis 2015, durchblättern. Eine Dokumentation nannte zu jeder Ausstellung Kurator, Plakatgestalter und, soweit nachweisbar, die Autoren der Kataloge. Die Kataloge zu den Bestandsausstellungen „Erwerbungen 1965–1972“ und die drei Katalogbücher bis 2011 gehören zu den Quellen, auf die auch die Chronik des Museums zurückgreift.

Raum 3

50 Jahre Ausstellungen: die Rathaushalle als Schau über Schauen

Für 50 Jahre Museum Junge Kunst war die Rathaushalle der einzig mögliche Ort: Hier hatte 1965 alles begonnen, hier hing bis 1990 die Dauerausstellung, und hier fanden die großen Personalausstellungen nach 1990 statt. Die Hängung folgte der Zeit, von links nach rechts, und ließ so nebenbei eine ästhetische Zeitreise entstehen, vom Schriftplakat der sechziger Jahre zum farbstarken Bildplakat der Gegenwart. Weitere Ausstellungen in der Rathaushalle aus demselben Jahr:

  • 11. Oktober 2015

Ein halbes Jahrhundert Ausstellungen auf Plakaten, Katalogen und Einladungen

Mit einer Jubiläumsausstellung zum 50-jährigen Bestehen blickte das Haus vom 11. Oktober bis zum 1. November 2015 in Rathaushalle und Festsaal auf die eigene Ausstellungstätigkeit zurück. An den Stellwänden hingen rund 230 Plakate; Einladungen und Kataloge kamen auf etwa 170, zusammen fast 400 Dokumente. Ein Handapparat mit über 160 Publikationen seit 1965 lag zum Blättern aus, eine Übersicht nannte, soweit bekannt, Kuratoren und Gestalter. Konzipiert hatte die Schau Armin Hauer.

Plakate als Zeitdokumente

Die Jubiläumsausstellung zeigte nur, was sich belegen ließ. Die Gesamtzahl der Ausstellungen dürfte über 500 liegen, doch fehlte für manche jedes Plakat, jede Einladung und jeder Katalog. Für die Jahre vor 1980 blieb die Überlieferung lückenhaft, ab 1990 dagegen nahezu vollständig. Einige Plakate stellte das Stadtarchiv Frankfurt (Oder) als Leihgaben bereit.

Die chronologische Hängung begann mit dem Eröffnungsplakat von 1965, gestaltet von Johannes Hansky, das in zwei Farbvarianten vorlag und Wieland Försters Porträtplastik „Porträt Angelika“ von 1963 zeigte. Ein zweites frühes Blatt warb für die Preisträger des FDGB-Kunstpreises, die im Juni und Juli 1965 in der Rathaushalle zu sehen waren, bevor es die Galerie überhaupt gab. In den Siebzigern und Achtzigern entstanden originalgrafische Plakate, etwa von Günter Neubauer (1976), dem Polen Andrzej Gordon (1977), Walter Libuda (1985), Clemens Gröszer und Horst Engelhardt (beide 1986), Wolfgang Henne (1987) und Detlef Lieffertz (1989); Wolf-Dieter Pfennig griff die Technik 1997 für die Gruppe Kg 849 ein letztes Mal auf. In den knappen Neunzigern behalf man sich mit kleinen, oft selbst collagierten und kopierten Plakaten, zwischen 2000 und 2010 mit Faltblättern, die sich zum Plakat aufklappen ließen. Danach setzte sich das Format A1 durch.

Namen und Häuser

Der Name wechselte zweimal: Galerie Junge Kunst Frankfurt (Oder) lautete er von 1965 bis 1991, bis September 1993 kam der Zusatz „Museum für zeitgenössische Kunst“ hinzu, seit Oktober 1993 hieß das Haus Museum Junge Kunst. Bis 1990 dienten die Halle aus der Spätrenaissance und der Festsaal aus der Hochgotik im Rathaus vor allem der Dauerausstellung. Ab 1966 nutzte das Haus zusätzlich eine Gründerzeitvilla in der Heilbronner Straße 19, die damals Wilhelm-Pieck-Straße hieß (Hausnummer 331), als Verwaltung, Depot und Ausstellungsort, das sogenannte Kabinett. Nachdem die Stadt das Grundstück 2003 verkauft hatte, zogen die Wechselausstellungen in den PackHof.

Die Jahre der Bezirksgalerie

Offiziell eröffnet wurde die Galerie am 2. Oktober 1965 zu den 5. Oderfestspielen. Die Vorbereitung hatte am 1. Januar 1964 begonnen, auf Beschluss der SED-Bezirksleitung und des Rates des Bezirks. Gründungsdirektor Karl-Heinz Maetzke leitete das Haus bis 1983 und prägte Sammlung wie Programm. Jährlich entstanden bis zu zwölf Ausstellungen, dazu bis zu 50 Wanderausstellungen für Betriebe, Institute und landwirtschaftliche Einrichtungen. Kunst sollte erziehen; Abstraktes, Pop Art und staatskritische Positionen blieben ausgeschlossen. Als eigenständige Personalausstellungen dieser Zeit hob der Begleittext unter anderem Wieland Förster und Gerhard Kettner (1977), Regina Fleck und Uwe Pfeifer (1980) sowie Fritz Cremer (1981) hervor. Mit Partnern in Zielona Góra und später Gorzów tauschte das Haus regelmäßig Ausstellungen.

Karl-Heinz Kukla, Direktor von 1984 bis 1987, gründete 1985 die Reihe „Werkstatt Junge Kunst“, die bis 1991 auf 22 Ausstellungen junger Künstler kam; 1987 folgte eine Grafikschau von Joan Miró. Nach Waltraud Endler als amtierender Direktorin und einer kurzen Amtszeit von Rudolph Quaiser markierte 1989 die Rauminstallation „Zwischen Utopie und Apokalypse“, die Reinhard Zabka gemeinsam mit Albrecht Hillemann schuf, mit ungewohntem Andrang das Ende der DDR-Ära.

Umbau nach 1990

Unter Brigitte Rieger-Jähner, Direktorin von 1990 bis 2014, wurde aus der Bezirksgalerie eine städtische Einrichtung mit Landeszuschüssen. Das wissenschaftliche Personal schrumpfte von neun Stellen 1992 auf zwei und schließlich eine; städtische Ankaufsmittel gab es ab 1996 nicht mehr, die Sammlung wuchs über Schenkungen, Dauerleihgaben sowie Fördergeld von Land und Bund. Im Dezember 2001 kam die angeordnete Fusion mit dem Stadt- und Regionalmuseum Viadrina, Ende 2014 übernahm Martin Schieck die Leitung kommissarisch. Trotzdem entstanden zwischen 1990 und 2015 noch 223 Ausstellungen.

Den Auftakt machte 1990 „Tendenz konstruktiv-konkret“ mit 22 Künstlern, darunter Hermann Glöckner und Karl-Heinz Adler; die Schau wanderte nach Meiningen und Kehl. Zwischen 1992 und 1996 stellte eine Reihe mit Papierarbeiten junger ostdeutscher Künstler über 30 Namen vor, etwa Neo Rauch und Carsten Nicolai. Ab Mitte der Neunziger folgten Künstler, die die DDR verlassen hatten, darunter A. R. Penck (1994), Cornelia Schleime (2003) und Helge Leiberg (2005). Große Grafikausstellungen galten Otto Dix, Käthe Kollwitz, Max Beckmann, Rembrandt und Goya, dazu die Dreierschau „Barocke Grotesken“. Die meisten Besucher zog 2014 Salvador Dalí an. Polnische Kunst blieb ein fester Strang, seit 2007 vor allem mit der Galeria BWA im polnischen Zielona Góra. Von 1997 bis 2005 kuratierte das Haus zudem die Biennale „Meine Welt“ mit Outsider Art, unterstützt von den Wichernheimen Frankfurt (Oder).

Fragen zur Jubiläumsausstellung 2015

Was zeigte die Schau „50 Jahre Museum Junge Kunst“?

Gerahmte Werbemittel aus der Zeit seit 1965, rund 230 Plakate sowie gut 170 Kataloge und Einladungskarten, dazu ein Handapparat mit mehr als 160 Veröffentlichungen und eine Übersicht, wer die Schauen kuratiert und die Plakate entworfen hatte. Fehlte für eine Ausstellung das Plakat, sprangen Flyer, Einladung oder Katalog ein; einige Plakate waren Leihgaben des Stadtarchivs Frankfurt (Oder).

Wann und wo fand die Jubiläumsausstellung statt?

Vom 11. Oktober bis 1. November 2015 in der Rathaushalle und im Festsaal des Rathauses am Marktplatz 1, die Eröffnung war am 11. Oktober, 11 Uhr vormittags. 50 Jahre Ausstellungen bezogen sich auf die offizielle Gründung der Galerie Junge Kunst am 2. Oktober 1965; das älteste Plakat, für die „Kunst Preisträger des FDGB“, stammt allerdings schon aus dem Juni 1965.

Welche Plakate der Ausstellungen waren besonders?

Das Eröffnungsplakat der Galerie Junge Kunst von Johannes Hansky (1965) mit Wieland Försters „Porträt Angelika“, die originalgrafischen Siebdruckplakate der achtziger Jahre zur Reihe „Werkstatt Junge Kunst“, von Walter Libuda, der 1985 den Anfang machte, über Clemens Gröszer und Wolfgang Henne in den beiden Folgejahren bis zu Detlef Lieffertz 1989, ein Siebdruckplakat Günter Neubauers von 1976, eines des polnischen Künstlers Andrzej Gordon von 1977 und 1997 Wolf-Dieter Pfennigs Plakat zur Gruppe Kg 849.

Wer war Karl-Heinz Maetzke?

Der Gründungsdirektor (1915–2000), der die Galerie Junge Kunst ab dem 1. Januar 1964 aufbaute und bis 1983 leitete. Unter ihm entstanden die Formate, die das Haus prägten: Dauerausstellung in der Rathaushalle, thematische Ausstellungen aus der Sammlung, Sonderausstellungen mit Leihgaben, bis zu zwölf Ausstellungen im Kabinett und bis zu fünfzig Wanderausstellungen im Jahr, dazu eine starke museumspädagogische Arbeit.

Wie viele Ausstellungen gab es in 50 Jahren Museum Junge Kunst?

Nach Armin Hauers Zählung insgesamt wohl bis zu über 500, davon allein 223 zwischen 1990 und 2015. Die Jahre bis 1980 sind im Archiv nur lückenhaft dokumentiert, die Jahrzehnte ab 1990 dagegen nahezu lückenlos. Ausstellungen ohne Plakat, Einladung oder Katalog wurden 2015 nicht gezeigt.