- 11. Oktober 2015
Ein halbes Jahrhundert Ausstellungen auf Plakaten, Katalogen und Einladungen
Mit einer Jubiläumsausstellung zum 50-jährigen Bestehen blickte das Haus vom 11. Oktober bis zum 1. November 2015 in Rathaushalle und Festsaal auf die eigene Ausstellungstätigkeit zurück. An den Stellwänden hingen rund 230 Plakate; Einladungen und Kataloge kamen auf etwa 170, zusammen fast 400 Dokumente. Ein Handapparat mit über 160 Publikationen seit 1965 lag zum Blättern aus, eine Übersicht nannte, soweit bekannt, Kuratoren und Gestalter. Konzipiert hatte die Schau Armin Hauer.
Plakate als Zeitdokumente
Die Jubiläumsausstellung zeigte nur, was sich belegen ließ. Die Gesamtzahl der Ausstellungen dürfte über 500 liegen, doch fehlte für manche jedes Plakat, jede Einladung und jeder Katalog. Für die Jahre vor 1980 blieb die Überlieferung lückenhaft, ab 1990 dagegen nahezu vollständig. Einige Plakate stellte das Stadtarchiv Frankfurt (Oder) als Leihgaben bereit.
Die chronologische Hängung begann mit dem Eröffnungsplakat von 1965, gestaltet von Johannes Hansky, das in zwei Farbvarianten vorlag und Wieland Försters Porträtplastik „Porträt Angelika“ von 1963 zeigte. Ein zweites frühes Blatt warb für die Preisträger des FDGB-Kunstpreises, die im Juni und Juli 1965 in der Rathaushalle zu sehen waren, bevor es die Galerie überhaupt gab. In den Siebzigern und Achtzigern entstanden originalgrafische Plakate, etwa von Günter Neubauer (1976), dem Polen Andrzej Gordon (1977), Walter Libuda (1985), Clemens Gröszer und Horst Engelhardt (beide 1986), Wolfgang Henne (1987) und Detlef Lieffertz (1989); Wolf-Dieter Pfennig griff die Technik 1997 für die Gruppe Kg 849 ein letztes Mal auf. In den knappen Neunzigern behalf man sich mit kleinen, oft selbst collagierten und kopierten Plakaten, zwischen 2000 und 2010 mit Faltblättern, die sich zum Plakat aufklappen ließen. Danach setzte sich das Format A1 durch.
Namen und Häuser
Der Name wechselte zweimal: Galerie Junge Kunst Frankfurt (Oder) lautete er von 1965 bis 1991, bis September 1993 kam der Zusatz „Museum für zeitgenössische Kunst“ hinzu, seit Oktober 1993 hieß das Haus Museum Junge Kunst. Bis 1990 dienten die Halle aus der Spätrenaissance und der Festsaal aus der Hochgotik im Rathaus vor allem der Dauerausstellung. Ab 1966 nutzte das Haus zusätzlich eine Gründerzeitvilla in der Heilbronner Straße 19, die damals Wilhelm-Pieck-Straße hieß (Hausnummer 331), als Verwaltung, Depot und Ausstellungsort, das sogenannte Kabinett. Nachdem die Stadt das Grundstück 2003 verkauft hatte, zogen die Wechselausstellungen in den PackHof.
Die Jahre der Bezirksgalerie
Offiziell eröffnet wurde die Galerie am 2. Oktober 1965 zu den 5. Oderfestspielen. Die Vorbereitung hatte am 1. Januar 1964 begonnen, auf Beschluss der SED-Bezirksleitung und des Rates des Bezirks. Gründungsdirektor Karl-Heinz Maetzke leitete das Haus bis 1983 und prägte Sammlung wie Programm. Jährlich entstanden bis zu zwölf Ausstellungen, dazu bis zu 50 Wanderausstellungen für Betriebe, Institute und landwirtschaftliche Einrichtungen. Kunst sollte erziehen; Abstraktes, Pop Art und staatskritische Positionen blieben ausgeschlossen. Als eigenständige Personalausstellungen dieser Zeit hob der Begleittext unter anderem Wieland Förster und Gerhard Kettner (1977), Regina Fleck und Uwe Pfeifer (1980) sowie Fritz Cremer (1981) hervor. Mit Partnern in Zielona Góra und später Gorzów tauschte das Haus regelmäßig Ausstellungen.
Karl-Heinz Kukla, Direktor von 1984 bis 1987, gründete 1985 die Reihe „Werkstatt Junge Kunst“, die bis 1991 auf 22 Ausstellungen junger Künstler kam; 1987 folgte eine Grafikschau von Joan Miró. Nach Waltraud Endler als amtierender Direktorin und einer kurzen Amtszeit von Rudolph Quaiser markierte 1989 die Rauminstallation „Zwischen Utopie und Apokalypse“, die Reinhard Zabka gemeinsam mit Albrecht Hillemann schuf, mit ungewohntem Andrang das Ende der DDR-Ära.
Umbau nach 1990
Unter Brigitte Rieger-Jähner, Direktorin von 1990 bis 2014, wurde aus der Bezirksgalerie eine städtische Einrichtung mit Landeszuschüssen. Das wissenschaftliche Personal schrumpfte von neun Stellen 1992 auf zwei und schließlich eine; städtische Ankaufsmittel gab es ab 1996 nicht mehr, die Sammlung wuchs über Schenkungen, Dauerleihgaben sowie Fördergeld von Land und Bund. Im Dezember 2001 kam die angeordnete Fusion mit dem Stadt- und Regionalmuseum Viadrina, Ende 2014 übernahm Martin Schieck die Leitung kommissarisch. Trotzdem entstanden zwischen 1990 und 2015 noch 223 Ausstellungen.
Den Auftakt machte 1990 „Tendenz konstruktiv-konkret“ mit 22 Künstlern, darunter Hermann Glöckner und Karl-Heinz Adler; die Schau wanderte nach Meiningen und Kehl. Zwischen 1992 und 1996 stellte eine Reihe mit Papierarbeiten junger ostdeutscher Künstler über 30 Namen vor, etwa Neo Rauch und Carsten Nicolai. Ab Mitte der Neunziger folgten Künstler, die die DDR verlassen hatten, darunter A. R. Penck (1994), Cornelia Schleime (2003) und Helge Leiberg (2005). Große Grafikausstellungen galten Otto Dix, Käthe Kollwitz, Max Beckmann, Rembrandt und Goya, dazu die Dreierschau „Barocke Grotesken“. Die meisten Besucher zog 2014 Salvador Dalí an. Polnische Kunst blieb ein fester Strang, seit 2007 vor allem mit der Galeria BWA im polnischen Zielona Góra. Von 1997 bis 2005 kuratierte das Haus zudem die Biennale „Meine Welt“ mit Outsider Art, unterstützt von den Wichernheimen Frankfurt (Oder).
