- 17. Februar 2002
Alte Blätter in einem Haus für Gegenwartskunst
Dass ein auf zeitgenössische Kunst ausgerichtetes Museum Grafik des 18. Jahrhunderts zeigte, begründete der Begleittext von Brigitte Rieger-Jähner mit der Nähe dieser Arbeiten zur Moderne. Nach ihrer Lesart handeln die Blätter von einem Menschen, der vereinzelt in einer Welt lebt, die er nicht mehr begreift, und sie pendeln zwischen dem Bruch von Regeln und deren Verteidigung.
Die drei Künstler
Hogarth nahm in seinen satirischen Kupferstichfolgen das Londoner Großstadtleben ins Visier. Sein Spott trifft Prostituierte und Adelige ebenso wie Richter, Pfarrer und Ärzte.
Piranesi, 23 Jahre jünger, galt vor allem der Architektur Roms mit ihren Schichten aus Antike, Mittelalter, Renaissance und Barock. Seine topografisch präzisen Ansichten wirken durch wechselnde Standpunkte zugleich verunsichernd und ausweglos.
Goya war der Jüngste der drei. In seinen Radierungen verschmolz er Züge des spanischen Mittelalters mit barocken und romantischen Elementen und stellte deren Glaubenssätze zugleich infrage. Der Text sieht bei ihm den Verlust aller Gewissheiten am drastischsten gestaltet. Ein gezeigtes Blatt war die Radierung „Chincilla-Ratten“ aus den Caprichos von 1799.