- 2. April 2006
Ein Thema statt eines Überblicks
Weil seit 1990 die Räume für eine ständige Präsentation fehlten, stellte das Museum seine Sammlung in wechselnden Ausstellungen vor, jedes Jahr unter einem anderen Blickwinkel. Auf die breit angelegte Schau „Arbeiten auf Papier“ folgte 2006 wieder ein Motiv. Ein ähnliches Konzept hatte sich bereits 2002 mit „Frauenbilder in der DDR“ bewährt.
Zeitlich und räumlich umfasste die Auswahl die Sowjetische Besatzungszone von 1945 bis 1949, die DDR und die Bundesrepublik nach 1990, hier vor allem die neuen Länder. Hauer legte Wert auf Qualität und auf die klassischen Gattungen: Tafelbild, Grafik und Bildhauerei. Auftragskunst im Sinne des Staates spielte kaum eine Rolle; den lächelnden Helden der Arbeit mit Fahne und Vorschlaghammer suchte man vergeblich. Von 40 Beteiligten waren 36 Männer und vier Frauen.
Vom Krieger bis zum Softie
Im Begleittext stellte Hauer die Frage, ob es so etwas wie ein Wesen des Mannes gibt oder ob Männlichkeit vor allem kulturell geformt ist, und wie sich die Sicht der Künstler zu Propagandabildern und Medienklischees verhält. Eine eindeutige Antwort wollte die Ausstellung nicht geben. Die Rollen reichten vom Krieger, Denker und Familienvater über den Beschützer und Leidenden bis zu Macho und Softie. Stilistisch spannte sich der Bogen vom Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit über verschiedene Realismen bis zu Pop-Art und postmodernen Verfahren, jeweils in eine persönliche Handschrift übersetzt. Schauplatz war die zweischiffige Halle aus der Spätrenaissance.
Ausgewählte Werke
Curt Querner war mit einem Selbstbildnis in Öl von 1949 vertreten, Klaus Killisch mit „Der Raucher“ (1987, erworben 1991). Wolfgang Smy steuerte die siebenteilige Acrylfolge „Protest Tafel I–VII“ von 1988 bei. Unter den Skulpturen fielen Wieland Försters in Zement gegossener „Kleiner trauernder Mann“ (1973/75), Frieder Heinzes 1,90 Meter hohe Figur „Mann“ (1982, Pappmaché und Gouache) und Hans Scheibs farbig gefasstes Holzpaar von 1986 auf. Hans Ticha zeigte „Klatscher II“ (1979/92). Neo Rauchs knapp drei Meter breites Papierbild „Sog“ von 1993 kam 1995 in die Sammlung.
Ungewöhnlich war Via Lewandowskys „Hoffnung ist des Lebens Stab“ in der zweiten Fassung von 1989/97: ein versiegeltes Bild auf Leinwand, das über einen Stahltank und eine Wasserpumpe bewässert wird, als Dauerleihgabe der Sparkassenstiftung.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler
- Rolf Biebl (1951)
- Norbert Bisky (1970)
- Mariola Brillowska (1961)
- Fritz Cremer (1906–1993)
- Harald Döring (1941–1997)
- Hartwig Ebersbach (1940)
- Wieland Förster (1930)
- Lutz Friedel (1948)
- Erich Gerlach (1909–2000)
- Moritz Götze (1964)
- Harald Reiner Gratz (1962)
- Ulrich Hachulla (1943)
- Frieder Heinze (1950)
- Bernhard Heisig (1925)
- Klaus Killisch (1959)
- Via Lewandowsky (1963)
- Walter Libuda (1950)
- Frank Maasdorf (1950)
- Richard Mansfeld (1959)
- Wolfgang Mattheuer (1924–2004)
- Arno Mohr (1910–2001)
- Michael Morgner (1942)
- A. R. Penck, eigentlich Ralf Winkler (1939)
- Wolfgang Peuker (1945–2001)
- Curt Querner (1904–1976)
- Neo Rauch (1960)
- Maren Roloff (1964)
- Wilhelm Rudolph (1889–1982)
- Hans Scheib (1949)
- Jürgen Schieferdecker (1937)
- Cornelia Schleime (1953)
- Willi Sitte (1921)
- Wolfgang Smy (1952)
- Gerd Sonntag (1954)
- Volker Stelzmann (1940)
- Erika Stürmer-Alex (1938)
- Hans Ticha (1940)
- Werner Tübke (1929–2004)
- Hans Vent (1934)
- Norbert Wagenbrett (1954)