- 27. Januar 2013
Ein Förderformat mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung
Hinter der Schau stand eine Vereinbarung mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, die auf eine Anregung der Direktorin Brigitte Rieger-Jähner zurückging. Im Abstand von zwei Jahren sollten jeweils fünf junge Künstler aus den vier Ländern eine Ausstellung in Frankfurt erhalten; zusätzlich erwarb die Stiftung von jedem eine Arbeit, die als Dauerleihgabe an das Museum ging. Partner waren außerdem die Sparkasse Oder-Spree, der Freundes- und Förderverein des Hauses, das Brandenburger Kulturministerium und die Stadt Frankfurt (Oder).
Die Auswahl traf Kurator Armin Hauer. Neben Alter und Herkunft gab ihm der Titel den Rahmen vor: Gesucht waren Positionen, die erkennbar ihren eigenen Weg gehen. Er hatte schon 1993 bis 1996 Überblicksschauen junger Kunst aus Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern zusammengestellt. Aus diesen Jahrgängen gingen spätere documenta-Teilnehmer wie Jörg Herold und Carsten Nicolai hervor, ebenso der damals kaum bekannte Neo Rauch.
Zur Eröffnung sprach Claus Friedrich Holtmann, Vorstandsvorsitzender der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, ein Grußwort. Den Eröffnungsvortrag hielt Susanne Dräger, Studentin an der Europa-Universität Viadrina.
Die Werke
Lars Kohl (1983) war mit dem Bild „Das Boot“ von 2010 vertreten, einer Mischtechnik im Format 200 × 200 cm. Enrico Niemann (1978) zeigte die Arbeit „White Box“ (2009) aus Kunstharzlack auf EVA-Folien, MDF und rückseitig bemaltem Acrylglas, 180 × 145 × 45 cm groß. Stefan Lenke (1976) steuerte das Acryl- und Lackbild „straight on“ von 2012 bei, ein Format von 60 × 50 cm.
Sebastian Reddehase (1978) machte in „amplify myself“ (2007) ein Zitat von Roman Polanski sichtbar. Das 53 × 35 × 93 cm große Objekt aus gemischten Materialien ist laut Werkangabe mit einer Formel-3-Fahrt in der Freizeit des Jahres 2007 verknüpft. Paetrick Schmidt schließlich formte für „Hochwasser“ (2012) eine kleine Szene aus Leichtstoff-Bastelmaterial und Acrylfarbe, nur 15 × 20 × 30 cm groß.
Ein Begriff unter Verdacht
In ihrem Vorwort zum Katalog räumte Rieger-Jähner ein, dass der Titelbegriff in der Postmoderne beinahe anachronistisch wirke. Wo seit den 1970er Jahren jede Stilform und jede ihrer Verzweigungen durchgespielt scheine, sei Eigenwilligkeit kaum noch als Neuheit zu haben. Sie verstand das Wort deshalb eher als Haltung: Selbstvertrauen und Beharrlichkeit, um aus einer Neigung einen Beruf zu machen, von dem man auch leben muss, und die Bereitschaft, das eigene Werk immer wieder zu befragen. Künstlerische Arbeit bedeute auf der einen Seite ständige Selbstbehauptung, auf der anderen die Freiheit, eine eigene Welt zu formen. Anstöße könnten aus der Kunst kommen, aus Musik und Literatur oder aus dem Alltag; entscheidend sei, dafür eine passende Form zu finden. Neben Ausdauer gehöre dazu, so das Vorwort, auch ein wenig Glück.
Eine Besonderheit der Ausstellung war die Zusammenarbeit mit der Hochschule. Zehn Studierende der Kulturwissenschaften an der Viadrina, die Rieger-Jähner dort unterrichtete, führten Interviews mit den fünf Künstlern über deren Leben und Arbeit. Die Studierenden waren selbst um die 20 Jahre alt und konnten so aus erster Hand verfolgen, wie Maler, Objektkünstler und Bildhauer arbeiten. Fragen und Antworten erschienen zusammen mit Abbildungen und Texten im begleitenden Katalog.