- 2. September 2007
Ein Vierteljahrhundert Umbruch
Die gewählte Zeitspanne reicht vom Ende der sozialistischen Diktatur in Ostdeutschland bis tief in die Jahre des neoliberal geprägten Kapitalismus. Hauer interessierte, wie Künstler auf diesen Wechsel antworteten und wie eine Sammlung mit knappen Mitteln dennoch wichtige Positionen festhalten kann. Ein übergreifendes Thema gab es bewusst nicht. Dafür ließen sich mehrere Richtungen ausmachen: Einige Arbeiten umkreisten die menschliche Figur, andere betrieben soziale Recherche oder stellten die gewohnte Wahrnehmung des Alltags infrage. Daneben standen persönliche Mythen und die Suche nach Spuren der eigenen Herkunft, Beispiele der Art brut, Konkrete Kunst und deren Zerlegung, schließlich die Lust an ganz gewöhnlichen Dingen. In der Spätrenaissancehalle traten diese Haltungen in Dialog oder prallten aufeinander.
Die Begleittexte entstanden auf ungewöhnliche Weise: Hauer schrieb sie öffentlich und live während der Kurzen Nacht der Frankfurter Museen.
Werke im Raum
Zwei Pole der Figurendarstellung markierten die sechsteilige „Kreuzigung“ des Berliners Frank Seidel und Stephan Balkenhols ruhiges „Portrait“ von 2003 aus Pappelholz. Helmut Senf aus Saßnitz vertrat mit farbstarken Stahlskulpturen die konkrete Tradition; ihm gegenüber flimmerten die Türme von Eva-Maria Wilde, in denen sich rechtwinklige Fassadenmuster brechen. Kurt Buchwalds „Der große Observator“ spielte auf den Überwachungsstaat an.
Judith Siegmund zeigte Schriftbanner und Fragebögen ihrer grenzüberschreitenden Aktion „Soziale Geräusche III“ aus dem Jahr 2000. Ganz privat wirkte dagegen die Schrankinstallation von Erika Stürmer-Alex, Kleider- und Küchenschränke mit Hinterlassenschaften ihres Vaters und ihrer Großmutter füllte. Ute Richter hängte ihr sechs Meter breites Acrylbild „geschlossen“ (2001) dazu, Kaeseberg sein großformatiges „Das große Spiel“ (1992).
Zum Fabulieren luden die philosophierenden Tiere – Papageien, Nilpferde, Kühe – aus den Assemblagen von Bālavat ein, ebenso der Bollerwagen mit der Giraffe „Nita“ (2002) von Horst Krüger aus Nauen, den der Text der Art brut zuordnete. M. K. Kähnes kühl gestaltete „Schatulle: Raumschiff“ wirkte daneben wie ein Fremdkörper, während Verena Kyselka mit ihrer Videoinstallation dem Inhalt von Damenhandtaschen nachging.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler
- Bālavat, eigentlich Eckehard Böttrich (1937)
- Stephan Balkenhol (1957)
- Johanna Bartl (1956)
- Rolf Biebl (1951)
- Kurt Buchwald (1953)
- R. Burkart (1950)
- Rainer Görß (1960)
- K. Hack (1966)
- Frieder Heinze (1950)
- J. Herold (1965)
- M. K. Kähne (1963)
- Kaeseberg, eigentlich Tomas Fröbel (1964)
- U. Kowski (1963)
- Horst Krüger (1936)
- Verena Kyselka (1957)
- Via Lewandowsky (1963)
- Maix Mayer (1960)
- O. Nicolai (1962)
- U. Puder (1958)
- Ute Richter (1964)
- Hans Scheib (1949)
- Frank Seidel (1959)
- Helmut Senf (1933)
- Judith Siegmund (1965)
- Erika Stürmer-Alex (1938)
- Eva-Maria Wilde (1972)