- 29. Juni 2008
Der Holzschnitt als Handwerk
Brokof studierte von 1999 bis 2004 in Dresden und kam schon in dieser Zeit zum Holzschnitt. In dieser alten Technik entstanden seither Porträts, Alltagsszenen und schlichte Stillleben. Hauer hob hervor, dass Brokofs sauberer, klarer Schnitt sich nicht in den Vordergrund spiele; die Technik diene wie früher der Wiedergabe, was den Blättern etwas Dokumentarisches gebe. Die Drucke bewegen sich in matten, porösen Grautönen zwischen Schwarz und hellem Grau.
Neben den Drucken zeichnete Brokof im Stil von Comics, was er in der Jugendkultur erlebt hatte, dazu Fundstücke aus dem Repertoire des DDR-Kitschs und der Wohnungsdekoration, wie sie Flure und Stuben der Wohnblöcke schmückte.
Der Plattenbau als Motiv
Im Mittelpunkt der Ausstellung stand der Plattenbau. Brokof wuchs in einem Wohnkomplex in Schwedt auf, einer Stadt, die im Zweiten Weltkrieg zu 80 Prozent zerstört worden war; das Zehngeschosshaus seiner Kindheit fiel später dem Stadtumbau zum Opfer. Die Blöcke erscheinen bei ihm als Bilder, als Reliefs und als Würfel, die mit Drucken überzogen sind. In einer Installation aus räumlich gesetzten Holzschnitten ließ er ein Jugendzimmer wiedererstehen.
Hauer beschrieb im Begleittext ausführlich die Geschichte der Großsiedlungen in Ost und West, ihre Rolle gegen die Wohnungsnot und die spätere Abwanderung, Abrisse und Sanierungen in ostdeutschen Städten nach 1989. Solche sozialen Fragen tauchen in Brokofs Ansichten allerdings nicht auf. Seine Häuser sind menschenleer, aber nicht steril: Vorhänge, Blumentöpfe und eine mit Gartenzwergen geschmückte Loggia kommen vor, ohne dass die Bewohner vorgeführt würden. Formal las Hauer die leicht aus dem Lot geratenen Quader als persönliche Variationen über konstruktivistische Grundformen, mit einem spätromantischen Zug dort, wo die Ränder bröckeln und die Fenster schwarz bleiben.
Ausgewählte Werke
- „Hinterland“ – Papiercollage, 2007, 37,5 × 53 cm
- „Hausblume“ – Holzschnitt auf Holz, 2007, 25 × 40 × 40 cm
- „Berlin“ – Holzschnitt, 2007, 41,6 × 28 cm
- „Brandenburger“ – Bleistiftzeichnung, 2007
- „Formstein“ – Bleistiftzeichnung, 2007
- „Prachtstraße“ – Holzschnitt auf Holz, 2007, 160 × 150 × 46 cm, Besitz des Museums