- 17. November 2002
Eine Einzelschau für einen jungen Maler
Die Entscheidung für Bisky begründete Brigitte Rieger-Jähner in ihrem Begleittext ausdrücklich nicht mit der Konjunktur, die ein „neuer Realismus“ damals in Kunstzeitschriften erlebte. Dass gegenständliche Malerei dieser Art ihre Randposition womöglich verlassen hatte, nannte sie als Hintergrund, nicht als Anlass. Den Ausschlag gab nach ihrer Darstellung die Eigenart seiner Bilder selbst.
Bisky, Jahrgang 1970, lebte und arbeitete in Berlin. Gezeigt wurde ausschließlich Malerei; die Ausstellung lief über den Jahreswechsel gut zwei Monate.
Bildvorlagen aus drei Diktaturen
Biskys Malerei gehört in die Postmoderne, in der Bilder aus der Auseinandersetzung mit anderen Bildern entstehen. Bemerkenswert fand der Begleittext, welche Vorbilder er dafür wählte: die staatlich anerkannte realistische Malerei der Sowjetunion in den Dreißigerjahren, die offiziell geförderte Kunst in Deutschland nach 1933 und den sozialistischen Realismus der DDR. Mit dieser Staatskunst führt er einen Dialog in Form und Farbe.
So verschieden diese drei Bildwelten und ihre Maler sind, die Ausstellung arbeitete eine gemeinsame Linie heraus. Sie liegt im scheinbar unpolitischen Menschenbild und im Verhältnis des Einzelnen zur Masse. Schon der Titel des Gemäldes „alle gehen mal mit“ von 2001, Öl auf Nessel im Format 140 x 200 cm, spielt auf dieses Verhältnis an.
Paradies ohne Störung
Was die Bilder vorführen, ist laut Katalogtext keine Wirklichkeit, sondern eine optische Vision der Zukunft: eine Welt ohne Konflikte, aus der alles Störende entfernt wurde. Genau dieses Versprechen kennt man aus den Propagandabildern, auf die sich der Maler bezieht.
Aufmerksamkeit gewinnen die Gemälde dennoch auf anderem Weg. Rieger-Jähner nannte die handwerkliche Brillanz, die leuchtenden, poppigen Farbklänge und die gezielt gesetzten Hell-Dunkel-Kontraste. Diese Mittel treffen auf einen Blick, der durch Werbung geschult ist, und machen ihn neugierig auf den Maler.
Die Wirkung beschrieb sie als offen: Die Bilder lösen sehr unterschiedliche Empfindungen aus, die Spannungen liegen nicht in der dargestellten Szene. Sie entstehen erst bei den Betrachtern.
Daten zur Ausstellung
- Titel: Einer muss das Sagen haben
- Künstler: Norbert Bisky (geb. 1970), Berlin
- Gattung: Malerei
- Ort: Rathaushalle Frankfurt (Oder)
- Laufzeit: 17. November 2002 bis 19. Januar 2003
- Begleittext: Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner
