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  • Rathaushalle
  • 17. November 2002 bis 19. Januar 2003
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Norbert Bisky – Einer muss das Sagen haben: die Ausstellung des Malers in der Rathaushalle Frankfurt an der Oder

Ein blonder Junge mit Fahne, Turner auf einer Wiese, Himmel ohne Wolken: Norbert Biskys Bilder aus den Jahren um 2000 sehen aus wie Werbung für ein Paradies, und genau davon handelte die Ausstellung „Einer muss das Sagen haben“, die das Museum Junge Kunst vom 17. November 2002 bis 19. Januar 2003 in der Rathaushalle zeigte. Es war das erste Mal, dass das Haus dem Maler Norbert Bisky, überhaupt einem so jungen Künstler, eine Personalausstellung in seinem größten Raum einräumte.

Raum 1

Der Maler Norbert Bisky im Jahr 2002

Norbert Bisky, 1970 in Leipzig geboren, hatte in den neunziger Jahren an der Hochschule der Künste in Berlin studiert und war Meisterschüler von Georg Baselitz gewesen. 2002 war der Maler Norbert Bisky 32 Jahre alt und in den Kunstzeitschriften bereits als Vertreter eines „neuen Realismus“ etikettiert, eine Zuschreibung, die der Ausstellungstext ausdrücklich beiseiteschiebt. Die Zusammenarbeit mit der Berliner Galerie Schultz brachte die Bilder nach Frankfurt an der Oder, in eine Halle der Spätrenaissance, die sonst Otto Dix, Käthe Kollwitz oder Max Beckmann vorbehalten war.

Zeichnung: hohe Halle mit großen, noch leeren Leinwänden vor dem Hängen
Raum 2

Die Ausstellung in der Rathaushalle: Einer muss das Sagen haben

  • 17. November 2002

Eine Einzelschau für einen jungen Maler

Die Entscheidung für Bisky begründete Brigitte Rieger-Jähner in ihrem Begleittext ausdrücklich nicht mit der Konjunktur, die ein „neuer Realismus“ damals in Kunstzeitschriften erlebte. Dass gegenständliche Malerei dieser Art ihre Randposition womöglich verlassen hatte, nannte sie als Hintergrund, nicht als Anlass. Den Ausschlag gab nach ihrer Darstellung die Eigenart seiner Bilder selbst.

Bisky, Jahrgang 1970, lebte und arbeitete in Berlin. Gezeigt wurde ausschließlich Malerei; die Ausstellung lief über den Jahreswechsel gut zwei Monate.

Bildvorlagen aus drei Diktaturen

Biskys Malerei gehört in die Postmoderne, in der Bilder aus der Auseinandersetzung mit anderen Bildern entstehen. Bemerkenswert fand der Begleittext, welche Vorbilder er dafür wählte: die staatlich anerkannte realistische Malerei der Sowjetunion in den Dreißigerjahren, die offiziell geförderte Kunst in Deutschland nach 1933 und den sozialistischen Realismus der DDR. Mit dieser Staatskunst führt er einen Dialog in Form und Farbe.

So verschieden diese drei Bildwelten und ihre Maler sind, die Ausstellung arbeitete eine gemeinsame Linie heraus. Sie liegt im scheinbar unpolitischen Menschenbild und im Verhältnis des Einzelnen zur Masse. Schon der Titel des Gemäldes „alle gehen mal mit“ von 2001, Öl auf Nessel im Format 140 x 200 cm, spielt auf dieses Verhältnis an.

Paradies ohne Störung

Was die Bilder vorführen, ist laut Katalogtext keine Wirklichkeit, sondern eine optische Vision der Zukunft: eine Welt ohne Konflikte, aus der alles Störende entfernt wurde. Genau dieses Versprechen kennt man aus den Propagandabildern, auf die sich der Maler bezieht.

Aufmerksamkeit gewinnen die Gemälde dennoch auf anderem Weg. Rieger-Jähner nannte die handwerkliche Brillanz, die leuchtenden, poppigen Farbklänge und die gezielt gesetzten Hell-Dunkel-Kontraste. Diese Mittel treffen auf einen Blick, der durch Werbung geschult ist, und machen ihn neugierig auf den Maler.

Die Wirkung beschrieb sie als offen: Die Bilder lösen sehr unterschiedliche Empfindungen aus, die Spannungen liegen nicht in der dargestellten Szene. Sie entstehen erst bei den Betrachtern.

Daten zur Ausstellung

  • Titel: Einer muss das Sagen haben
  • Künstler: Norbert Bisky (geb. 1970), Berlin
  • Gattung: Malerei
  • Ort: Rathaushalle Frankfurt (Oder)
  • Laufzeit: 17. November 2002 bis 19. Januar 2003
  • Begleittext: Prof. Dr. Brigitte Rieger-Jähner
Raum 3

Norbert Biskys Bilder in der Sammlung

Die Ausstellung blieb nicht die einzige Berührung. 2009 erwarb das Museum das Gemälde „Extase [Ecstasy]“ von 2008, Öl auf Leinwand, 130 × 100 cm, und zeigte es 2012 in der Rathaushalle in „Neuerwerbungen Teil 2: Malerei, Bildhauerei, Objekte“ neben Arbeiten von Birgit Brenner, Mariola Brillowska, Jan Brokof, Moritz Götze, Klaus Killisch und Cora Volz. Im Jahresprogramm 2017 führt die Liste der Sammlungskünstler Norbert Bisky zwischen Rolf Biebl und Lothar Böhme. Norbert Biskys Bilder gehören damit zu dem Teil der Sammlung, der nach 1990 mit Landes- und Stiftungsmitteln aufgebaut wurde, weil die Stadt ab 1996 keine Ankäufe mehr finanzierte. Wer Norbert Bisky Bilder in einer öffentlichen Sammlung Brandenburgs sucht, findet mit „Extase“ ein Werk beim Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst, das die Sammlung 2017 übernahm.

Raum 4

Frankfurt an der Oder und die Malerei der Postmoderne

Dass ein Haus, das die Kunst der DDR sammelte, 2002 ausgerechnet einen Maler zeigte, der mit der offiziellen Bildsprache von Diktaturen spielt, war kein Zufall. Die Ausstellung in Frankfurt an der Oder gehört in eine Reihe von Projekten, mit denen das Museum nach 1990 die Malerei der Postmoderne mit seinem Bestand in Beziehung setzte: Heidrun Rueda (2007), Eva-Maria Wilde (2003), Mariola Brillowska (2002) und, zweimal, Moritz Götze (1999 und 2009). Bisky war der jüngste in dieser Reihe, und die Norbert Bisky Bilder mit ihren leuchtenden Farbakkorden hingen in dem Raum, der bis 1990 die ständige Schau zur Malerei und Plastik der DDR beherbergt hatte.

Raum 5

Fragen zu Norbert Bisky im Museum Junge Kunst

Wann stellte Norbert Bisky in Frankfurt an der Oder aus?

Vom 17. November 2002 bis 19. Januar 2003 in der Rathaushalle des Museums Junge Kunst; Partner war die Berliner Galerie Schultz. Es war die erste Personalausstellung, die das Haus einem so jungen Künstler in der Rathaushalle einräumte; Bisky war damals 32 Jahre alt.

Welche Bilder von Norbert Bisky waren zu sehen?

Malerei aus den Jahren um 2000, darunter „alle gehen mal mit“ (2001, Öl auf Nessel, 140 × 200 cm). Norbert Biskys Bilder dieser Zeit zeigen blonde Jugendliche in leuchtenden, poppigen Farbakkorden vor wolkenlosen Himmeln, Szenen eines konfliktfreien Paradieses, das der Text der Direktorin als Dialog mit der Malerei der Diktaturen liest.

Besitzt das Museum Junge Kunst ein Werk von Norbert Bisky?

Ja. 2009 kaufte das Haus „Extase [Ecstasy]“, ein Ölbild auf Leinwand von 2008 im Format 130 × 100 cm; es wurde und 2012 in der Ausstellung „Neuerwerbungen Teil 2: Malerei, Bildhauerei, Objekte“ in der Rathaushalle gezeigt. Im Jahresprogramm 2017 steht Bisky in der Liste der Künstler, deren Werke die Sammlung des Museums bilden.

Wer ist der Maler Norbert Bisky?

Ein Maler mit Jahrgang 1970, geboren in Leipzig und heute in Berlin ansässig. Sein Studium in den neunziger Jahren absolvierte er an der Berliner Hochschule der Künste, zuletzt als Meisterschüler bei Georg Baselitz. Um 2002 galt er als eine der markantesten Stimmen des „neuen Realismus“, mit dem sich der Ausstellungstext ausdrücklich nicht begnügen wollte: Beachtung verdiene die Besonderheit des Werkes, nicht das Etikett.