- 13. März 2005
Auswahl aus 300 Einsendungen
Mehr als dreihundert Mappen und Einzelfotos waren eingegangen; ausgewählt wurden 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland. Sie kamen aus Großstädten wie Köln, Berlin, München, Kassel oder Münster ebenso wie aus kleinen Orten wie Rickling, Riedstadt, Regen oder Herrenberg. Manche lebten in Kliniken oder Heimen, andere wurden von sozialen Diensten betreut, wieder andere arbeiteten allein oder im Familienkreis.
Ein Thema gab die Biennale nicht vor, Preise oder Ranglisten gab es ebenfalls nicht. Entscheidend für die Auswahl war allein die künstlerische Qualität. Krankheitsgeschichten zu illustrieren oder Gestalttherapie zu dokumentieren, lag ausdrücklich nicht in der Absicht der Ausstellung. Wer diesmal nicht berücksichtigt werden konnte, erhielt die schriftliche Einladung, sich für die nächste Ausgabe erneut zu bewerben.
Fast dreihundert Werke ohne Stilschublade
Die knapp dreihundert gezeigten Arbeiten ließen sich keiner Richtung zuordnen. Der Begleittext beschrieb ein Spektrum, das von surrealen Darstellungen seelischer Qual über farbenfrohe naive Porträts und dekorative Landschaften bis zu peinlich genau gezeichneten Ornamenten, realistischen Bildnissen von Popstars und Erinnerungen an traumatische Kindheitserlebnisse reichte. Heiteres und Groteskes standen neben Düsterem und Verstörendem.
Robert Picker zeigte das Acrylbild „Venus, wo ich traurig war“ von 1988, Hubert Lucht den 2,70 Meter breiten „Tigerentenclub“ (2000), Öl auf Holz. Von Edmund Krengel stammten die „Wohntürme“ (1991) in Wachsstift, von Jürgen Franke „Atlantis“ (2003). Serge Vollin war mit „Donnerstag – allgemeine Visite“ vertreten, Wolfgang Sawinsky mit „Für Seneca what a colourfield“ von 2004.
Art brut und Outsider Art
Derselbe Text ordnete die Biennale in die Debatte um Begriffe wie Outsider Art, Art brut oder zustandsgebundene Kunst ein. Den Ausdruck Art brut hatte der französische Maler und Sammler Jean Dubuffet in den Vierzigerjahren geprägt, als er nach Worten für eine nicht professionelle, gegen den Kunstbetrieb gerichtete Kreativität suchte. Inzwischen, hieß es dort, sei diese Kunst im Ausstellungsbetrieb längst angekommen, ohne ihr Rätselhaftes zu verlieren. Die Frankfurter Biennale wurde darin als in Deutschland einzigartig bezeichnet.
Finanziell unterstützten die Schau die Sparkasse Oder-Spree, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung im Land Brandenburg und das brandenburgische Kulturministerium. Sie war Teil des Jahresprogramms 2005.
Teilnehmende nach Wohnort
- Berlin: Christian Bartosch, Miriam Bondy, Christel Bratz, Paul Damczok, Sylvana Engel, Oliver Rinke, Frank Schmitt, Sabine Welsch
- Bernau: Reiner Neumann
- Cochem/Mosel: Edmund Krengel, Hubert Lucht
- Gremsdorf: Hans Schuldes
- Hannover: Robert Picker
- Hermsdorf: Gabriele Schatzler
- Herrenberg: Karin Zutavem
- Kassel: Roland Klotz
- Kleinmachnow: Mike Dannenberg
- Köln: Susanne Klümpel
- Landshut: Margit Zimny
- Lauter: Annemarie Espig
- Lohr am Main: Jürgen Franke
- Lutherstadt Eisleben: Norbert Nebel
- Morsbach: Wolfgang Sawinsky
- München: Serge Vollin
- Münster: Heinz-Ulrich Röckmann (gest. 2004)
- Regen: Holger Gröschler
- Rickling: Alfred Wilkens
- Riedstadt: Erwin Ludwig Fuß
- Sehnde-Köthenwald: Andreas Kurz
- Straubing: Annerose Kettl
- Tann/Rhön: Goswin Moosbauer
- Warburg: Manfred Henke, Michaela Lehnert
- Willebadessen: Jörn Stein