- 1. Januar 2016
Plastik in der Frankfurter Sammlung
Von den rund 11.000 Werken des Hauses entfallen etwa 400 auf die Bildhauerei, verteilt über fast ein Jahrhundert. Den Kern bilden figürliche Arbeiten aus der DDR-Zeit; aus dieser Epoche sind laut Katalog alle maßgeblichen Bildhauer vertreten, oft mit Hauptwerken oder Denkmalentwürfen. Arbeiten vor 1945 und nach 1990 liegen in Auswahl vor, abstrakte und konstruktive Plastik nur in kleiner Zahl.
Die vorangegangene große Skulpturenschau, „SPAGAT“ von 2003, hatte sich auf die DDR beschränkt. Diesmal kamen die Jahrzehnte vor 1949 und nach 1990 hinzu, und neben den Plastiken hingen Blätter, die teils als Bildhauerzeichnungen, meist aber als eigenständige Werke entstanden waren.
Staatsauftrag und Eigenauftrag
Der Begleittext zeichnete die Lage der Figur nach 1945 nach. Im Westen setzten sich ab etwa 1950 konstruktive, informelle und abstrahierende Tendenzen durch, das Gegenständliche geriet in die Defensive. In der DDR galt Abstraktes als verdächtig; mit der Formalismusdebatte und dem Sozialistischen Realismus wurden heroische Leitbilder nach sowjetischem Muster verlangt. Viele in den Zwanziger- und Dreißigerjahren ausgebildete Bildhauer hielten dagegen an der klassisch geprägten Figur fest.
Staatliche Repräsentationsplastik klammerte die Auswahl bewusst aus. Neben Denkmalentwürfen standen freie Arbeiten und Stücke für den Kunsthandel, gefertigt aus Sandstein, Marmor, Bronze, Eisen und Holz ebenso wie aus Schrott und Fundstücken, in Formaten von der Kleinplastik bis über Lebensgröße.
Wandlungen der Figur
In den Mahnmalentwürfen für die Opfer des Nationalsozialismus von Fritz Cremer und Will Lammert sah der Katalog den Zwiespalt zwischen eigenem Anspruch und staatlicher Erwartung, in beiden Fällen einfühlsam gelöst. Heinrich Drake und Karin Kreuzberg feierten in freien Arbeiten die Schönheit des Körpers, René Graetz und Max Lachnit orientierten sich an Henry Moore und Picasso. Später geriet die Figur unter Druck, bei Wieland Förster und Rolf Biebl etwa, wurde zum Torso bei Wieland Schmiedel, Regina Fleck und Peter Makolies oder bei Baldur Schönfelder zum surrealen Objekt.
Gegen Ende des Jahrhunderts ließ Uwe Kowski Körper zerfallen, Dieter Tucholke und Paetrick Schmidt fügten Figuren aus armen Materialien, während Stephan Balkenhol, Florian Merkel und Cora Volz den Menschen nüchtern in heutiger Kleidung zeigten. Für die Zeit vor 1945 standen Ernst Barlachs Gewandfiguren, Lucie Prussogs knappe, sozial engagierte Plastik, Reinhold Langners bemalte Gruppe aus Mutter und Kind, Cremers „Kopf eines sterbenden Soldaten – Selbstporträt“ und Holzbildwerke, die Eugen Hoffmann und Theo Balden im englischen Exil schufen.
Abgebildet waren Cremers Bronze „Freiheitskämpfer“ von 1947, Försters Zementguss „Kleiner trauernder Mann“ (1973/74), Horst Bachmanns „Die Ikone des Tyrannen“ (1973) und Via Lewandowskys versiegelte, bewässerte Arbeit „Hoffnung ist des Lebens Stab“ mit der Datierung 1989/1997. Zur Ausstellung erschien ein Katalog.
Gezeigte Künstler
- Walter Arnold (1909 bis 1979)
- Horst Bachmann (geb. 1927)
- Theo Balden (1904 bis 1995)
- Stephan Balkenhol (geb. 1957)
- Ernst Barlach (1870 bis 1938)
- Rolf Biebl (geb. 1951)
- Reinhard Buch (geb. 1954)
- Fritz Cremer (1906 bis 1993)
- Heinrich Drake (1903 bis 1994)
- Horst Engelhardt (1951 bis 2015)
- Anatol Erdmann (geb. 1952)
- Wilfried Fitzenreiter (1932 bis 2008)
- Regina Fleck (geb. 1937)
- Wieland Förster (geb. 1930)
- Lutz Friedel (geb. 1948)
- René Graetz (1908 bis 1974)
- Kerstin Grimm (geb. 1956)
- Sabina Grzimek (geb. 1942)
- Eugen Hoffmann (1892 bis 1955)
- Uwe Kowski (geb. 1963)
- Karin Kreuzberg (geb. 1935)
- Max Lachnit (1900 bis 1972)
- Will Lammert (1892 bis 1957)
- Reinhold Langner (1905 bis 1957)
- Via Lewandowsky (geb. 1963)
- Gerhard Lichtenfeld (1921 bis 1978)
- Peter Makolies (geb. 1936)
- Florian Merkel (geb. 1961)
- Robert Metzkes (geb. 1954)
- Lucie Prussog (1900 bis 1990)
- Karin Sakrowski (geb. 1942)
- Hans Scheib (geb. 1949)
- Baldur Schönfelder (geb. 1934)
- Wieland Schmiedel (geb. 1942)
- Paetrick Schmidt (geb. 1980)
- Anna Franziska Schwarzbach (geb. 1949)
- Frank Seidel (geb. 1959)
- Werner Stötzer (1931 bis 2010)
- Dieter Tucholke (1934 bis 2001)
- Cora Volz (geb. 1966)
- Falko Warmt (geb. 1938)