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  • 23. März bis 4. Mai 2003

SPAGAT: Figurative Bildhauerei der DDR aus eigenem Bestand, 2003

Vom 23. März bis zum 4. Mai 2003 holte das Frankfurter Museum einen Teil seiner Bildhauerei aus dem Depot. Etwa 350 Plastiken, Skulpturen und Objekte besaß das Haus zu dieser Zeit, genug für einen repräsentativen Querschnitt durch die Bildhauergeschichte der DDR. Für die Spätrenaissancehalle des Rathauses wählte Armin Hauer rund 55 Arbeiten von 36 Bildhauern aus, bekannte Stücke ebenso wie lange nicht gezeigte oder frisch erworbene.

  • 23. März 2003

Zwischen Eros und Thanatos

Den Titel deutete der Begleittext als Bild für zwei gegensätzliche Erfahrungsfelder: Tod, Leid und Trauer auf der einen, Eros, Schönheit und Glück auf der anderen Seite. Beide sah Hauer tief in der deutschen Bildhauertradition verankert. Häufig diene die weibliche Figur als Metapher zwischen diesen Polen; die Künstler lösten ihre Motive aus religiösen und gesellschaftlichen Bezügen und verzichteten auf Attribute. Eine Gegenüberstellung von politischem Agitationskitsch und differenzierter Figuration war ausdrücklich nicht das Ziel.

Neu im Bestand waren damals unter anderem die „Charakterköpfe“ Dieter Tucholkes (1934–2001) und René Graetz’ Bronze „Small Upright Figure B“ von 1973. Gänzlich unbekannt war bis dahin Erich Wilken aus Bad Doberan, von dem Holzskulpturen in die Sammlung kamen; er lebte von 1904 bis 2001.

Lehrer und Schüler

Viele Jüngere lernten in den fünfziger und sechziger Jahren bei Bildhauern, die ihre Ausbildung noch vor dem Krieg abgeschlossen hatten. Zu diesen Lehrern gehörten Gustav Seitz, Heinrich Drake und Fritz Cremer. Über sie lebte die zurückhaltende, klassische Figurenauffassung von Wilhelm Gerstel und Ludwig Kasper in der DDR fort. Drake war mit seinem „Mädchen“ von 1956 vertreten, Cremer mit zwei Bronzen: dem kompakten Entwurf „O Deutschland, bleiche Mutter“ (1961) für ein Denkmal im früheren KZ Mauthausen und einer dramatisch bewegten Kreuzigungsfigur aus den Jahren 1980 bis 1982.

Gegen den vorherrschenden Stil des sozialistischen Realismus stellten sich seit den späten Fünfzigern Werner Stötzer (geb. 1931) und Wieland Förster (geb. 1930). Stötzer blieb beim Stein und seinem unvollendeten Charakter, zu sehen an der „Kleinen Auschwitzgruppe“ (1973/74) aus Porphyr. Förster konzentrierte sich auf die Plastik, so im „Trauernden Mann“ (1973/74) und im Bildnis „Pablo Neruda“ (1974/75).

Maler, Quereinsteiger, Autodidakten

Anregungen aus Dada, Expressionismus, Pop Art oder außereuropäischen Kulturen brachten vor allem Maler in die Plastik. Frieder Heinze (geb. 1950) zeigte seinen mit Piktogrammen bedeckten „Mann“ von 1982 aus Gouache und Pappmaché, der beinahe zum Erkennungszeichen des Hauses geworden war. Von Karin Sakrowski (geb. 1942) kam ein zart bemaltes Porträt, von Tucholke ein mannshohes Objekt der Jahre 1979/80 mit dem Titel „..zur preußischen Geschichte“. Dazu traten der gelernte Steinmetz Peter Makolies (geb. 1936), vertreten mit der Marmorfigur „Judith mit erhobener Hand“ (1985), und der Lausitzer Autodidakt Horst Bachmann (geb. 1927).

Großformatig wirkten Hans Scheuereckers Latexarbeit „Der letzte Tanz“ (um 1988) und Frank Seidels „Kreuzigung, Frankfurter Gruppe“ von 1989 aus Gips, Holz und Eisen. Werke dieser Außenseiter fanden in den Museen der DDR kaum Platz; das Frankfurter Haus erwarb noch Ende der achtziger Jahre wesentliche Stücke von ihnen.