- 24. November 2013
Motive
Weises Bildwelt kreist um Jungen und junge Männer kurz vor dem Erwachsenwerden. Häufig zeigt er sie nur als Torso oder in Ausschnitten von Brust, Hüfte und Knie, oft mit androgynen Zügen. Daneben stehen Landschaften, in denen ein weiter Himmel von Strommasten durchschnitten wird, und Bilder vergänglicher Teerblumen. Viele großformatige Arbeiten entstanden über lange Zeiträume: „Potchutla“, „Sommerregen“ und „Tau II“, jeweils 210 × 140 cm, sind auf 2002 bis 2012 oder 2013 datiert.
Die Lesart der Kuratorin
Rieger-Jähner betonte in ihrem Text die persönliche Wirkung dieser Werke, die ihr unter der Fülle zeitgenössischer Kunst selten begegnet sei. Technisch makellos wie vieles in der Gegenwartskunst, unterschieden sie sich nach ihrer Einschätzung dadurch, dass sie seelische Zustände sichtbar machen: Freude, Schmerz, Trauer, Hilflosigkeit und die Unbeholfenheit der Pubertät. Die Dargestellten wirkten suchend, zwischen Selbstbehauptung und Nachdenklichkeit, ausgesetzt und zugleich voller Wunsch nach Geborgenheit.
Die Stimmung nannte sie beinahe postromantisch, ohne dass sie ins Rührselige kippe. Den lauten, schnellen Bilderstrom der Medien beantworte Weise mit Verlangsamung und Konzentration; Anmut und Zerbrechlichkeit der Figuren sollten die Betrachter dazu bringen, über die eigene Lage in der Welt nachzudenken.
Material und Technik
Mehrere der gezeigten Arbeiten enthalten Bitumen, kombiniert mit Acryl und Dispersion, auf Baumwolle oder Hartfaser. Ein Bild, dessen Titel einen Satz Leonardos über Erkenntnis und Empfindung zitiert (1997/2012, 178 × 137 cm), verbindet auf Hartfaser Bitumen und Dispersion mit Acryl und Bleistift. Ein titelloses Werk von 2002/2012 ist mit Bitumen und Acryl auf Baumwolle gemalt, „Schneesand“ (2012, 126 × 83 cm) mit Acryl, Dispersion, Pastell und Kohle.