- 13. April 2008
Ein Werk über mehr als vier Jahrzehnte
Schönfelder arbeitete zu diesem Zeitpunkt seit über vierzig Jahren. Neben Skulpturen entstanden Objekte, Zeichnungen und Installationen, oft als zusammenhängende Werkgruppen. Hauer las in diesem Schaffen ein durchgehendes Motiv: Der Mensch ist in den Arbeiten gegenwärtig, gerade weil er fehlt. Er zeigt sich in Spuren und Erinnerungen, in Apparaten, Zeichen und Torsi, die von surrealer Fantasie und leiser Ironie getragen sind.
Mit dieser Haltung stand der Bildhauer quer zu dem, was in der DDR als typisch für die Plastik galt, nämlich zeitlos antikisierende Figuren und eine puristische Behandlung des Materials. Schönfelder wählte Stoff und Form nach der Idee und nach der beabsichtigten Wirkung. Der Berliner Kunsthistoriker Fritz Jacobi prägte dafür den Begriff „Ideenplastik“. Alltägliche Fundstücke verbinden sich sparsam mit plastischen Formen, oder es werden mechanische Prinzipien scheinbar schlicht nachgebaut. Als mögliche Vorläufer nannte der Ausstellungstext Max Ernst, Hans Bellmer und Victor Brauner, allerdings nur als Orientierung.
Die Werkgruppe der Fallen
Für eine Retrospektive reichte der Festsaal nicht aus, und auch die lange Lehrtätigkeit des Künstlers an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee blieb ausgeklammert. Die Auswahl konzentrierte sich deshalb auf die Fallen, entstanden zwischen der Mitte der Neunzigerjahre und 2008. Diese Gruppe bezieht sich direkt oder mittelbar auf die Wendezeit, auf das Ende der DDR und das Zusammenwachsen beider Landesteile. Schon der Ausstellungstitel spielte auf die „blühenden Landschaften“ an, die der damalige Bundeskanzler versprochen hatte.
Herausragend war die „Große dreiteilige Klappfalle“ von 1999, gebaut aus Buchenholz und geöffnet 197 × 85 × 50 cm groß. Ihre beiden Gitterflügel standen offen, als wollten sie jemanden empfangen; der Kurator fühlte sich an die Eiserne Jungfrau erinnert, ein im 19. Jahrhundert erdachtes Folterinstrument. Ein anderes Objekt bestand aus einem Käfig mit gespannten Drähten, in dem und um den herum metallene Vogelwesen saßen. Weitere Fallen zwischen den gotischen Säulen wirkten wie Modelle für größere Ausführungen. Wer sie aus der Nähe betrachten wollte, konnte das tun, nur anfassen durfte man sie nicht.
Der Ausstellungstext fragte, für wen diese Vorrichtungen gedacht sein könnten, und spielte mögliche Opfertypen durch: Kriecher alter und neuer Prägung, aufrecht Gehende, Zugvögel, Menschen, die sich im Kreis drehen, oder solche, die um jeden Preis ein Haus auf Kredit besitzen wollen. Ob Sehnsucht, Habgier oder Fluchtinstinkt sie in die Falle führt, ließ Hauer offen. Bei aller Bedrohlichkeit sah er in Schönfelders Arbeiten stets auch einen hintergründigen Humor.
Ostkreuz auf Kunstrasen
Quer durch den Saal lag ein grüner Kunststoffrasen, der die Vorstellung eines Gartens weckte, dem die volle Blüte versagt bleibt. Darauf ruhte ein sorgfältig montiertes Kreuz mit dem Titel „Ostkreuz“. Ein nach vorn abgewinkeltes Brett am Kopfende ließ an eine liegende menschliche Gestalt denken. Mit dem Zeichen verbinden sich Marter und Tod ebenso wie die Hoffnung auf ewiges Leben.
Ergänzt wurde die Gruppe durch ältere und jüngere Einzelstücke: einen „Verhüllten Torso“ von 1979, eine Jugendstilvase mit „Trichterblumen“ von 2006 und ein beklemmend wirkendes Nähgerät mit dem Titel „Bekanntes Modell“ von 1993. Hauer deutete all diese Arbeiten als Erzählungen von Bevormundung, Manipulation und Verhinderung, die ohne Pathos auskommen. Die Ausstellung wurde am 14. April 2008 eröffnet.