- 21. Januar 2007
Ein Fenster mit 39 Szenen
Das Antichristfenster gehört mit dem Schöpfungsfenster und dem Christusfenster zu einer Gruppe von drei Fenstern, die 2007 wieder in St. Marien zu sehen sein sollten. Seine 39 Darstellungen der Antichristlegende gelten als einzigartig in der Kunstgeschichte. Die Kuratorin Brigitte Rieger-Jähner hielt es für das rätselhafteste der drei, stilistisch wie inhaltlich. Der gotische, in der Renaissance überwölbte Saal des Rathauses und die Nachbarschaft zur Kirche gaben der Präsentation einen passenden Rahmen.
Besucher konnten die Felder aus nächster Nähe betrachten, darunter „Antichrist als Wanderprediger“ (Feld s II 2a), „Antichrist predigt im Tempel“ (s II 2b) und „Weitergabe des Goldes“ (s II 3b). Die Legende schildert eine Gestalt, die mit wechselndem Aussehen und falschen Wundern die Gläubigen täuscht und beherrschen will.
Begleitende Themen
Kurze Texte erläuterten Theologie, Restaurierung, biblische und zeitgeschichtliche Hintergründe, die Farbsymbolik und die dargestellten Gewänder. Ein Abschnitt behandelte die Geschichte des Antijudaismus bis zur Entstehungszeit der Fenster. Fotos der hochgotischen Taufe in St. Gertraud, die zur selben Zeit entstand, ergänzten das Bild. Dokumentiert war auch das Feld „Feuerzauber“, das die Restauratorin Sandra Meinung bearbeitet hatte, dazu eine Abbildung aus der kolorierten Ausgabe von Hartmann Schedels Weltchronik von 1493. Im hochgotischen Festsaal ging es um „Das Böse“: Vorträge, Bibelstellen und kurze Texte von Philosophen und Schriftstellern luden dazu ein, über das Thema nachzudenken.
Der Katalog „Das spätgotische Antichristfenster“ umfasst 72 Seiten. Hauptsponsor war die Sparkasse Oder-Spree, beteiligt war außerdem der Förderverein der Frankfurter St. Marienkirche.