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  • Packhof
  • 30. Januar bis 20. März 2005

Tremezza von Brentano: „Medienblau“ im PackHof, 2005

Vom 30. Januar bis zum 20. März 2005 hingen im PackHof in Frankfurt (Oder) Gemälde der Kölner Malerin Tremezza von Brentano, Jahrgang 1942. Die Schau trug den Titel „Medienblau“ und den Untertitel „Bilder der Mediengesellschaft“. Zu sehen war ausschließlich Malerei in Öl: Frauenfiguren, Körperausschnitte und Gesichter, die an Anzeigen und Hochglanzfotos erinnern und doch erkennbar von Hand gemalt sind. Zur Ausstellung kam ein Katalog heraus.

  • 30. Januar 2005

Blau als Versprechen

Die Kuratorin Brigitte Rieger-Jähner begann ihre Rede zur Eröffnung mit einem damals allgegenwärtigen Werbespruch eines Versicherers, der den Blick in die eigene Zukunft mit der Farbe Blau verknüpfte. Der Spot lief im Fernsehen und klebte auf Bussen und Straßenbahnen. Auf dem Plakat blickte eine junge, makellos geschminkte Frau durch eine Brille mit blau getönten Gläsern. Von diesem Bild aus spannte die Rednerin einen weiten Bogen: zur Blauen Blume der Romantiker, zu Umfragen, nach denen mehr als 40 Prozent der Menschen in Europa und Amerika Blau als Lieblingsfarbe nennen, und zu den Branchen, die diese Vorliebe gezielt nutzen – Reiseanbieter, Hersteller von Zahnpasta und Hautcreme, aber auch Banken und Politiker, die sich gern in blauer Kleidung zeigen.

Brentano, so die Kuratorin, habe die Mechanik von Werbung und Massenmedien gründlich untersucht und setze die Ergebnisse in ihren Bildern ein. Dass sie dafür ausgerechnet die Malerei wählte, ein Medium, dem man bei jeder neuen Bildtechnik ein baldiges Ende vorhergesagt hatte, wurde in der Rede als Beleg für dessen anhaltende Kraft gedeutet.

Schönheit als Glaubenssystem

Im Mittelpunkt der Werkgruppe steht nach dieser Lesart weniger die Farbe selbst als der Kult um den makellosen Körper. Rieger-Jähner beschrieb ihn als eine Art Ersatzreligion, die heute ähnlich viel Macht besitze wie früher die Kirchen. Als Beispiele nannte sie Faltencreme, Wellnessurlaub, Schlankheitstee, Haartönung und Push-up-BH bis hin zur Schönheitschirurgie. Ein Titel des „Spiegel“ vom August 1992 diente ihr als Zeitdokument für diesen Trend.

Formal greift die Malerin auf Mittel der Werbefotografie zurück. Sie schneidet Figuren an, isoliert Körperpartien und Gesichter und hält Gesten wie in einer Momentaufnahme fest. Die Figuren wirken dadurch genormt, beinahe wie Klone, und das Geschehen erscheint noch künstlicher als auf einem Magazinfoto. Eine Bewertung liefert die Künstlerin dabei nicht; sie zeigt, was sie sieht. Die Rednerin zog hierzu einen Gedanken Oscar Wildes über das Sichtbare als eigentliches Geheimnis der Welt heran.

Die Handschrift im Bild

Dass die Gemälde dennoch Zweifel an den Schönheitsversprechen wecken, führte die Kuratorin auf die Machart zurück. Anders als im retuschierten Werbebild bleibt in Brentanos Oberflächen der Pinselstrich sichtbar. Gerade diese Spur der Hand mache die Brüchigkeit der beschworenen Ideale anschaulich: Die Behauptung, nur wer jung, fit und schön sei, werde geliebt und sei erfolgreich, wird so durch die gemalte Wirklichkeit unterlaufen.

Zu den gezeigten Arbeiten gehörten „Rosa Kleidung mit drei Rehen“ von 2001, ein großes Ölbild im Format 160 × 180 cm, und „Mit fliegenden Hunden“ aus demselben Jahr, 100 × 120 cm. Aus dem Jahr 2003 stammten drei Bilder der Reihe „Fragment“: „Liegende“, „Bauchfrei“ und „Rauchende“, ebenfalls in Öl.

Die Schau gehörte zum Jahresprogramm 2005 und war eine der Ausstellungen im PackHof, dem 2003 eröffneten Ausstellungsort in der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße. Kuratiert wurde sie von Brigitte Rieger-Jähner.