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  • Packhof

„Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit“: vier Positionen aus Zielona Góra, 2014

Vom 14. August bis zum 12. Oktober 2014 stellten im PackHof in der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße vier Künstlerinnen und Künstler aus Zielona Góra und dem nahen Sucha aus. Die Schau hieß „Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit“, auf Polnisch „Prosimy o uwagę“, und zeigte Installationen, Malerei und Zeichnungen. Partner war die Galeria BWA in Zielona Góra; kuratiert wurde sie von deren Direktor Wojciech Kozłowski und von Armin Hauer.

  • 14. August 2014

Vier Wege ohne Gruppenstil

Radosław Czarkowski (Jahrgang 1966), Agnieszka Graczew-Czarkowska (1970), Paulina Komorowska-Birger (1965) und Alicja Lewicka (1967) kennen sich aus Beruf und Privatleben. Alle vier gehören zur Kunstszene von Zielona Góra und unterrichten am Institut für Bildende Künste der dortigen Universität. Ihre Lehrtätigkeit war jedoch nicht Thema. Die Ausstellung führte vier eigensinnige Haltungen zur Wirklichkeit und zu deren Bildern vor, die bewusst nebeneinander standen, ohne einen gemeinsamen Stil zu bilden.

Den Titel verstanden die Kuratoren wörtlich: Wer sich die Zeit nahm, die zahlreichen Objekte, Bilder und Dinge genau anzusehen, wurde mit vielen Entdeckungen belohnt. Weil die installativen Beiträge erst vor Ort ihre endgültige Gestalt fanden, hatte das Jahresprogramm 2014 zunächst nur allgemein über die Beteiligten informiert.

Reh, Zikade und der Zyklus „Y“

Alicja Lewicka verwandelte einen Raum in ein begehbares Bild mit dem Titel „Es wird ein ruhiger Tag“. Ein weißes Reh blickte in einen runden Spiegel, daneben standen ein kugeliges Gebilde aus Strauchwerk und Menschengestalt sowie ein Tondo mit Fotografien von Nachtfaltern. Aus einem silbern glänzenden Gehäuse mit Blick auf eine Blumenbank zirpte eine unsichtbare Zikade. Die Künstlerin beschrieb die Szene als Idylle, die bei genauerem Hinsehen verformt ist: Tiere und Pflanzen erscheinen unwirklich, farblos oder grell beleuchtet und stehen für eine unbestimmte Unruhe.

Radosław Czarkowski bewegt sich zwischen Installation, Objekt und Malerei und wechselt dort häufig zwischen gestischem Ausdruck und strenger Reduktion. Schon 2009 war er in einer Gruppenausstellung des Hauses mit einem Herzpräparat vor einem blutroten Tuch vertreten, das Abdrücke dieses Organs trug. 2014 zeigte er Bilder aus seinem Zyklus „Y“, schwarze Streifen auf weißem Grund, ergänzt durch eine Bodeninstallation. Nach seiner eigenen Erläuterung kann der Buchstabe als Schriftzeichen, abstraktes Zeichen, Teil einer Gleichung oder Anfang des Wortes Yeti gelesen werden; Titel wie „Yo“ und „Yi“ sollen nichts außer dem Bild selbst bezeichnen.

Erdproben und gläserne Fäden

Agnieszka Graczew-Czarkowska breitete in anderthalb Räumen knapp 400 Kapseln mit Sand, Erde und Gestein aus. Jede Dose war mit Land, Stadt, Datum, Uhrzeit, Fundort und dem Namen der sammelnden Person beschriftet. Das Projekt „Das gelobte Land“ begann am 28. Februar 2013 mit einer Handvoll Erde aus Wrocław-Krzyki. Danach bat die Künstlerin zunächst zwei Bekannte, später jeden, den sie ansprach, eine Dose an einem selbst gewählten Ort zu füllen. Der Austausch mit diesen Menschen war ihr ebenso wichtig wie das Ergebnis. Das Vorhaben war auf Frankfurt zugeschnitten und sollte mit dem letzten Ausstellungstag am 12. Oktober 2014 abgeschlossen sein.

Paulina Komorowska-Birger hatte 2003 am Frankfurter Projekt „Happy Land“ teilgenommen und gehörte 2009 ebenfalls zur genannten Gruppenausstellung. Im PackHof hängte sie rund 100 Fotografien im Format 25 x 35 cm, die ihre Installationen und Ausstellungen seit 1988 dokumentieren, als kleine Rückschau. In der Raummitte standen einige der abgebildeten Objekte im Original: eine auf Büchern stehende Venus, eine Gitarre, ein mit Fundstücken bestückter Kalender und eine Nähmaschine mit Fäden aus Glas. Das Glas, eines ihrer wichtigsten Materialien, gleicht durchsichtigem Draht und bildet Käfige, Stacheln und Gitter. Die Übersetzung der Texte besorgte Ryszard Górecki.