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- 3. September 2026
- Aktualisiert 3. September 2026
Das Format
Die Regel war einfach und folgte einer Landkarte: fünf Künstler, nicht älter als vierzig, die in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern leben und arbeiten. Auf Vorschlag der Direktorin Brigitte Rieger-Jähner sagte die Ostdeutsche Sparkassenstiftung zu, im Zweijahresrhythmus zweierlei zu tragen: die Schau in der Rathaushalle samt angrenzendem Festsaal und den Ankauf je einer Arbeit pro Künstler, die das Haus anschließend als Dauerleihgabe behält. Das Vorwort zur Ausstellung nennt das einen Glücksfall für das Haus, und die Chronik des Museums verzeichnet den Katalog von 70 Seiten, Dresden 2013, mit Texten von Armin Hauer und Brigitte Rieger-Jähner.
Die Auswahl traf der Kurator Armin Hauer, dem das Vorwort ein Gespür für junge hochbegabte Künstler bescheinigt und dafür auf die Reihe „Junge Künstler aus den neuen Bundesländern“ der Jahre 1993 bis 1996 verweist, aus der spätere documenta-Teilnehmer hervorgingen. Der Begriff der Eigenwilligkeit, so die Direktorin, sei in der Postmoderne an sich schon ein Anachronismus: Wo alles möglich ist, scheint die Flut der Stilformen seit den siebziger Jahren ausgeschöpft. Gerade deshalb brauche es Eigensinn und Selbstvertrauen, wenn jemand eine gefühlte Berufung in eine Arbeit verwandeln wolle, von der sich leben lässt.
Die fünf
Lars Kohl, geboren 1983, zeigte „Das Boot“ von 2010, Mischtechnik auf 200 mal 200 Zentimetern. Enrico Niemann, Jahrgang 1978, brachte die „White Box“ von 2009 aus Kunstharzlack auf EVA-Folien, MDF und rückseitigem Acrylglas, 180 mal 145 mal 45 Zentimeter. Sebastian Reddehase, ebenfalls 1978 geboren, stellte „amplify myself“ von 2007 aus, die ein Zitat Roman Polanskis sichtbar macht, gesprochen im fahrenden Formel-3-Wagen, Mixed Media, 53 mal 35 mal 93 Zentimeter. Stefan Lenke, Jahrgang 1976, hing „straight on“ von 2012 in Acryl und Lack, und Paetrick Schmidt, 1980 geboren, baute „Hochwasser“ von 2012, eine Leichtstoffbastelarbeit mit Acrylfarbe von 15 mal 20 mal 30 Zentimetern. Malerei, Objekte und Installation standen in der Spätrenaissancehalle nebeneinander, und die Fotos der Werke stammen von den Künstlern selbst.
Grußwort, Vortrag, Studierende
Zur Eröffnung sprach Claus Friedrich Holtmann, Vorsitzender des Vorstandes der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, ein Grußwort, auf das die Chronik des Museums später zurückgriff. Sinngemäß hieß es darin, Frankfurt (Oder) habe allen Grund, auf ein Haus stolz zu sein, das sich mit der Kunst von heute befasst, statt bloß an Vergangenes zu erinnern. Den Eröffnungsvortrag hielt Susanne Dräger, die an der Frankfurter Viadrina Kulturwissenschaften studierte. Sie gehörte zu den zehn Studierenden, die im Rahmen der Ausstellung mit den fünf Künstlern Interviews führten, über das, was sie als Zwanzigjährige am Leben und am Werk des Einzelnen interessierte. Das Vorwort nennt das eine Chance für das Haus, die Besucher, die Künstler und vor allem für die Studierenden: Kaum irgendwo sonst, so das Argument, komme man der Arbeitsweise von Malern, Bildhauern, Grafikern und Objektkünstlern so nah.
Partner der Ausstellung waren die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Oder-Spree; Geld und Unterstützung kamen außerdem vom Förderverein des Museums, vom brandenburgischen Wissenschafts- und Kulturministerium und von der Stadt Frankfurt (Oder). Eine Fotoseite dokumentiert eine Veranstaltung am 7. Februar 2013 im Packhof. Von den fünf Künstlern blieben mehrere im Haus präsent: Stefan Lenke, Sebastian Reddehase und Paetrick Schmidt stehen 2016 in der Künstlerliste von „HERZ HAUS MESSER KREUZ“, der Ausstellung aus der Sammlung, und im Jahresprogramm 2017 unter den Künstlern, deren Werke den Bestand bilden. Das Werk als Dauerleihgabe, das das Format versprach, hatte seinen Weg in die Rathaushalle gefunden.