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Männerbilder 1945 bis 2005: der Mann als Motiv in der Frankfurter Sammlung

Das Heldenklischee des sozialistischen Arbeiters, stets lächelnd, mit Fahne und Vorschlaghammer, kam in dieser Auswahl nicht vor. Die Ausstellung „Männerbilder 1945–2005“, vom 2. April bis 1. Oktober 2006 in der Rathaushalle, versammelte rund 120 Werke aus einem Bestand von etwa 10.000 Arbeiten und fragte, wie Künstlerinnen und Künstler zwischen Sowjetischer Besatzungszone, DDR und Bundesrepublik den Mann gesehen haben.

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  • 23. Juli 2026
  • Aktualisiert 23. Juli 2026

Ein motivbezogenes Konzept, zum zweiten Mal

Nach der Überblicksschau „Arbeiten auf Papier“ kehrte das Museum 2006 zu einer ikonografisch ausgerichteten Ausstellung zurück. Schon 2002 hatte sich mit den „Frauenbildern in der DDR“ gezeigt, wie ergiebig ein motivbezogenes Konzept für diese Sammlung ist: Seit 1990 gab es aus Platzgründen keine Dauerausstellung mehr, und die jährlich wechselnden Expositionen aus dem Bestand ließen Bekanntes in neuem Licht erscheinen und ungewohnte Bildnachbarschaften zu. Kuratoren waren Brigitte Rieger-Jähner und Armin Hauer, der den Text zur Ausstellung schrieb.

Ausgewählt wurde nach künstlerischer Qualität, und die Kuratoren beschränkten sich auf die klassischen Gattungen – Bildhauerei, Malerei auf der Tafel, Druckgrafik und Zeichnung. Die 40 Beteiligten, darunter vier Frauen, waren überwiegend mit Werken vertreten, die ohne Auftrag entstanden waren. Was das zwanzigste Jahrhundert an Stilen hervorgebracht hat, vom Spätimpressionismus und Naturalismus über Expressionismus und Neue Sachlichkeit bis zu Pop Art, Historismus, den verschiedenen Realismen und postmodernen Verfahren, tauchte hier in sehr persönlichen Handschriften auf. In der zweischiffigen Halle aus der Spätrenaissance entstand so eine Auseinandersetzung mit dem Mythos Mann.

Von Querner bis Bisky

Die Künstlerliste liest sich wie ein Querschnitt durch die Sammlung: Wilhelm Rudolph, Curt Querner, Fritz Cremer, Erich Gerlach, Arno Mohr, Willi Sitte, Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig, Werner Tübke, Wieland Förster, Hans Vent, Jürgen Schieferdecker, Erika Stürmer-Alex, A. R. Penck, Volker Stelzmann, Hartwig Ebersbach, Hans Ticha, Harald Döring, Michael Morgner, Ulrich Hachulla, Wolfgang Peuker, Lutz Friedel, Hans Scheib, Frieder Heinze, Frank Maasdorf, Walter Libuda, Rolf Biebl, Wolfgang Smy, Cornelia Schleime, Norbert Wagenbrett, Gerd Sonntag, Richard Mansfeld, Klaus Killisch, Neo Rauch, Mariola Brillowska, Harald Reiner Gratz, Via Lewandowsky, Moritz Götze, Maren Roloff und Norbert Bisky. Die Geburtsjahre reichen von 1889 bis 1970.

Auf der Ausstellungsseite stehen die Werke, an denen sich die Spanne ablesen lässt. Curt Querners „Selbstbildnis“ von 1949, Öl auf Leinwand, zeigt den Maler der Neuen Sachlichkeit in der ersten Nachkriegszeit; Klaus Killischs „Der Raucher“ von 1987 und Wolfgang Smys siebenteilige „Protest Tafel“ von 1988 stehen für die letzten Jahre der DDR. Frieder Heinzes „Mann“ von 1982 aus Gouache und Pappmaché, 1990 erworben, war schon 2003 in „Spagat“ zu sehen gewesen, ebenso Wieland Försters „Kleiner trauernder Mann“ von 1973/75 aus Zementguss. Hans Tichas „Klatscher II“ von 1979/92, 1996 erworben, führt die Pop Art in die Reihe ein.

Die jüngsten Positionen

Am anderen Ende hingen die Arbeiten, die nach 1990 in die Sammlung gekommen waren. Neo Rauchs „Sog“ von 1993, Öl auf Papier, fast drei Meter im Quadrat, wurde 1995 erworben, im Jahr, in dem der Maler im Kabinett unter den „Jungen Künstlern aus Sachsen“ ausgestellt hatte. Hans Scheibs „Paar“ von 1986 aus Holz und Acryl, über zwei Meter hoch, kam 1991 ins Haus. Via Lewandowskys „Hoffnung ist des Lebens Stab“, in der zweiten Fassung von 1989/97 eine versiegelte und bewässerte Leinwand mit Berka, ergänzt um Stahltank und Wasserpumpe auf einer Staffelei, war eine Dauerleihgabe der Sparkassenstiftung und eines der wenigen Werke der Ausstellung, das die Grenze des Tafelbildes überschritt. Norbert Bisky, mit Jahrgang 1970 der jüngste, hatte 2002 die erste Personalausstellung eines so jungen Künstlers in der Rathaushalle gehabt.

Getragen wurde das Konzept von einer Frage, die der Ausstellungstext aufwarf: ob Männlichkeit eine feste Natur besitzt oder von der Kultur geformt wird – ursprüngliche Männlichkeit auf der einen Seite, Normierung durch die Gesellschaft und gebrochener Wille auf der anderen. Eine Parteinahme war damit nicht verbunden. Die 120 Werke gingen über eine bloße Bebilderung der Rollen hinaus, die der Text nennt: der Mann als Krieger, Aktionist, Denker, Familienvater, Beschützer, Schöpfer, Erlöser, Leidender, Macho, Softie. Die Bildimpressionen von der Eröffnung am 2. April 2006 hat das Museum auf einer eigenen Seite festgehalten; im September desselben Jahres war die Ausstellung eine der Stationen der Kurzen Nacht der Frankfurter Museen.

Fragen zur Ausstellung Männerbilder

Wann lief „Männerbilder 1945–2005“?

Vom 2. April bis 1. Oktober 2006 in der Rathaushalle des Museums Junge Kunst. Kuratoren waren Brigitte Rieger-Jähner und Armin Hauer, der auch den Ausstellungstext schrieb.

Wie viele Werke waren zu sehen?

Rund 120 Werke von 40 Künstlerinnen und Künstlern, 36 Männern und vier Frauen, ausgewählt aus einem Bestand von etwa 10.000 Arbeiten; Tafelbild, Grafik und Bildhauerei.

Welche Werke sind auf der Ausstellungsseite abgebildet?

Curt Querners „Selbstbildnis“ von 1949, Klaus Killischs „Der Raucher“ von 1987, Wolfgang Smys „Protest Tafel I–VII“ von 1988, Frieder Heinzes „Mann“ von 1982, Hans Tichas „Klatscher II“, Wieland Försters „Kleiner trauernder Mann“, Via Lewandowskys „Hoffnung ist des Lebens Stab“, Hans Scheibs „Paar“ und Neo Rauchs „Sog“.

Gab es eine Vorgängerausstellung?

Ja, „Frauenbilder in der DDR“ im Jahr 2002. Nach dieser Erfahrung mit einem motivbezogenen Konzept und nach der Überblicksschau „Arbeiten auf Papier“ kehrte das Museum 2006 zu einer ikonografisch ausgerichteten Auswahl aus der Sammlung zurück.