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    Uwe Pfeifer: die Farboffsetzinkografie „Straße II“ von 1979

    Passanten hasten diagonal durchs Bild, zwischen ihnen stehen Schaufensterpuppen, die sich kaum von ihnen unterscheiden. Uwe Pfeifer (geboren 1947) schuf „Straße II“ 1979 als Farboffsetzinkografie, Abzug 9/20. Das Blatt misst 50,1 × 59,9 cm, die Darstellung 33,9 × 47,3 cm; Name, Jahr, Auflage und Titel stehen rechts unten. Erworben wurde es 1980.

    • 23. Oktober 2005

    Halle als Lebens- und Bildort

    Pfeifer stammt aus Halle und blieb seiner Stadt treu; fast alles, was er für seine Bilder brauchte, fand er dort. Nach Halle-Neustadt kam er eher zufällig, weil es nur dort eine freie Wohnung für seine Familie gab. Da ihn stets das Naheliegende interessierte, wurde das Neubaugebiet zum Thema. Seit den Siebzigern entstanden neben Landschaften zahlreiche Gemälde und Grafiken der Plattenbausiedlung und ihrer Bewohner. Als Mahner wollte er mit diesen Bildern ausdrücklich nicht auftreten. Die genormte Architektur, so betont der Katalogtext, findet sich in ganz Deutschland.

    Der gleichförmigen Rasterarchitektur gewann Pfeifer poetische Momente ab: durch Tages- und Jahreszeiten, Licht und Schatten, Unter- und Aufsicht. Den kleinteiligen Fassaden stellt er oft einen weiten, farblich fein abgestuften Himmel gegenüber. Aus der Romantik übernahm er die Figur des Wartenden, der vor etwas zugleich Schönem und Bedrohlichem steht.

    Lehrer und Vorbilder

    An der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst lernte Pfeifer bei Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke das Handwerk. Mattheuers Kunstauffassung steht ihm nahe. Stärker bestärkt fühlte er sich jedoch durch Franz Radziwill, dessen Bilder er in Museen in Halle, Leipzig und Berlin sah; ihn faszinierte das Magische an ganz realen Orten. Noch größer war der Einfluss von Karl Völker, der sich ein halbes Jahrhundert früher in Halle mit ähnlichen Fragen beschäftigt hatte. Treppen, Tunnel und Industriebauten nannte Pfeifer als gemeinsame Bühnen, dazu den Menschen, der in einer genormten Umgebung seine Eigenart zu wahren sucht.

    Das Blatt „Straße II“

    Die Figuren wirken wie die Neubauten: ohne Gesicht, modisch genormt, keinem Ort zugehörig. Obwohl sie als Gruppe erscheinen, bleibt jede für sich, und ihre Gesten gleichen denen der Puppen. Die diagonale Anlage verstärkt die Hast und gibt der Szene etwas Surreales, Beunruhigendes. Rückblickend bemerkte Pfeifer, seine Bilder hätten formal dem geforderten sozialistischen Realismus entsprochen, den Funktionären aber wenig Freude bereitet; zehn Jahre früher hätte er sie wohl nicht ausstellen können. Weitere Lebensdaten nennt die Biografie Uwe Pfeifers.