- 23. Oktober 2005
Vom Malerbetrieb in die Kunstschulen
Völker erlernte das Malerhandwerk im Betrieb seines Vaters. Danach besuchte er die Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Halle, die ihn zugleich zum Architekten ausbildete, und studierte Wandmalerei an der Dresdner Kunstgewerbeakademie. Oktoberrevolution, Kriegsende und Novemberrevolution brachten viele deutsche Künstler dazu, sich linken Gruppen anzuschließen; in der Industriestadt Halle war dieses Engagement besonders ausgeprägt. Völker fand Anregungen im Tagesgeschehen, in Malerei und Grafik des Expressionismus und in der linksexpressionistischen Dichtung, etwa von Ernst Toller, Leonhard Frank und Johannes R. Becher.
Den Beinamen „der rote Völker“ verdankte er weniger seiner Haarfarbe als seiner Nähe zur KPD und zu utopisch-sozialistischen Ideen. Er malte und aquarellierte auch, griff aber vor allem zur Druckgrafik und besonders zum Holzschnitt, um soziale Missstände anzuprangern und die Stärke der Vielen gegenüber dem Einzelnen einem möglichst großen Publikum vor Augen zu führen. Brigitte Rieger-Jähner betont, dass viele dieser Blätter weit über ihren Anlass hinaus ästhetisch bestehen.
Grafik für die kommunistische Presse
1921 erhielt Völker den Auftrag für einen Wandbildzyklus im Haus der Zeitung „Klassenkampf“, in dem Redaktion und Druckerei saßen. Daraus ergab sich die Mitarbeit an der kommunistischen Presse in Halle: Ab 1923 lieferte er Grafiken für diese Blätter und für Zeitschriften wie „Das Wort“. Unabhängig von den Veröffentlichungen stellte er sie in einer Mappe als Zyklus „1924“ zusammen.
In die Mappe nahm er auch die „Demonstration“ in ihrer zweiten Fassung auf, ein Holzschnitt, der an Karl Schmidt-Rottluff denken lässt. Weiße Umrisse auf dunklem Grund, die Gesichter und Körper nur andeuten, ein strenger Aufbau und scharf geschnittene, auf geometrische Körper zurückgeführte Formen machen das Blatt plakativ. Im Mittelpunkt steht jedoch die geschlossene Masse, nicht der Einzelne: Wer genau hinschaut, erkennt Unterschiede zwischen den Köpfen und Brustbildern im gleichförmigen Strom der Arbeiter, und eine leicht geschwungene Diagonale trennt den dichten Grund von der Menge. Rieger-Jähner verweist dazu auf einen Wahlaufruf, den die KPD am 2. April 1924 veröffentlichte.