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    Paul Fuhrmann: „Aufbruch“, Aquarell und Gouache von 1922

    Das Blatt „Aufbruch“ malte Paul Fuhrmann (1893–1952) im Jahr 1922 in Aquarell und Gouache. Es misst 40,8 x 31 cm, trägt unten rechts das Monogramm „PF“ und wurde 1983 erworben. Armin Hauer stellte es in der Ausstellung „Arbeiten auf Papier“ 2005/06 vor; die Lebensdaten des Berliners fasst die Biografie zusammen.

    • 23. Oktober 2005

    Im Umfeld des „Sturm“

    Fuhrmann stand wie der Dichter Kurt Heynicke (1891–1985) in Verbindung mit Herwarth Walden (1878–1941) und dessen Sturm-Kreis. Heynicke publizierte in Waldens expressionistischer Zeitschrift „Der Sturm“ (1910–1932) und gehörte ab 1913/14, neben August Stramm (1874–1915), zu ihren wichtigsten Autoren. Fuhrmann beteiligte sich von 1922 bis 1925 an Gruppenausstellungen der gleichnamigen Galerie, mit Aquarellen, Ölbildern und Collagen, die er selbst Klebebilder nannte.

    Heynickes Gedicht „Aufbruch“ erschien 1919 in der Anthologie „Menschheitsdämmerung“ von Kurt Pinthus (1886–1975). Der gleiche Titel und die Stimmung von Auferstehung und kosmischer Gemeinschaft legen für Hauer eine Verbindung nahe. Offen bleibt, ob Fuhrmann das Gedicht kannte, denn solche Bildtitel waren damals verbreitet. Für viele Kriegsheimkehrer, die Künstler werden wollten, wurde die Sammlung zum Ausdruck der Hoffnung auf Frieden und soziale Gerechtigkeit. In den Künstlerkreisen jener Jahre wurde erbittert gestritten, ob Kunst dem Kampf der Arbeiterklasse dienen oder sich den zeitlosen Fragen des Menschseins widmen solle.

    Wendungen im Werk

    Fuhrmanns schmales Werk ist von stilistischen und inhaltlichen Brüchen geprägt. Bis etwa 1925 folgte er einem pathetisch-expressiven Ton und nahm Anregungen von Franz Marc (1880–1914), George Grosz (1893–1959) und Wassily Kandinsky (1866–1944) auf. 1925 trennte er sich von Waldens Kunstauffassung und schloss sich den „Abstrakten“ an; 1927 wurde er Mitglied der KPD, ab 1928 ist er in der ASSO nachweisbar. Hauer vermutet, dass Friedrich Wolfs (1888–1953) Essay „Kunst ist Waffe“ von 1928 ihn in diesem Kurswechsel bestärkte.

    Ab Mitte der Zwanzigerjahre wurde seine Bildsprache ruhiger, flächiger und direkter. Er klebte Zeitungsausschnitte ein, griff tagespolitische Themen auf und stellte seine Kunst in den Dienst der Agitation unter Arbeitern. Das Bild „Zeitgeist“ von 1927 zeigt bereits marschierende Massen mit erhobenem rechten Arm, steigende Börsenkurse und eine fallende Währung.

    Verbot und Wiederentdeckung

    Im bürgerlichen Kunstbetrieb fasste Fuhrmann nie Fuß. Das Mal- und Ausstellungsverbot von 1933 traf ihn existenziell, bis Kriegsende entstand fast nichts mehr. Nach 1945 widmete er einige Blätter dem Hunger der Nachkriegsjahre, fand aber im neuen Kunstbetrieb keinen Platz. Wiederentdeckt wurde sein Werk 1983 durch eine Ausstellung der Galerie am Sachsenplatz in Leipzig. Dort erwarb das Frankfurter Haus aus seiner expressiven Phase zwei Radierungen mit gespenstisch wirkenden Straßenszenen, einen Linolschnitt und vier Aquarelle.