- Beitrag
- 6. August 2026
- Aktualisiert 6. August 2026
Was die Sammlung an Ungegenständlichem besitzt
Seit der Gründung 1965 konzentrierte sich die Sammlung bis 1990 auf Werke, die in der Sowjetischen Besatzungszone und danach in der DDR entstanden waren; später ergänzten Arbeiten aus der Bundesrepublik und polnische Druckgrafik den Bestand. Ausgangspunkt der Schau war die Beobachtung, dass dieser Bestand auch Gegenstandsloses enthält – konstruktive und konkrete Arbeiten ebenso wie abstrahierende, minimalistische und informelle, so die Aufzählung im Text des Kurators Armin Hauer. Eine ständige Präsentation gab es seit 1991 nicht mehr; der Bestand wurde jährlich unter einem neuen Gesichtspunkt gezeigt, 2010 unter dem der Abstraktion.
Die Künstlerliste reicht über drei Generationen: Hermann Glöckner (1889–1987), Max Lachnit, Willy Wolff und Inge Thiess-Böttner aus der Zeit vor dem Krieg, Karl-Heinz Adler, Manfred Luther, Hermann Naumann, Wilhelm Müller, Gil Schlesinger, Strawalde, Helmut Senf, Dieter Tucholke und Horst Bartnig aus den Jahrgängen der zwanziger und dreißiger Jahre, Günther Hornig, Falko Warmt, Erika Stürmer-Alex, Ruth Wolf-Rehfeldt, Eberhard Göschel, Veit Hofmann, Jürgen Gustav Haase, Michael Voll, Olaf Wegewitz, Jörg Jantke, Matthias Jackisch bis zu Rainer Görß, Matthias Geitel, Maren Roloff, Jörg Herold, Kathrin Harder und Eva-Maria Wilde, Jahrgang 1972. Für die meisten von ihnen gab es auf der Ausstellungsseite eine eigene Seite mit Biografie und Werk.
Abstraktion im Kalten Krieg
Der Ausstellungstext stellt die Werke in ihren politischen Zusammenhang. Im Kalten Krieg nahmen beide Machtblöcke Kultur für ihre Zwecke in Dienst, die Abstraktion eingeschlossen. Westlich der Grenze wurde sie in den fünfziger Jahren zur „Weltsprache der Kunst“ und zum Sinnbild demokratischer Freiheit erklärt; wer etwas gelten wollte, malte gegenstandslos, und Figürliches stand im Verdacht, faschistisch oder kommunistisch belastet zu sein. Östlich davon setzte Moskau um 1950, im Zuge der Formalismusdebatte, den sozialistischen Realismus als verbindliche Linie durch. Auf beiden Seiten wurden die Künstler so zum Spielball politischer Tagesstreitigkeiten. Dennoch suchten auch Maler und Bildhauer in der DDR die Auseinandersetzung mit der Gegenstandslosigkeit, oft gegen Widerstände der Behörden.
Die Ausstellung reichte weit über die Zeit der DDR hinaus und zeigte bis in die Gegenwart, wie vielfältig das Arbeiten mit ungegenständlichen Formen geworden war. Die einstige Polemik des Entweder-Oder, die auch zwischen den Künstlern scharf geführt worden war, hatte nach Einschätzung des Kurators an motivierender wie an demotivierender Kraft verloren. Einige der 29 beschäftigten sich ausschließlich mit geometrischen Formen, andere hatten nur Werkphasen ohne Gegenstand, wieder andere wechselten stetig zwischen Gegenständlichem und Ungegenständlichem oder wählten die Sprache, die eine Idee am effizientesten repräsentiert. Gelungene Kunst, folgerte der Kurator, entzieht sich einer Einordnung nach bloß formalen Kategorien.
Die Werke auf der Ausstellungsseite
Die Abbildungen auf der Seite geben die Spannweite wieder. Strawaldes „Dschungelstück“ von 1991, Öl auf Leinwand, 170 mal 130 Zentimeter, wurde im Jahr seiner Entstehung erworben; Erika Stürmer-Alex’ „Brucherde“ von 1978 aus Latex, Erde, Holz und Glasfaserstoff kam 1990 in die Sammlung. Manfred Luthers dreiteiliges „cogito ergo sum“ von 1990/92 in Mischtechnik auf Papier wurde 1992 erworben, Gil Schlesingers Tusche auf Packpapier von 1981 im Jahr 2002. Zu den Objekten gehörten Maren Roloffs „Matthias“ aus Gummi und Metall, 3,60 Meter hoch, erworben 2003, Eva-Maria Wildes „Türme“ von 2002/2003, eine Schenkung der Künstlerin, und Jörg Herolds „Absolutes Medium“ von 1992 aus Gips, Plastik und Metall, drei mal drei Meter, erworben 1992. Günther Hornigs unbetitelte Acrylmalerei von 1992 stand mit drei polychromen Holzobjekten im Raum; Hermann Glöckners „Zwei ineinander verklammerte Scheiben“ von 1959/60, Holz und Tempera, zwanzig Zentimeter, 1994 erworben, waren das kleinste und älteste Werk der Ausstellung.
Am 18. April 2010 gab es eine kostenlose Führung, am 25. April, dem letzten Tag, eine Konzertlesung in der Ausstellung; ein Katalog erschien. Vom 22. August bis 10. Oktober 2010 folgte eine zweite Ausstellung mit Künstlern der Sammlung, von der das Archiv die Seiten zu Jürgen Gustav Haase und Jörg Jantke bewahrt.