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Landschaftsbilder der DDR: von Bernhard Kretzschmars „Blick auf Stalinstadt“ bis zu Strawalde und Max Uhlig

Felder und Wege im Vordergrund, am Horizont die neue Stadt und die rauchenden Schlote des Kombinats unter einem weiten Himmel: Bernhard Kretzschmars „Blick auf Stalinstadt“ von 1955 ist ein Bild der sozialistischen Ideallandschaft, und es hing 2004 am Anfang einer Ausstellung, die das Museum Junge Kunst seiner eigenen Sammlung widmete. „Landschaftsbilder der DDR“ zeigte vom 22. Februar bis 26. September 2004 in der Rathaushalle 83 Arbeiten von 42 Künstlern, ausgewählt aus mehr als 600 Gemälden und rund 9.000 Arbeiten auf Papier.

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  • 9. Juli 2026
  • Aktualisiert 9. Juli 2026

Die dritte Themenausstellung aus der Sammlung

Seit 1991 zeigte das Museum keine Dauerausstellung mehr. Jedes Jahr wurde die Sammlung unter einem anderen Gesichtspunkt neu befragt, und nach den „Frauenbildern in der DDR“ von 2002 und der figurativen Bildhauerei in „Spagat“ von 2003 kam 2004 die Landschaft an die Reihe. Die Malerei kuratierte die Direktorin Brigitte Rieger-Jähner, die Arbeiten auf Papier Armin Hauer, der auch den Text zur Ausstellung schrieb. Ausgewählt wurde nach künstlerischem Rang und nach der Breite der Handschriften, die in dieser Zusammenstellung noch nie zu sehen gewesen war; weder sollte die Schau die Kulturpolitik illustrieren noch frühere Staatsausstellungen rekonstruieren. In der Spätrenaissancehalle hingen die Werke in chronologischer Folge, von 1949 bis 1990.

Eine unpolitische Gattung, die politisch wurde

Landschaftsmalerei galt in der DDR als mehr oder weniger unpolitisch, als kleinbürgerlich, und wurde deshalb wenig reglementiert, aber beargwöhnt. Das traf vor allem die impressionistisch arbeitenden Maler: Otto Niemeyer-Holstein auf Usedom, die Dresdner Theodor Rosenhauer und Hans Jüchser, deren kleine Formate man Anfang der fünfziger Jahre als Rückzug aus einer Epoche empfand, die Einsatz und Aufbau forderte. Mit der Zeit verständigten sich Betrachter und Maler stillschweigend darauf, die zweckfreie Malerei als Widerspruch zum Offiziellen zu lesen. Die Landschaft wurde auf diesem Umweg wieder politisch.

Die Gegenposition steht am Beginn der Ausstellung. Kretzschmar (1889–1972) entwarf mit „Stalinstadt“ die farbige, lichte, optimistische Landschaft, die den Wandel der Gesellschaft symbolisieren sollte, und Ernst Schroeder (1928–1989) blieb mit seiner „Mecklenburgischen Dorflandschaft“ von 1954/55 dem grauen Alltag verhaftet und nahm die Auseinandersetzung mit Bernard Buffet auf. Karl Krug (1900–1983) aus Leipzig fand seine düsteren, befremdenden Motive in Norwegen und in den Dörfern um Leipzig. Die mittlere Generation brachte in den Sechzigern und Siebzigern einen kritischeren, oft warnenden Ton ein: verfallende Altstädte, heruntergewirtschaftete Vororte, gesichtslose Neubaugebiete und, bisweilen sehr direkt, die unberührte Natur gegen die verschmutzte gestellt. Willy Wolffs „Warnung“ von 1967 gehört in diese Reihe.

Von Mattheuer bis Uhlig

Die Auswahl machte die stilistische Breite sichtbar, die das Genre in vierzig Jahren angenommen hatte. Es gab eine Weiterführung des Spätimpressionismus und die individuellen Äußerungen im Umfeld des Expressionismus bei Andreas Dress und Walter Libuda, romantische und biedermeierliche Bildstrukturen bei Wolfgang Mattheuer, dessen „Fenster II“ von 1966 zu sehen war, den unterkühlten Blick der Neuen Sachlichkeit bei Doris Ziegler und die historisierende Formsprache der Leipziger um Werner Tübke, Heinz Zander und Angelika Tübke. Werner Tübke war mit einem frühen, für ihn untypischen Bild vertreten, „Hiroshima II“ von 1958. Nur wenige Maler beschäftigten sich mit der Pop Art, wie der Dix-Schüler Willy Wolff oder Jürgen Schieferdecker; auch die gestische Malweise blieb selten.

Am anderen Ende der Skala standen die Maler, die über das Abbild hinausgingen. Erika Stürmer-Alex mit der „Abendlichen Begegnung“ von 1978 und Strawalde, das ist Jürgen Böttcher, mit „Berlin – Küste“ von 1984 schrieben, so der Ausstellungstext, aus der Farbe heraus Zeichen und Spuren, an denen sich das Entstehen und Verschwinden in der Natur ablesen lässt. Max Uhligs „Landschaft (Wald am Katharinenberg)“ von 1988, fast zweieinhalb Meter breit, verband die Dresdner Malkultur mit dem gestischen Duktus eines Alberto Giacometti. Weil sich die Nachkriegsmoderne in Westeuropa von der Landschaftsmalerei weitgehend abgewandt hatte, war das Beharren auf ihr in der DDR eine kunsthistorische Eigenheit, und die Ausstellung nahm sie ernst. Der Text schließt mit dem Gedanken, dass Landschaftsbilder Flächen für Projektionen bleiben und eine geschärfte Wahrnehmung voraussetzen.

Die Künstlerliste der Ausstellung reicht von Kurt Dornis und Bernhard Heisig über Wolfgang Petrowsky, Curt Querner und Nuria Quevedo bis zu Dieter Zimmermann. Kretzschmars Stalinstadt, Öl auf Leinwand, 105 mal 160 Zentimeter, hängt auf der Ausstellungsseite an erster Stelle, neben Schroeders Dorflandschaft und Tübkes Hiroshima: drei Bilder aus den fünfziger Jahren, die zeigen, wie weit die Antworten auf dieselbe Aufgabe schon damals auseinanderlagen.

Fragen zur Ausstellung Landschaftsbilder der DDR

Wann und wo lief die Ausstellung „Landschaftsbilder der DDR“?

Vom 22. Februar bis 26. September 2004 in der Rathaushalle des Museums Junge Kunst am Marktplatz 1 in Frankfurt (Oder). Die Malerei kuratierte Brigitte Rieger-Jähner, die Arbeiten auf Papier Armin Hauer.

Wie viele Werke und Künstler waren zu sehen?

83 Arbeiten von 42 Künstlern, ausgewählt aus mehr als 600 Gemälden und rund 9.000 Arbeiten auf Papier der Sammlung, chronologisch gehängt über den Zeitraum von 1949 bis 1990.

Was zeigt Bernhard Kretzschmars „Blick auf Stalinstadt“?

Das Ölbild von 1955, 105 mal 160 Zentimeter, zeigt die neue Stadt an der Oder, die 1961 in Eisenhüttenstadt umbenannt wurde, als farbige, lichte Ideallandschaft mit den Schloten des Kombinats am Horizont. Der Ausstellungstext liest es als Entwurf der sozialistischen Ideallandschaft.

Warum galt Landschaftsmalerei in der DDR als heikel?

Sie galt als unpolitisch und kleinbürgerlich, wurde wenig reglementiert, aber beargwöhnt. Weil Publikum und Künstler die reine Malerei als Gegenwelt zum Offiziellen verstanden, wurde die Gattung auf diesem Umweg wieder politisch, so der Text von Armin Hauer.