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- 2. Juli 2026
- Aktualisiert 2. Juli 2026
Vier Länder, vier Jahre, ein Raum
Die Jahresprogramme des Museums verzeichnen die Reihe Station für Station. Vom 7. Oktober bis 5. Dezember 1993 zeigte das Kabinett „Junge Künstler aus dem Land Brandenburg“ mit Arbeiten auf Papier, darunter Mike Bruchner (geb. 1965), Jörg Schlinke (geb. 1964), Daniel Sambo-Richter (geb. 1966), Thomas Hermann (1963–1992) und Margitta Zachert. Ein Jahr darauf, vom 11. August bis 16. Oktober 1994, folgten die „Jungen Künstler aus Thüringen“: aus Erfurt Matthias Geitel (geb. 1962), Wolfgang Harth (geb. 1962), Thomas Nicolai (geb. 1964) und Sabine Sauermild (geb. 1961), aus Schmalkalden Harald Gratz (geb. 1962), aus Gotha Thomas Offhaus (geb. 1967) und aus Schweina Hartmut Best (1959–1993).
Die dritte Ausgabe, vom 10. August bis 29. Oktober 1995, galt Sachsen, wieder mit Arbeiten auf Papier. Aus Leipzig kamen Neo Rauch (geb. 1960), Olaf Nicolai (geb. 1962) und Kaeseberg, mit bürgerlichem Namen Thomas Fröbel (geb. 1964), aus Chemnitz Carsten Nicolai (geb. 1965) und Klaus Sobolewski (geb. 1962), aus Dresden Ute Richter (geb. 1964) und Hirschvogel (geb. 1966); bei Anna Degenkolb (geb. 1969) nennt das Programm Leipzig und Chemnitz. 1996 schloss Mecklenburg-Vorpommern die Reihe ab. Kurator aller vier Ausstellungen war Armin Hauer, der stellvertretende Direktor des Hauses.
Warum das Kabinett
Dass die Reihe im Kabinett und nicht in der Rathaushalle lief, hatte mit der Arbeitsteilung der beiden Häuser zu tun. Die Villa in der Heilbronner Straße 19, seit 1966 zugleich Verwaltung und Depot, trug seit der Gründung die Personalausstellungen mit Arbeiten auf Papier und die Reihe „Werkstatt Junge Kunst“; die Rathaushalle am Marktplatz war bis 1990 der Ort der Dauerausstellung und danach der großen Projekte aus der Sammlung. In den Jahren der Reihe lief dort die Sammlungsschau „Balance“, drei Teile mit Werken aus dem eigenen Bestand, unterbrochen 1994 von der Rekonstruktion der Halle. Das Kabinett blieb das Haus der jungen Positionen, bis die Stadt die Villa 2003 verkaufte und das Programm in den Packhof am Oderufer zog.
Für die Auswahl junger Künstler aus einem ganzen Bundesland war das Kabinett mit seinen Räumen im Erdgeschoss zugleich Grenze und Programm: Arbeiten auf Papier lassen sich dicht hängen, und die Beschränkung auf das Blatt machte die Handschriften vergleichbar. In derselben Zeit zeigte das Kabinett Einzelausstellungen von Hans-Hendrik Grimmling, Horst Bachmann, Richard Mansfeld, Wolfgang Smy und Gil Schlesinger sowie die polnischen Grafikausstellungen aus Krakau, Warschau und Poznań.
Was aus den Namen wurde
Zwanzig Jahre später, im Vorwort zur Ausstellung „eigenWilligkeit“ von 2013, kam die Direktorin Brigitte Rieger-Jähner auf die Reihe zurück. Dass sich unter den Ausgewählten der Jahre 1993 bis 1996 spätere documenta-Teilnehmer fanden, nannte sie als Beleg für das Gespür des Kurators: Jörg Herold, Carsten Nicolai. Neo Rauch, 1995 im Kabinett mit Arbeiten auf Papier vertreten, ist im selben Jahr auch in die Sammlung gekommen: Sein „Sog“ von 1993, Öl auf Papier, 292 mal 299 Zentimeter, wurde 1995 erworben und hing 2006 in der Ausstellung „Männerbilder 1945–2005“ in der Rathaushalle.
Die Reihe war auch der Versuch, nach 1990 an eine ältere Praxis des Hauses anzuknüpfen. Als Galerie Junge Kunst hatte das Museum seit 1965 Künstler des Bezirks Frankfurt (Oder) in Wechselausstellungen vorgestellt; mit den Bundesländern als Rahmen wurde daraus ein Blick über die eigene Region hinaus, auf das, was zwischen Rostock und Chemnitz gerade entstand. Als 2013 die Ostdeutsche Sparkassenstiftung ein Format für fünf Künstler unter vierzig aus genau diesen vier Ländern ermöglichte, war die Landkarte dieselbe wie im Kabinett der neunziger Jahre.
Ein Detail aus dem Jahresprogramm 1994 zeigt, wie eng die Reihe mit dem Alltag des Hauses verwoben war: Von April bis September 1994 war die Rathaushalle wegen Rekonstruktion geschlossen, und das Kabinett blieb für ein halbes Jahr der einzige Ausstellungsraum des Museums. Die „Jungen Künstler aus Thüringen“ eröffneten dort im August, einen Monat bevor die Halle am 25. September mit dem zweiten Teil von „Balance“ wieder aufmachte.