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    Willy Wolff: die Federzeichnung „Kinderbett“ aus den 1950er Jahren

    Ein Bett, ein Stuhl, eine Decke und ein Ball – mehr braucht Willy Wolff (1905–1985) nicht, um in seiner Federzeichnung „Kinderbett“ eine beklemmende Szene zu bauen. Das Tuscheblatt im Format 43,2 cm breit und 28,7 cm hoch trägt rechts unten die Signatur „Wolff“ und wurde 1980 für die Frankfurter Sammlung erworben. Entstanden ist es in den 1950er Jahren.

    • 23. Oktober 2005

    Brigitte Rieger-Jähner beschreibt die Dinge auf dem Blatt wie Figuren eines kleinen Dramas. Das Bett wirkt verschlossen wie eine Burg, der Stuhl davor scheint Wache zu halten, und die Decke kriecht in weicher, formloser Bewegung davon. Der Ball im Vordergrund bleibt allein liegen. Getragen wird diese Stimmung von formalen Mitteln: Diagonalen bestimmen die Komposition, ein dichtes Netz feiner Striche erzeugt starke Hell-Dunkel-Gegensätze, und der Blick von unten lässt die Möbel größer erscheinen, als sie sind.

    Solche Verwandlungen alltäglicher Gegenstände zogen sich durch Wolffs gesamtes Schaffen. Ob Kinderspielzeug, Stecknadeln und Knöpfe, ein Türpfosten am Weg oder eine Krähe in der Baumkrone: Wolff zeichnete sie mit großer Genauigkeit und gab ihnen einen ironischen oder bedrohlichen Beiklang.

    Bis etwa 1950 hatte er vor allem gemalt. Danach rückte bis Mitte der 1960er Jahre das Zeichnen ins Zentrum, zunächst mit Pinsel und Rohrfeder, ab 1954 für rund sechs Jahre fast nur noch mit der Feder. Geschult worden war er in den 1920er und 1930er Jahren von Richard Müller; später studierte er als Meisterschüler bei Otto Dix. Die Präzision seiner Federarbeiten führt der Text auch auf diese Ausbildung zurück. Reisen nach London und Mittelengland 1957 und 1958 brachten ihn in Kontakt mit der damals aufkommenden Pop-Art, die er in eine eigene, sächsisch geprägte Richtung weiterführte.

    Zwischen 1960 und 1962 zeichnete er Ritterhelme, die er bei seiner Arbeit in den Dresdner Kunstsammlungen, wo er Besucher führte, kennengelernt hatte, und reduzierte sie zusehends. 1963 und 1964 folgten gegenstandslose Strukturen. Neben Zeichnung und Grafik umfasst sein Werk Gemälde, Plastiken aus Sandstein, Holz und Marmor sowie Assemblagen und Objekte; zur Person gibt es eine eigene Biografie.