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    Ingo Kirchner: das Aquarell „Begegnung“ und sein Werk zwischen Dada und Zen

    Das kleine Aquarell „Begegnung“ von Ingo Kirchner (1930–1983) entstand 1972 in Aquarell und Bleistift und misst 26,7 × 19,4 cm, bezeichnet mit „Kirchner/72“. Es gehört zu einer Gruppe von Druckgrafiken, Collagen und Aquarellen, die das Museum in Frankfurt (Oder) 1987 aus dem Nachlass des Berliner Künstlers erwarb.

    • 23. Oktober 2005

    Ein wenig bekannter Berliner

    Bei seinem Tod 1983 kannte nur ein kleiner Kreis von Sammlern und Fachleuten Kirchners Arbeit. Auch nach dem Ende der DDR folgten nur kleinere Ausstellungen, eine große Werkschau mit umfassendem Katalog stand noch aus. Das Frankfurter Haus zeigte Blätter aus dem Nachlass deshalb ergänzend in eigenen Ausstellungen.

    Seine Ausbildung erhielt Kirchner in Berlin-Weißensee, wo er zwischen 1949 und 1953 die Kunsthochschule besuchte; zu seinen Lehrern zählten Arno Mohr und Bert Heller. Mit Robert Rehfeldt, Dieter Tucholke und Hanfried Schulz fand er Mitstreiter, die sich mit dem Lehrstoff nicht begnügten und sich in der jüngeren Moderne und der Gegenwartskunst umsahen.

    Westliche Moderne und japanischer Zen

    Kirchner verband Verfahren aus Dada, Surrealismus und Pop-Art mit Gedanken des Zen-Buddhismus – für die DDR der Sechziger- und Siebzigerjahre ein ungewöhnlicher Weg. Kleine Aquarelle, ironische Collagen, Kombinationsdrucke und Materialbilder sollten in Bereiche des Intuitiven und der Meditation führen. Gut ablesbar ist diese Balance an „Metapher III“, einem Kombinationsdruck von 1970, und an den verschiedenen Fassungen der Bildform „Analog“ von 1972. Damit nahm Kirchner indirekt auch Anregungen aus dem Westen auf, wo die Hippie-Bewegung mit Musik, Drogen und östlichen Lehren nach mehr persönlicher Freiheit suchte.

    Die leuchtenden Aquarelle erinnern an das Flower-Power-Dekor von Plattenhüllen und Postern jener Jahre; der Katalogtext verweist auf den Beatles-Film „Yellow Submarine“ von 1968, gezeichnet von Heinz Edelmann. Bei Kirchner herrscht die Linie vor, präzise geführt und in reizvollem Kontrast zu den grellen, psychedelisch wirkenden Farben. „Begegnung“ spielt mit Körperfragmenten und mit rhythmischen Mustern der Op-Art.

    Collagen und Fotomontagen

    Ein zweiter Werkstrang sind Fotomontagen und Collagen, in denen Kirchner neue, absichtsvoll widersinnige Zusammenhänge herstellte. Phantasie, Zufall, Überraschung und Ironie zählte er zu den Möglichkeiten dieser Technik, ebenso das Spiel der Verwandlung und den kritischen Bezug zur eigenen Zeit. Darin tauchen Anspielungen auf Caspar David Friedrich und Giuseppe Arcimboldo auf. An einem festen Stil lag ihm nichts; eine Zuordnung zu einer Kunstrichtung bezeichnete er für sein Schaffen als belanglos. Ernsthaftigkeit und Vergnügen gehörten für ihn zusammen; künstlerisches Arbeiten sollte beides zugleich sein, für ihn selbst und manchmal auch für das Publikum. Lebensdaten und Stationen versammelt die Biografie Ingo Kirchners.