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- 16. Juli 2026
- Aktualisiert 16. Juli 2026
Kein Agitationskitsch, keine Gegenüberstellung
Der Kurator Armin Hauer, der auch den Text zur Ausstellung schrieb, verzichtete auf das naheliegende Konzept, Zukunftspathos und Agitationskitsch gegen differenziertere Figurationen zu stellen. Stattdessen suchte die Ausstellung nach verbindenden Gestaltungsprinzipien: dem Bewahren von Leiblichkeit und dem Erfahren existenzieller Grundbefindlichkeiten. Bei fast allen gezeigten Bildhauern wird die Frau zur Metapher für die Erscheinungsformen zwischen Thanatos und Eros; die Motive werden profaniert, ihrer Attribute entkleidet und aus dem gesellschaftlichen wie religiösen Zusammenhang gelöst, um einen zeitlosen, menschlichen Bezug für die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts herzustellen.
Neben bekannten Arbeiten kamen Werke aus dem Depot ans Licht, die dort lange gelegen hatten, und einige, die erst kurz zuvor in die Sammlung gelangt waren: eine Bronze des René Graetz (1908–1974), Dieter Tucholkes (1934–2001) Serie der „Charakterköpfe“ und Holzarbeiten des Bad Doberaners Erich Wilken (1904–2001), dessen Name bis dahin niemandem etwas gesagt hatte.
Die Lehrergeneration
In den fünfziger und sechziger Jahren lernten die Jungen bei denen, die ihre Ausbildung vor dem Krieg abgeschlossen hatten: bei Gustav Seitz, Fritz Cremer oder Heinrich Drake. Über sie lebte im Osten ein zurückhaltendes, an der Klassik geschultes Menschenbild in der Plastik fort, dessen Vorbilder Wilhelm Gerstel und Ludwig Kasper hießen. Von dieser ersten Generation besitzt das Museum wichtige Arbeiten. Heinrich Drake war mit dem in der Gestik zurückhaltenden „Mädchen“ von 1956 vertreten, Fritz Cremer gleich mit zwei Bronzen: „O Deutschland, bleiche Mutter“ von 1961, ein kompakt gebauter Entwurf für das Mahnmal in Mauthausen, und die Kreuzigungsfigur „Das endlose Kreuz – Irrgarten des Glaubens“ von 1980/82, deren aufgewühlte Gestik das genaue Gegenteil des geschlossenen Mahnmalentwurfs ist. Cremers „Freiheitskämpfer“ von 1947, 1967 erworben, gehört zu den Bronzen, die das Museum von ihm besitzt.
Gegen den herrschenden Figurenstil des sozialistischen Realismus wandten sich schon in den späten fünfziger Jahren Werner Stötzer und Wieland Förster. Beide vermissten in der offiziellen Linie das eigentlich Plastische und die klare skulpturale Form. Stötzer ließ den Stein bewusst unvollendet und machte das Material selbst zum Thema, zu sehen mit der „Kleinen Auschwitzgruppe“ von 1973/74 aus Porphyr; Förster konzentrierte sich auf die Plastik, mit dem „Trauernden Mann“ von 1973/74 und dem „Pablo Neruda“ von 1974/75. Ihr Einfluss auf die folgenden Generationen, so der Text, ist immens.
Quereinsteiger und Maler
Die Anregungen aus Dada, Expressionismus, Pop Art und außereuropäischen Kulturen kamen vor allem von den Malern. Frieder Heinzes mit Piktogrammen übersäter „Mann“ von 1982, Gouache auf Pappmaché, war bis 2003 fast zum Logo des Museums geworden; Karin Sakrowski brachte ein behutsam bemaltes, lyrisches Porträt, Tucholke sein mannshohes Objekt „… zur preußischen Geschichte“ von 1979/80. Quereinsteiger wie der gelernte Steinmetz Peter Makolies aus Dresden, in der Ausstellung mit der Marmorfigur „Judith mit erhobener Hand“ von 1985, oder Horst Bachmann, ein Autodidakt aus der Lausitz, der für sich allein arbeitete, brachten zusätzliche Bewegung in die Szene. Hans Scheuereckers „Der letzte Tanz“ aus Latex und Sperrholz, vier Meter breit, und Frank Seidels „Kreuzigung, Frankfurter Gruppe“ von 1989 aus Gips, Holz und Eisen, acht Meter tief, lasen sich zusammen mit Tucholkes surrealen Köpfen als vielstimmige Warnung, dass der Einzelne verloren zu gehen drohte – geschaffen, bevor die DDR zu Ende ging.
Diese Werke fanden in den Museen der DDR so gut wie keinen Platz. Das Museum Junge Kunst konnte Ende der achtziger Jahre noch wesentliche Arbeiten von ihnen erwerben und besitzt seither eine Sammlung figurativer Plastik, in der die Traditionalisten neben jenen stehen, die sich um akademische Proportionen und Materialtreue wenig kümmerten. Die Namensliste am Kopf der Ausstellungsseite, von Appelt und Bachmann über Graetz, Heinze und Jaeger bis Weidanz und Wilken, ist die Kurzfassung dieser Bildhauergeschichte. Gerd Jaegers „Kopf der Tänzerin S. L.“ von 1953, eine Bronze von 31 Zentimetern, steht darin für die Dresdner Bildhauer der fünfziger Jahre.