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- 20. August 2026
- Aktualisiert 20. August 2026
Was 1937 geschah
Die Aktion „Entartete Kunst“ betraf 21.000 Werke, die der NS-Staat auf gesetzlicher Grundlage aus den Sammlungen deutscher Museen holen ließ; unter demselben Schlagwort lief 1937 auch eine Schau, die zu den hetzerischsten und meistbesuchten jener Jahre gehörte. Rund 5.000 der beschlagnahmten Werke wurden zerstört, 8.700 verkauft, die meisten davon ins Ausland. Was aus den übrigen etwa 6.000 wurde, ist unbekannt – bis auf die 600 Blätter in Rostock. Sie stammen von Bernhard Aloysius Böhmer, Bildhauer und Kunsthändler, der ab 1938 mit offizieller Erlaubnis Werke der sogenannten entarteten Kunst verkaufte und, als die „Verwertung“ am 30. Juni 1941 beendet wurde, übrig gebliebene Bestände an sich nahm. Wie diese über 600 Arbeiten in den Besitz des Rostocker Museums kamen, erklärte die Ausstellung ebenso wie die Rolle Böhmers, die der Text der Kuratorin Brigitte Rieger-Jähner als umstritten bezeichnet.
Die Werke
Gezeigt wurden vor allem Arbeiten auf Papier, dazu Plastiken, einzelne Blätter und ganze Werkgruppen: von Jankel Adler, Ernst Barlach, Willi Baumeister, Lovis Corinth, Otto Dix, Heinrich Ehmsen, Lyonel Feininger, Erich Heckel, Alexander Kanoldt, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Franz Marc, Ludwig Meidner, Henry Moore, Otto Mueller, Max Pechstein, Christian Rohlfs, Karl Schmidt-Rottluff und Georg Schrimpf. Die Liste der vertretenen Künstler auf der Ausstellungsseite reicht von Carl Buchheister und Heinrich Maria Davringhausen über Hans und Lea Grundig, Bernhard Hoetger und Willy Jaeckel bis zu László Moholy-Nagy, Johannes Molzahn, Wilhelm Morgner, Emil Nolde, Otto Pankok, Max Pfeiffer-Watenphul, Edwin Scharff, Karl Schwesig, Arthur Segal und Lasar Segall.
Vier Blätter sind auf der Seite abgebildet, jedes mit dem Museum, aus dem es 1937 entfernt wurde: Otto Dix’ Radierung „Streichholzhändler“ von 1920 aus dem Städtischen Museum Mainz, Lyonel Feiningers Holzschnitt „Pariser Häuser“ von 1920 aus den Museen der Stadt Erfurt, Lovis Corinths lithografiertes Selbstbildnis von 1919 aus der Kunsthalle Hamburg und Karl Schmidt-Rottluffs Holzschnitt „Christus flucht dem Feigenbaum“ von 1918 aus der Staatlichen Kunstgalerie Stuttgart. Die Ernst Barlach Stiftung Güstrow stellte zusätzliche Plastiken zur Verfügung. Den Eröffnungsvortrag am Vormittag des 27. Oktober 2013 hielt Volker Probst; sein Thema: „Mein guter wie mein böser Engel“.
Texttafeln und ein Vertrag mit Rostock
Neben den Werken standen Texttafeln. Sie erklärten, warum die Führung des NS-Regimes diese Kunst und die Menschen, die sie geschaffen hatten, so verabscheute und mit welchen Mitteln sie diese Ablehnung in die breite Bevölkerung trug. Der Titel nannte die Moderne als eines der wesentlichen Feindbilder des Faschismus, und die Auswahl von über 200 Werken aus den 600 Rostocker Blättern traf die Direktorin und Kuratorin.
Die Zusammenarbeit war Teil eines Vertrages zwischen den beiden Häusern, den die Chronik des Museums in ihrer 52. Anmerkung beschreibt: Für 2014 stellte das Rostocker Museum aus seinem Grafikbestand Leihgaben aus Renaissance und Barock in Aussicht, und für 2015 und 2016 sollte umgekehrt die Frankfurter Sammlung in Rostock ausstellen. Die „Entartete Kunst“ in Frankfurt (Oder) war damit der erste Schritt eines Austauschs zwischen einer Sammlung der Klassischen Moderne, die durch die Verfemung entstanden war, und einer Sammlung der Kunst aus der DDR, die in der Rathaushalle seit 1965 gegen andere Verordnungen aufgebaut worden war. Der Vertrag steht in der Chronik zwischen den Anmerkungen zu den Katalogen und zur Ausstellung „eigenWilligkeit“, im letzten Abschnitt vor der Übergabe der Direktion im November 2014.