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    Wolfgang Petrovsky und Frank Voigt: „Mauerblümchen“, Siebdruck 1983

    „Mauerblümchen“ ist eines von acht Blättern der Mappe „Fastnacht und Aschermittwoch“, die Wolfgang Petrovsky (Jahrgang 1947) und Frank Voigt (Jahrgang 1946) gemeinsam herausbrachten. Der Farbsiebdruck von 1983, Exemplar 25 von 30, misst 70,2 × 82,3 cm und ist rechts unten mit „Petrovsky/Voigt 83“ bezeichnet. Das Museum erwarb ihn 1984; 2005/06 zeigte es ihn in der Sammlungsschau „Arbeiten auf Papier“ (Jahresprogramm 2005).

    • 23. Oktober 2005

    Erinnerung an den 13. Februar 1945

    Den Anlass gab der Luftangriff der Royal Air Force auf Dresden in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945, einem Aschermittwoch. Mehr als 35 000 Menschen starben, das historische Stadtbild ging verloren. 38 Jahre danach entstand die Mappe. Der in Freital bei Dresden tätige Petrovsky verstand seine Arbeit als fortwährende Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, in der Schicksale von Opfern, Tätern und Mitläufern ineinandergreifen. Damit widersprach er dem offiziellen Geschichtsbild der DDR, das auf einen antifaschistischen Konsens und klare Rollen setzte; neben Voigt arbeitete zeitweise auch der Leipziger Joachim Jansong mit ihm auf diesem Feld.

    Armin Hauer stellt diese Sicht neben die Bücher von Franz Fühmann und Christa Wolf. Beide bereiteten die Vergangenheit subjektiv auf und sorgten anfangs für Irritation. Fotos und Dokumente im Siebdruck zu verwenden, galt Ende der Siebzigerjahre in der DDR als Tabubruch, zumal Bezüge zu Robert Rauschenberg, Wolf Vostell und den Collagen von Kurt Schwitters erkennbar waren. Neben solchen Geschichtsarbeiten malte Petrovsky auch ungegenständlich-expressive Bilder, von denen das Museum mehrere besitzt; bekannt wurde er jedoch mit den historischen Blättern.

    Fundstücke übereinander

    Die acht großen Blätter setzen Familienfotos, Todesanzeigen, Aufnahmen der zerstörten Stadt, Reklame für Kinderwagen und Zahnpflege, Polizeifotos und Postkarten aus dem sozialistischen Dresden zueinander. Auf dem ersten liegt über der Trümmerlandschaft ein Bild von Kindern in Faschingskostümen, ein schwarzer Streifen läuft wie eine Träne darüber. Das dritte Blatt trägt einen Slogan aus der NS-Zeit, der Kinderreichtum zur nationalen Pflicht erklärt; darauf steht eine Kinderwagenanzeige neben der Aufnahme einer verbrannten Familie, die auf einer Bank sitzt, davor ein voll beladener Kinderwagen. Das letzte Blatt zeigt wieder die Ruinen, darauf ein transparentes rotes Kreuz und ein Piktogramm aus den DDR-Vorschriften für Sirenenalarm mit der Minutenangabe für die Entwarnung.

    Eigene grafische Eingriffe nahmen die beiden Künstler kaum vor; die Wirkung entsteht aus dem Nebeneinander von Banalem, Trivialem und Epochalem. Petrovsky selbst wollte sachlich-dokumentarisch und ohne falsches Pathos erinnern, dabei auf Assoziation statt Belehrung setzen und die Erinnerung an die Opfer als Auseinandersetzung mit der Gegenwart verstanden wissen.