RegisterOderkunst

    Stefan Plenkers: „Interieur mit Weinglas“, Tuschzeichnung von 1985

    Die Pinselzeichnung „Interieur mit Weinglas“ von Stefan Plenkers, Jahrgang 1945, entstand 1985 und kam noch im selben Jahr in die Frankfurter Grafiksammlung. Das Blatt ist mit Tusche ausgeführt, misst 63 × 48 cm und trägt rechts unten die Signatur „Plenkers 85“. Gezeigt wurde es in der Sammlungsausstellung „Arbeiten auf Papier“ (Jahresprogramm 2005), zu der Armin Hauer den Begleittext schrieb.

    • 23. Oktober 2005

    Zeichnung als eigene Gattung

    Seit dem Studium in Dresden arbeitete Plenkers mit Stift und Pinsel. Anfangs dienten die Blätter oft als Vorstudien für Gemälde, bald behandelte er Zeichnung und Druckgrafik jedoch als gleichrangige Bereiche seines Werks. Ihre klare Linienführung wanderte in die Malerei hinüber: Auf hellen, beinahe kalligrafisch wirkenden Leinwänden tragen Kontur und Fläche das Motiv, ohne es bloß abzubilden. Später kamen schwungvolle Kürzel und lockere Arabesken hinzu. Hauer grenzt sie von den Piktogrammen A. R. Pencks (Ralf Winkler) ab und versteht sie als veränderliche Zeichen, gewonnen aus der Anschauung.

    Als Bezugspunkte nennt der Text die Welttheater-Bilder Max Beckmanns, die kantigen Berliner Stadtansichten Werner Heldts und das Ornament von Henri Matisse, das Plenkers kühler und kontrollierter einsetzte. Als Dresdner kannte er zudem die Druckgrafik der Brücke-Maler. Mit dem gleichaltrigen Reiner Zille teilt er Motive und Bildaufbau; Zille überlässt sich dabei stärker der Farbe und einem freieren Formrhythmus.

    Räume ohne Ausweg

    In den Achtzigerjahren gab Plenkers den weiten Blick auf Meer und Stadt auf. Ateliers, Straßen der Gründerzeit, Bars, Kneipen und Theatersäle schob er nun ineinander, bis sich Räume überlagern und Proportionen kippen. Enge und Orientierungslosigkeit bestimmen diese Bilder, Erfundenes und Vorgefundenes, Schein und Wirklichkeit verbinden sich zu einem spröden Ornament. Bilder im Bild, Durchblicke und Spiegelungen machen die Orte unübersichtlich; Figuren und Mobiliar sitzen fest wie auf einer Bühne. Ob damit das Lebensgefühl in der DDR gemeint sei, lässt Hauer offen und neigt zu einer allgemeineren Deutung: Die Motive lassen sich kaum einem bestimmten Ort zuordnen, sie beschreiben die Erfahrung eines Menschen, dem die Großstadt fremd geworden ist. Kinos, Lokale, Theater und Bordelle werden zu Labyrinthen, die Figuren bleiben kantig und schemenhaft und warten, tanzen, trinken oder schauen.

    Aus dieser Phase besitzt das Museum mehrere Ölgemälde sowie zahlreiche Druckgrafiken und Zeichnungen. Das „Interieur mit Weinglas“ greift ein Thema auf, das auch in Plenkers’ Malerei vorkommt: Menschen in einer Bar. Was zunächst lebhaft wirkt, zeigt bei längerem Betrachten lauter vereinzelte Gestalten, und der Betrachter findet sich in der Rolle eines heimlichen Zuschauers wieder.