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    René Graetz: Farbsiebdruck „Phönix“ von 1971

    Der farbige Siebdruck „Phönix“ von René Graetz (1908–1974) entstand 1971. Das Blatt, Exemplar 15/40 im Format 40 x 33 cm, ist unten rechts mit „RG“ bezeichnet und gelangte 2002 in die Frankfurter Sammlung. In der Ausstellung „Arbeiten auf Papier“ 2005/06 widmete Armin Hauer dem Bildhauer, Zeichner und Maler einen eigenen Text.

    • 23. Oktober 2005

    Autodidakt und Rückkehrer

    Graetz blieb zeitlebens überzeugter Kommunist und ging in der DDR stilistisch wie inhaltlich oft Kompromisse ein. Im März 1970 hielt er im Tagebuch fest, er sei womöglich zum ersten Mal seit 1950 wieder ganz bei sich angekommen.

    Sein Handwerk hatte er sich als junger Mann weitgehend selbst beigebracht. Nach Jahren in verschiedenen Ländern Europas und Amerikas kehrte er 1946 aus dem englischen Exil zurück. In Ostdeutschland bewarb er sich um Aufträge für Plastiken im öffentlichen Raum, von denen einige ausgeführt wurden; sie blieben in der Gestik zurückhaltend.

    Kriegsthemen und der Phönix

    Kaum bekannt war dagegen sein zeichnerisches Werk aus der Zeit bis etwa 1950. In einer expressiv-kubistischen Handschrift, die an Pablo Picasso (1881–1973) geschult war, verarbeitete Graetz das Leid des Zweiten Weltkriegs. Kentauren, der Gekreuzigte, Mutter und Kind, Frauenfiguren und der Phönix dienten ihm als Bilder für Krieg und Frieden. Damit zählte er zu den wenigen Künstlern der frühen DDR, die sich der gerade erlebten Katastrophe ernsthaft stellten; Hauer verweist in diesem Zusammenhang auch auf Willi Sitte. Kennzeichnend sind harte Hell-Dunkel-Kontraste und nach oben strebende Baum- und Leitermotive. Den Phönix verstand Graetz als Zeichen der Hoffnung auf eine gerechtere Ordnung, die aus den Trümmern entsteht.

    Mit dem Kalten Krieg und der Angst vor einem Atomschlag entstanden idyllische Kinder- und Frauenbilder sowie plakative Warnungen vor dem Atomkrieg, die Hauer künstlerisch für schwächer hält.

    Neubeginn um 1970

    Um 1970 setzte ein Umbruch ein. Graetz notierte, sein Formgefühl sei aufgebraucht und er müsse noch einmal von vorn beginnen. Er fragte sich, ob die menschliche Gestalt wirklich das einzige Medium für neue Ideen in der Skulptur sei, verneinte das und schrieb, er habe in vieler Hinsicht zwanzig Jahre verloren. In rascher Folge entstanden Plastiken, die er Small Upright Figure nannte und die an Formerfahrungen von Henry Moore (1898–1986) aus Großbritannien anknüpfen; aus dieser Phase besitzt das Museum eine Bronze von 1973.

    Auch die Zeichnung wurde flächiger und allgemeiner. Reisen nach Asien führten ihn zu einem stark reduzierten Stil, der Anregungen aus Henri Matisses (1869–1954) Scherenschnitten, aus japanischen Federzeichnungen und aus Picassos Keramikmalerei verband. Ein großes Wandbild für den Palast der Republik, begonnen um 1973/74, konnte er nicht mehr vollenden; fertiggestellt hat es Arno Mohr (1910–2001).