- 23. Oktober 2005
Zwischen Spanien und der DDR
Mit 14 Jahren kam Quevedo zusammen mit den Eltern aus Spanien in die DDR. Sie studierte Grafik an der Weißenseer Kunsthochschule in Berlin. Zunächst entstanden freie Blätter und viele Illustrationen zu Büchern der deutschen und spanischen Literatur, später hielten sich Grafik, Malerei und Aquarell die Waage. Eine Mappe mit Radierungen und Kohlezeichnungen widmete sie Christa Wolfs „Kassandra“; einen Satz der Schriftstellerin über das Sprechen mit eigener Stimme stellte sie der Mappe voran und bezog ihn auf ihre gesamte Arbeit.
Quer durch Themen und Techniken verbindet sie die Bildtraditionen beider Länder. Die Neigung zum Grübeln und Philosophieren hält sie selbst für einen Zug, den Deutsche und Spanier gemeinsam haben. In den Landschaften wird diese Haltung besonders greifbar. Malen und Zeichnen bedeuteten für Quevedo nach eigener Aussage, sich auszudrücken, Erlebtes zu verarbeiten, Konflikte hinter sich zu lassen und die Umwelt und die Menschen um sie herum besser zu verstehen.
Landschaften im Herbst und Vorfrühling
Lange zeichnete Quevedo mit dem Bleistift direkt vor dem Motiv. Ab 1975 kam das Aquarell hinzu, für das Skizzen und Fotos als Gedächtnisstütze dienten. Besonders zogen sie Norddeutschland und Mecklenburg an, deren herbe, schlichte Farbigkeit ihr entgegenkam. An der Ostsee brauchte sie länger: Am Mittelmeer aufgewachsen, empfand sie das graugrüne Wasser und den silbrigen Himmel zunächst als fremd, bevor sie ihr vertraut wurden. Reisen nach Spanien hielten die Erinnerung an die Landschaft der Kindheit wach, und den Kontrast beider Gegenden beschrieb sie als Antrieb.
Lieblich wirkt keines dieser Blätter, und meist hielt sie Stimmungen des Herbstes oder des Vorfrühlings fest. Wiesen und brachliegende Felder, oft kurz vor oder nach einem Schauer gesehen, spiegeln Büsche und Bäume im nassen Grund. Die Farbe trug Quevedo in vielen dünnen Lagen auf, ohne die Durchsicht zu verlieren, häufig zuletzt einen feinen Goldton über das ganze Blatt. Brigitte Rieger-Jähner führt den grünlich-goldenen Klang auf das spanische Erbe zurück; warme und kalte Gelbtöne übereinander erzeugen eine Unruhe, die sie ausdrücklich von Traurigkeit unterscheidet.