- 23. Oktober 2005
Neun Siebdrucke, ein Bild
Einen kleinen Hund sucht man vergeblich. Der Titel stammt von einem Seemannslied, das Götze gefiel; einige Zeilen daraus stehen links oben neben einem riesigen Männerschädel. Was zunächst wie ein Gemälde aussieht, setzt sich aus neun Serigrafien zusammen. Auf diesem einfachen Weg löste der Künstler die Aufgabe, eine Grafik von zwei mal drei Metern herzustellen.
Montage ist bei Götze ein durchgängiges Prinzip. Er kombiniert Bildmotive unterschiedlicher Epochen und Schauplätze, wobei nach Rieger-Jähner formale Gesetze stärker zählen als inhaltliche. Die Rahmen der Einzelblätter teilen die Fläche in gleich große Felder und ordnen die Fülle. Götze arbeitet in vielen Medien, von Grafikfolgen über Tafel- und Wandbilder bis zu einer elektronisch gesteuerten Prismawand.
Bildvorrat aus dem Bücherschrank
Seinen Motivfundus verdankt Götze einer frühen Bildbegeisterung. Im Bücherschrank der Eltern fand er Flottenkalender von 1915 und 1917, eine illustrierte Geschichte des Deutsch-Französischen Krieges und eine bebilderte Weltgeschichte. Daraus schöpft er bis heute, sodass sich in seinen Werken Vergangenes und Gegenwärtiges mischen.
Die Farben sind satt und leuchtend, aber ohne expressiven Gestus. Götze arbeitet flächig und genau; die Linie dient allein dazu, Farbfelder zu begrenzen. Größe und Anordnung der Figuren folgen subjektiven, formalen Entscheidungen, auch wenn jede für sich realistisch proportioniert ist.
Die Szene
Im goldenen Schnitt steht frontal ein glatzköpfiger Mann in Nadelstreifen und Krawatte und hält ein Prisma. Er scheint weder das Chaos ringsum noch die nackte Frau neben sich zu bemerken. Sie ist durch einen Paravent abgeschirmt und sieht nur den banalen Kram zu ihren Füßen, nicht aber den Vulkanausbruch, das Überseeschiff, den Himmelskörper oder das von Fluten bedrängte Stadtviertel. Rieger-Jähner beschreibt das Paar als gefangen in einem imaginären Bühnenraum, der Innen und Außen, Privates und Offizielles verbindet. In dieser erfundenen Welt scheint die Zeit stillzustehen; trotz Chaos und Katastrophen bleiben Schmerz und Trauer nach ihrer Lesart ausgesperrt, die Szene gleicht einer Märchenbühne.