- 5. Juni 2011
Der Begleittext vermutete, dass das Bild bald nach dem Studienabschluss entstand: Die Malerin präsentiert sich selbstbewusst und mit dem Handwerkszeug ihres Berufs, bereit, sich in der von Männern dominierten Leipziger Malerei zu behaupten. Im Raum hinter ihr sind Fenster, Staffelei, Malstock und Farbtuben nüchtern aufgereiht, gezeichnet im neusachlichen Stil, der damals für die Leipziger Schule typisch war. Die Anordnung erinnert an Georg Friedrich Kerstings Gemälde von 1819, das Caspar David Friedrich in seinem kargen Atelier zeigt und heute in der Alten Nationalgalerie Berlin hängt.
Geilsdorf selbst rückt bis an den vorderen Bildrand und mustert den Betrachter mit Distanz. Sie trägt eine modische gelbe Plastikbrille, einen Pagenkopf und ein rotes, schulterfreies Unterhemd; in der rechten Hand hält sie eine Zigarette, die nicht raucht, am Ringfinger glänzt ein goldener Ring.
Die Malerin wurde 1949 in Aue geboren, absolvierte eine Lehre als Bauzeichnerin und studierte von 1970 bis 1975 an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Sie lebt in Wiederitzsch bei Leipzig.