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    Max Lachnit: „Gruppe auf Podest vor Mauer“ und seine Reliefdrucke

    Eine Plastik auf einer gemusterten Bodenplatte vor einem endlosen, einfarbigen Grund – so sind viele späte Blätter von Max Lachnit (1900–1972) gebaut. „Gruppe auf Podest vor Mauer“ entstand 1968/70 als Tiefätzung und Monotypie im Format 26,1 × 33,6 cm, Darstellung 25 × 32,6 cm, rückseitig bezeichnet. Das Museum in Frankfurt (Oder) erwarb das Blatt 1990.

    • 23. Oktober 2005

    Ein Bildhauer ohne Aufträge

    Lachnit arbeitete in der baugebundenen Kunst, als Bildhauer, Maler und Grafiker. Kurz nach Kriegsende schrieb er Aufzeichnungen zum „Kulturablauf“, in denen er über Barbarei, Kulturverfall und die Rolle des Einzelnen nachdachte. Katholisch geprägt, erwartete er nach dem Faschismus einen hellen Neubeginn. Bis in die frühen Sechziger hielt er an dieser Hoffnung fest.

    Dann setzte sich ein anderes Architekturverständnis durch, und Bauaufträge blieben fast ganz aus. Hinzu kam, dass die Kulturpolitik der DDR die klassische Moderne und angeblichen Formalismus bekämpfte. Für Lachnit hieß das: kaum Ausstellungen, kaum Verkäufe, kaum Öffentlichkeit, ein Rückzug ins Atelier. Erst eine Retrospektive 1991 in Magdeburg, im Kloster Unser Lieben Frauen, machte sein baugebundenes, malerisches, grafisches und kleinplastisches Werk breiter sichtbar.

    Bildwelt und Vorbilder

    Besonders in der Grafik kreiste Lachnit um Geburt, Leben und Tod, um Gemeinschaft und Vereinsamung, angesiedelt in der Nachkriegszeit und in der neuen Diktatur. Orientierung boten antike Mythen und biblische Stoffe. Sein abstrahierender, figürlich-symbolischer Stil verarbeitete Anregungen von Pablo Picasso und Henry Moore; in altägyptischer Skulptur sah er eine verwandte feierliche Monumentalität. Seine Plastik wandelte sich von weich stilisierten Körpern zu ornamentalen Zeichen, oft farbig gefasst und mit Ritzungen versehen.

    Plastik auf Papier

    Als ab den Sechzigern keine Fassaden und Außenräume mehr zu gestalten waren, übertrug Lachnit Relief und Plastik auf Papier. Dafür entwickelte er einen Prägedruck mit reliefartig geätzten Zinkplatten. Erst wurde sein Figurenpersonal strenger stilisiert und in kastenförmige Bühnenräume gestellt, dann verschwanden auch diese Räume. Um 1964 fand er zu der Grundform aus Bodenplatte, monochromem Hintergrund und davorstehender Plastik, Reliefwand oder Skulpturengruppe.

    Auf dieser imaginären Bühne verwirklichte Lachnit Entwürfe für Kunst im öffentlichen Raum, die nie gebaut wurden. Die Silhouetten der Reliefs zeigen Figuren, Pflanzen, Flammen, Vögel, Verkünder oder surreale Wesen, und in die Flächen sind weitere stilisierte Paare, Tiere, Zacken und Wellenlinien eingetragen. Der Katalogtext von Armin Hauer erkennt darin eine warmtonige, in der Dresdner Farbkultur verwurzelte Klangwelt und vergleicht das Vorgehen mit dem Pygmalion-Mythos. Er zählt Lachnit zu den wenigen ostdeutschen Künstlern seines Jahrgangs, die im Stillen einen ernsthaften Austausch mit der figürlichen klassischen Moderne pflegten.